5. Nov. 2026ESC 2026

Definition des Herzinfarkts 2026

Erhöhte Troponinwerte treten bei vielen akuten Erkrankungen auf, bedeuten aber nicht automatisch einen Myokardinfarkt. Die auf dem ESC-Kongress 2026 vorgestellte fünfte universelle Definition des Myokardinfarkts orientiert sich stärker an der Pathophysiologie und der klinischen Beurteilung. Sie trennt Myokardinfarkt und Myokardschädigung klarer voneinander.

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Die Definition entstand in Zusammenarbeit der European Society of Cardiology (ESC), des American College of Cardiology (ACC), der American Heart Association (AHA) und der World Heart Federation (WHF).

Ein Herzinfarkt bleibt als Absterben von Myokardzellen durch anhaltende Ischämie definiert. Für die Diagnose braucht es Hinweise auf eine akute Myokardschädigung und mindestens ein weiteres Ischämie-Kriterium. Dazu zählen: typische Symptome, neue ischämische EKG-Veränderungen, pathologische Q-Zacken, der Nachweis einer akuten Koronarpathologie oder ein neuer Verlust von vitalem Myokard bzw. eine neue regionale Wandbewegungsstörung mit ischämischem Muster.

Schädigung ist nicht gleich Infarkt

Troponin bleibt ein zentraler Marker in der Diagnostik. Ein erhöhter Wert allein genügt jedoch nicht. Eine akute Myokardschädigung liegt vor, wenn die Troponinkonzentration steigt oder fällt und mindestens ein Wert über der geschlechtsspezifischen 99. Perzentile liegt.

Die Ursachen können ischämisch oder nicht ischämisch sein. Erst der Nachweis einer Ischämie und das Erfüllen der Infarkt-Kriterien bestätigen einen Myokardinfarkt.

Erhöhte Troponinwerte treten auch bei Sepsis, akuter Herzinsuffizienz oder eingeschränkter Nierenfunktion auf. Entscheidend ist, ob die Myokardschädigung durch eine Ischämie verursacht wird.

Drei klinische Kategorien

Die bisherige Typisierung des Herzinfarkts (Typ 1 bis 5) wurde durch drei klinische Kategorien ersetzt: primärer, sekundärer und prozedurbezogener Myokardinfarkt. Diese Dreiteilung soll die Klassifikation stärker an die Pathophysiologie und die klinische Praxis anpassen.

Ein primärer Myokardinfarkt entsteht spontan durch eine akute Koronarpathologie. Meist liegt eine Atherothrombose nach Plaqueruptur oder -erosion vor. Auch spontane Koronardissektionen, Koronarembolien, Vasospasmen sowie Restenosen, Stentthrombosen oder Bypassverschlüsse mehr als 30 Tage nach einer Revaskularisation fallen in diese Kategorie.

Ein sekundärer Myokardinfarkt entsteht durch eine akute Erkrankung, die das Gleichgewicht zwischen Sauerstoffangebot und -bedarf des Myokards stört. Für die Diagnose reichen eine akute Erkrankung, ein Sauerstoffungleichgewicht und erhöhte Troponinwerte nicht aus. Es müssen zusätzlich klinische oder elektrokardiografische Hinweise auf eine Ischämie vorliegen. Bildgebende Verfahren können die Diagnose stützen, etwa durch den Nachweis einer obstruktiven koronaren Herzkrankheit ohne akute Koronarpathologie, einer neuen regionalen Wandbewegungsstörung oder eines neuen Verlusts von vitalem Myokard.

Der prozedurbezogene Myokardinfarkt bildet die dritte Kategorie. Er tritt als Komplikation eines kardialen Eingriffs innerhalb von 30 Tagen auf. Dazu zählen perkutane Eingriffe, strukturelle Herzeingriffe, Katheterablationen sowie offene oder minimalinvasive Herzoperationen.

Feste Troponinschwellen definieren den prozedurbezogenen Myokardinfarkt nicht mehr. Nach kardialen Eingriffen sind akute Myokardschädigungen häufig. Biomarkerwerte können den Verdacht erhärten und die Entscheidung für eine Bildgebung unterstützen. Zur Bestätigung dienen objektive Befunde wie eine Koronarkomplikation oder neue bildgebende Hinweise auf eine ischämische Myokardschädigung. Tritt die Komplikation während des Eingriffs auf oder erfolgt der Eingriff wegen eines akuten Myokardinfarkts, sind beide Befunde erforderlich.

Geschlechtsspezifische Grenzwerte

Eine weitere Neuerung betrifft die Troponingrenzwerte. Die Definition berücksichtigt geschlechtsspezifische obere Referenzgrenzen der 99. Perzentile. Bei Frauen liegen die Grenzwerte für hochsensitive Troponin-I- und -T-Tests niedriger als die bisher einheitlichen Werte. Diese Anpassung soll verhindern, dass Myokardschädigungen und Infarkte bei Frauen übersehen werden.

Eine wahrscheinliche Infarktdiagnose lässt sich oft ohne Bildgebung stellen. Zur Bestätigung und zur Klärung des Mechanismus dienen jedoch Koronarangiografie und/oder kardiale Bildgebung. Nichtinvasive Verfahren wie Echokardiografie, kardiale MRT oder kardiale CT können einen Infarkt bestätigen oder alternative Ursachen einer akuten Myokardschädigung aufzeigen. Die kardiale MRT kann beispielsweise zwischen einem Myokardinfarkt, einer akuten Myokarditis oder einem Takotsubo-Syndrom unterscheiden.