9. Okt. 2026Österreichisches Onkologie Forum

Innovative Krebstherapie braucht dringend Forschung

Krebserkrankungen sind weltweit im Steigen begriffen, bis zum Jahr 2050 werden sie laut WHO um 70% zunehmen. Um innovative Medikamente zu entwickeln und die betroffenen Patienten in der Breite zu versorgen, müssten klinische Studien stärker forciert werden, wurde beim diesjährigen Österreichischen Onkologie Forum betont.

Österreichisches Onkologie Forum: Innovative Krebstherapie braucht dringend Forschung
OeGHO/APA-Fotoservice/Roland Rudolph
V.l.n.r.: Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant, Prim. Univ.-Prof. Dr. Ewald Wöll, Priv.-Doz. Dr. Kathrin Strasser-Weippl, DI Dr. Karl Masser.

„Der Fortschritt in der Onkologie lebt von neuen Behandlungsansätzen. Dafür sind klinische Studien essenziell. Ohne sie gibt es keine innovativen Therapien“, erklärte Univ.-Prof. Dr. Ewald Wöll, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (OeGHO). Und auch für die onkologische Regelversorgung seien sie unverzichtbar.

„Außerdem haben sie auch unmittelbare positive versorgungsökonomische Effekte“, ergänzte Priv.-Doz. Dr. Kathrin Strasser-Weippl, MBA, Medizinische Leiterin der OeGHO. „Pro Jahr wird laut einer rezenten Studie des IPF – Institut für pharmaökonomische Forschung ein Behandlungswert von 122,28 Mio. Euro generiert. Die Krankenhäuser profitieren von kostenfreier Prüfmedikation und von der Übernahme der Kosten für Diagnostik, Therapie, administrative Leistungen und Dokumentation, was letztlich die Budgets der Spitäler direkt entlastet.“

Rückgang von klinischen Studien in Österreich

Doch die Zahl der klinischen Studien ist in Österreich rückläufig. Sie ist im Zeitraum 2021 bis 2024 um 28% zurückgegangen und hat sich 2025 nur leicht erholt. Das trifft besonders die Onkologie. Denn in diesem Bereich werden die meisten Studien durchgeführt (43% entfallen auf die Onkologie, 10% auf Hämatologie). Auch die Zahl der teilnehmenden Patienten ist in der Onkologie am höchsten (2024: 1.764), gefolgt von der Kardiologie (2024: 853).

Das hat negative Auswirkungen auf Österreich. Einerseits auf die Patienten. Sie können damit nicht von innovativen Therapien profitieren. Andererseits hat es Folgen auf den Medizinstandort. Denn Know-how und Attraktivität für Top-Ärzte gehen verloren. Auch für die Budgets des Gesundheitssystems hat dies Konsequenzen.

Wie teilnehmende Patienten profitieren

Nicht zu unterschätzen sind Dr. Strasser-Weippl zufolge die Vorteile für die Krebspatienten, die an klinischen Studien teilnehmen. Sie haben damit früher Zugang zu neuen Therapien, erhalten eine engmaschigere medizinische Betreuung durch die Studienteams sowie umfassende Informationen und tragen zum medizinischen Fortschritt bei.

Positive Erfahrungen mit einer medizinischen Vergleichsstudie hat DI Dr. Karl Masser, Patient mit einem Multiplen Myelom, nach einem Jahr Chemotherapie gemacht. „Ich bekomme das Neueste, was Forschung aktuell hervorgebracht hat, und ich werde umfassend betreut.“ Er würde daher auch anderen Patienten raten, eine Studienteilnahme in Betracht zu ziehen, das Gespräch mit dem behandelnden Arzt zu suchen und alle Argumente zu hören.

Allerdings können sich in Österreich nur laut einer SPECTRA-Erhebung nur 47% der Patienten vorstellen, tatsächlich an einer klinischen Studie teilzunehmen. Auch wenn 84% dies als wichtigen Beitrag zum wissenschaftlichen Fortschritt betrachten. 22% zweifeln an ihrer Sicherheit, und 34% würden sich als Versuchskaninchen sehen.

Forderungen an die Politik und konkrete Initiativen

Es brauche daher eine Informationsoffensive in Richtung Patienten und breite Öffentlichkeit, um die Sicherheit und Vorteile von klinischen Studien für Patienten sichtbar zu machen, erklärte Dr. Strasser-Weippl. Außerdem appelliert sie an die politischen Entscheidungsträger, die Bedeutung von klinischer Forschung den Standort Österreich zu erkennen und klinische Studien strategisch abzusichern.

Dazu haben die OeGHO und die ABCSG (Austrian Breast & Colorectal Study Group) im Rahmen des Österreichischen Onkologie Forums konkrete Verbesserungspotenziale identifiziert und ein gemeinsames Positionspapier mit 13 Punkten erarbeitet.

„Im Namen der vielen Experten, die im Rahmen des Österreichischen Onkologie Forums an der Diskussion teilgenommen haben, fordern wir die Entscheidungsträge und Politik auf, diese konkreten Verbesserungspotenziale rasch umzusetzen und in die Life Sciences Strategie Österreichs zu inkludieren“, sagt ABCSG-Präsident Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant.

Unabhängig davon hat die OeGHO die Initiative ergriffen, eine Datenbank für klinische Studien aufzubauen. „Die Onkologische Studienplattform soll alle aktuell rekrutierenden Studien im Bereich der Onkologie und Hämatologie in Österreich darstellen“, beschreibt Prof. Wöll das Vorhaben.

„Alle Studienzentren werden die Möglichkeit haben, ihre Daten selbst einzupflegen, sodass behandelnde Ärzte im Anlassfall direkt mit den jeweiligen Studienteams Kontakt aufnehmen können. Das wird die häuserübergreifende und überregionale Studienrekrutierung merkbar unterstützen.“