GLP-1-RA: Vom Abnehmmedikament zum Präventionsinstrument?
GLP-1-Rezeptoragonisten senken nicht nur das Gewicht, sondern auch kardiovaskuläre Risiken. Ob sie jedoch zur Prävention für die breite Bevölkerung taugen, hängt von Evidenz, Langzeittherapie, Adhärenz und Kosten ab.

„Millionen Menschen könnten weltweit von GLP-1-Rezeptoragonisten profitieren“, erklärte Prof. John Deanfield vom University College London auf dem ESC-Kongress (1). Er sieht in GLP-1-RA eine „transformative Möglichkeit“, Prävention im großen Stil umzusetzen. Im Fokus steht dabei die Adipositas. Bereits heute leben über 3,5 Milliarden Menschen mit Übergewicht oder Adipositas – und tragen damit ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzinsuffizienz und Nierenschäden.
GLP-1-RA wirken auch ohne Diabetes
Die Fähigkeit moderner inkretinbasierter Medikamente, das Körpergewicht zu senken, ist gut belegt. Für Kardiologen ist vor allem die SELECT-Studie relevant, so Deanfield. Sie untersuchte 17.604 Menschen mit Übergewicht oder Adipositas und bestehender atherosklerotischer Herz-Kreislauf-Erkrankung, jedoch ohne Diabetes. Unter 2,4 mg Semaglutid sank der Drei-Punkt-MACE um 20 Prozent.
Deanfield betonte: „Man muss keinen Diabetes haben, um von diesen Medikamenten zu profitieren. “ Die Zielgruppe sei dabei keineswegs exotisch. In Dänemark erfülle etwa jeder dritte Patient nach einem ersten Myokardinfarkt die SELECT-Kriterien; in den USA kämen fast acht Millionen Erwachsene infrage. Ein Drittel der SELECT-Teilnehmer hatte lediglich einen BMI zwischen 27 und 30 kg/m². „Damit wird die Gewichtsbehandlung zu einer kardiovaskulären Präventionsstrategie für Patienten, die Kardiologen täglich sehen.“
- Great Debate: should GLP-1 receptor agonists be used for population-level prevention? ESC Congress 2026, 28. – 31. August 2026, München
- Merkely B. Weight loss is the easy part, the struggle is maintenance. Session Obesity management and its impact on cardiovascular disease. ESC Congress 2026, 28. – 31. August 2026, München
