8. Nov. 2026Geschlechtsspezifische Differenzen

Chronische spontane Urtikaria: Frauen sind besonders betroffen

Wie unterscheidet sich die chronische spontane Urtikaria (CSU) zwischen Männern und Frauen? Welche Rolle spielen hormonelle Veränderungen beim weiblichen Geschlecht? Eine große aktuelle Analyse rückt geschlechtsspezifische Differenzen in den Fokus und liefert damit wichtige Hinweise für die klinische Praxis.

Urtikaria
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Die chronische spontane Urtikaria (CSU) zählt zu den häufigsten chronischen Hauterkrankungen und stellt sowohl Betroffene als auch Behandelnde vor erhebliche Herausforderungen. Kennzeichen der Erkrankung sind wiederkehrende Quaddeln und/oder Angioödeme über sechs Wochen, die nicht nur körperlich belasten, sondern auch Schlaf, Alltag und psychosoziales Wohlbefinden beeinträchtigen.

Ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern um Prof. Dr. Emek Kocatürk von der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat nun Daten von mehr als 4.000 Patientinnen und Patienten aus dem internationalen Chronic Urticaria Registry (CURE) ausgewertet. Ziel war es, systematisch zu untersuchen, wie sich die chronische spontane Urtikaria zwischen Frauen und Männern unterscheidet bzw. inwiefern die hormonellen Veränderungen bei Frauen die Krankheitsausprägung beeinflussen.

Die Analyse bestätigt eindrücklich: Frauen sind von CSU besonders betroffen. Mehr als 72% der Patientinnen und Patienten waren weiblich. Zwar zeigte sich bereits ab dem siebten Lebensjahr ein Überwiegen bei Mädchen. Statistisch signifikant wurde die Geschlechterdifferenz jedoch erst ab dem 31. Lebensjahr und nahm im Verlauf weiter zu.

Erkrankung bei Frauen schlechter kontrolliert

Auch der klinische Verlauf der chronischen spontanen Urtikaria war bei Frauen schwerer. Sie litten signifikant häufiger unter Angioödemen, systemischen Beschwerden wie Fieber, Muskel- und Gelenkschmerzen. Sie berichteten auch öfter über Schlafstörungen sowie eine deutlich stärker eingeschränkte Lebensqualität als Männer.

Ein ähnliches Bild zeigte sich bei den Begleiterkrankungen. Ab dem 30. Lebensjahr traten bei Frauen vermehrt Asthma, Adipositas, Schilddrüsen- und Autoimmunerkrankungen, gastrointestinale Probleme sowie Depressionen auf. Männer hingegen waren häufiger von Diabetes betroffen und wiesen höhere Raten an Rauchen und Alkoholkonsum auf.

Auch die Krankheitskontrolle war bei Frauen schlechter. Im Alter zwischen 30 und 65 Jahren hatten Frauen ein um 25% höheres Risiko für eine schlechte Krankheitskontrolle. Dies galt unabhängig von der jeweils eingesetzten Therapie. Dieser Nachteil zeigte sich über alle gängigen Behandlungsoptionen hinweg, von Antihistaminika bis hin zu Omalizumab und Ciclosporin.

Höchste Krankheitslast zwischen 51–65 Jahren

Auffallend war außerdem, dass sich die chronische spontane Urtikaria bei Frauen insbesondere im Alter von 51–65 Jahren deutlich verschlechterte. In dieser Lebensphase hatten Frauen stärkere Symptome, eine schlechtere Lebensqualität, eine ausgeprägte Therapieresistenz und mehr Notfallkontakte. Bei älteren Frauen (>65 Jahren) waren diese Unterschiede weniger stark.

Als mögliche Ursache diskutieren die Autorinnen und Autoren hormonelle Umstellungsprozesse im Rahmen der Menopause, die mit metabolischen und immunologischen Veränderungen einhergehen, darunter eine verstärkte proinflammatorische Aktivität.

Die Ergebnisse sprechen damit für eine klare biologische Grundlage des schwereren Krankheitsverlaufs der chronischen spontanen Urtikaria bei Frauen. Sie widersprechen somit der verbreiteten Annahme, dass Frauen Symptome lediglich stärker berichten.

Für die Praxis ergibt sich daraus ein klarer Handlungsbedarf. Ärztinnen und Ärzte sollten CSU-Patientinnen, insbesondere im Alter von 30 bis 65 Jahren, gezielt auf Begleiterkrankungen untersuchen und die Therapie frühzeitig eskalieren, wenn die Symptomkontrolle unzureichend bleibt.