4. Okt. 2026Früh greifende Immunmodulation trotz persistierender Sensibilisierung

Neue Einblicke in die SLIT bei Gräserpollenallergie

Die zugrunde liegenden immunologischen Mechanismen der allergenspezifische Immuntherapie sind bisher nicht vollständig geklärt. Eine prospektive Studie liefert neue Einblicke in die Dynamik von T-Zell- und ILC2-Antworten unter dreijähriger sublingualer-Gräserpollen-Immuntherapie (SLIT) bei Menschen mit moderater bis schwerer saisonaler allergischer Rhinitis.

SLIT bei Gräserpollenallergie
Damian Gretka/stock.adobe.com

Die Typ-2-Immunantwort ist der zentrale pathogenetische Mechanismus allergischer Erkrankungen und wird durch angeborene und adaptive Immunmechanismen beeinflusst. Insbesondere ILC2 und Th2-Zellen fungieren dabei als Effektorzellen.

Bereits nach einem Jahr zeigte sich eine deutliche klinische Verbesserung, gemessen anhand der visuellen Analogskala, die sich im weiteren Verlauf stabilisierte. Die anhaltende Symptomlinderung bestätige die langfristige Wirksamkeit der SLIT bei der Reduktion der krankheitsbedingten Belastung.

Auffällig ist dabei die Diskrepanz zwischen klinischem Ansprechen und serologischen Parametern: Während die Konzentrationen gräserspezifischer IgE-Antikörper stabil blieben, was auf eine persistierende allergische Sensibilisierung hindeutet, modulierte SLIT die Typ-2-Immunantwort effektiv hin zu einem weniger aktivierten Phänotyp, schreiben die Forschenden. „Die klinische Verbesserung tritt unabhängig von der fortbestehenden Sensibilisierung auf.“

Frühe Abschwächung der Typ-2-Immunantwort

Im Zentrum der immunologischen Analysen stand die Frage, inwieweit die SLIT die Typ-2-Inflammation moduliert. Während die Frequenzen von ILC2- und Th2-Zellen zunächst stabil blieben, zeigte sich auf funktioneller Ebene eine differenzierte Veränderung. Bereits nach einem Jahr kam es zu einer signifikanten Reduktion von IL-4- und IL-13-produzierenden CD4+-T-Zellen sowie von CD154-exprimierenden T-Zellen. Die Autorinnen und Autoren interpretieren dies als „frühe Abschwächung der Typ-2-Immunantwort“. Demgegenüber blieb die IFN-γ-Produktion stabil, was auf eine selektive Dämpfung der Th2-Achse bei gleichzeitiger Erhaltung der Th1-Aktivität hindeutet.

Interessanterweise zeigten die ILC2-Zellen im gleichen Zeitraum keine signifikanten Veränderungen in ihrer Zytokinproduktion. Diese Beobachtung legt nahe, dass die initiale immunologische Wirkung der SLIT primär auf Ebene der adaptiven Immunität erfolgt.

Ein weiterer Aspekt ergibt sich aus der Analyse von Lin-CD161+-Zellen, die möglicherweise unterschiedliche ILC-Subpopulationen repräsentieren. Hier zeigte sich bei Menschen mit stärkerem klinischem Ansprechen eine Verschiebung hin zu einer erhöhten IFN-γ- und reduzierten IL-13-Produktion. Dies könnte, vermuten die Forschenden, „eine funktionelle Umprogrammierung in Richtung eines weniger allergischen Phänotyps widerspiegeln“.

Langfristige Verlaufsdaten einzelner Personen bestätigten die beobachteten Trends über drei Jahre hinweg und sprechen für eine stabile immunologische Reprogrammierung.

Dieser Beitrag erschien auch im Printmagazin CliniCum pneumo