Diskriminierung in kleinen Schritten

Wie wir jetzt wissen, gibt es in Krankenhäusern bereits Eltern, welche die behandelnden ÄrztInnen mit der Forderung eines „ausländerfreien Zimmers“ für ihr hospitalisiertes Kind unter Druck setzen. So passiert vor einigen Tagen in Brandenburg. Ich selbst erlebe immer wieder geriatrische PatientInnen oder Angehörige, welche sich abfällig über Pflegepersonen mit Migrationshintergrund äußern oder sogar die Betreuung durch diese ablehnen – möchten. Und ich sehe PflegeheimbewohnerInnen, die ihre MitpatientInnen aus anderen Ländern beleidigen, rassistisch beschimpfen oder immer wieder über „die Ausländer“ (sic!) herziehen! Für uns selbst steigt die Verantwortung, Haltung zu zeigen, dieser Unkultur entgegenzutreten und uns konkret dazu zu äußern, indem wir den PatientInnen und Angehörigen klarmachen, dass solche diskriminierenden Forderungen und Äußerungen nicht geduldet und schon gar nicht unterstützt werden.

Der Humanismus darf nicht verloren gehen, keinesfalls in der „Heilkunst“, aber auch sonst nicht! Wer hätte vor einigen Jahren gedacht, dass irgendwann diskutiert wird, ob man ertrinkende Menschen aus dem Meer retten „darf“ (!) oder soll …? Wie konnte es so weit kommen? Die diversen mauerbauenden, verhetzenden und orbanisierenden politischen Strömungen tragen – auch „Kurz“ gesagt – viel dazu bei. Die erste Premiere dieser Spielzeit im Wiener Burgtheater war „Mephisto“. In der sehr beeindruckenden Inszenierung und dem berührenden Stück, das einen Künstler im aufstrebenden Nationalsozialismus zum Mittelpunkt hat, ist der Satz zu hören: „Man wartet immer ein bisschen ab, bis das Gewissen der Welt den nächsten Schritt verträgt.“

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Dieser Beitrag erschien auch im Printmagazin Medical Tribune