12. Juli 2026Keine Vorteile, aber höhere Mortalität

Hochdosiertes Vitamin C bei Verbrennungen: Studie abgebrochen

Kann hochdosiertes Vitamin C die Folgen schwerer Verbrennungen abmildern? Dieser Frage ging ein internationales Forscherteam in einer groß angelegten, placebo-kontrollierten Studie nach. Doch bereits nach der ersten Zwischenanalyse wurde die Studie abgebrochen.

Christian Stoppe, Erstautor zu einer Studie, die hochdosiertes Vitamin C bei Verbrennungen untersuchte.
UKW
Prof. Dr. Christian Stoppe stellte als Erstautor und Leiter der Victory-Studie die Ergebnisse beim Critical Care Reviews Meeting in Belfast vor. Zeitgleich wurde die Studie im JAMA veröffentlicht.

Die Gabe von hochdosiertem intravenösem Vitamin C bei Patienten mit schweren Verbrennungen wird seit Jahrzehnten in der Behandlung von Verbrennungsopfern diskutiert. In kleineren Studien ging die Therapie mit einer Verringerung des benötigten Flüssigkeitsvolumens und der Beatmungsdauer einher.

Ein internationales Forscherteam um Prof. Dr. Christian Stoppe vom Universitätsklinikum Würzburg hatte für die VICTORY-Studie1 einen harten kombinierten Endpunkt gewählt: 28-Tage-Mortalität und persistierende Dysfunktion der Organe.

Als persistierende Organdysfunktion galt eine fortbestehende Abhängigkeit von mechanischer Beatmung, Nierenersatzverfahren oder Vasopressor-/Inotropika-Therapie nach 28 Tagen.

Doch bereits bei der ersten vorab festgelegten Zwischenanalyse zeichnete sich ab, dass die Ergebnisse alles andere als positiv ausfallen würden. Die Studie wurde sofort abgebrochen.

Mehr als die Hälfte war invasiv beatmet

Aber der Reihe nach. Hintergrund der Victory-Studie war die Annahme, dass die ausgeprägte systemische Entzündungsreaktion nach schweren Verbrennungen wesentlich zur Entwicklung von Organversagen und Mortalität beiträgt. Die Wissenschaftler erhofften sich, mithilfe der antioxidativen Eigenschaften von Vitamin C die pathophysiologischen Prozesse abzuschwächen und damit die Organfunktionen zu erhalten.

In die internationale, multizen­trische, randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Phase-III-Studie schlossen die Autoren 238 Patienten ab 18 Jahren ein. Sie hatten tiefe zweit- oder drittgradigen Verbrennungen (mindestens 20% der Körperoberfläche betroffen, Notwendigkeit einer Hauttransplantation).

Den Schweregrad der Erkrankung und die Organfunktionen erfassten sie mittels etablierter intensivmedizinischer Scores, darunter SOFA- und APACHE-II-Score. Mehr als die Hälfte der Patienten war bereits bei Randomisierung invasiv beatmet.

Die Patienten erhielten entweder hochdosiertes intravenöses Vitamin C in einer Dosierung von 50mg/kg Körpergewicht alle sechs Stunden über einen Zeitraum von 96 Stunden oder ein Placebo. Die Behandlung erfolgte zusätzlich zur leitliniengerechten intensivmedizinischen Versorgung einschließlich Flüssigkeitszufuhr, Organunterstützung und chirurgischer Verbrennungstherapie.

Der primäre kombinierte Endpunkt (28-Tage-Mortalität und persistierende Dysfunktion der Organe) trat bei 40,8% der Patienten in der Vitamin-C- und bei 29,7% der Patienten in der Placebo-Gruppe auf. Damit zeigte sich kein Vorteil der Vitamin-C-Therapie in Bezug auf das Überleben oder die Organfunktion. Vielmehr bestand ein Trend zu ungünstigeren Ergebnissen unter Vit­amin C.

Kein routinemäßiger Einsatz bei Verbrennungen

Aus therapeutischer Sicht besonders relevant war die höhere Mortalität in der Interventionsgruppe. Die 28-Tage-Mortalität lag unter Vitamin C bei 15,0% und bei 7,6% unter Placebo. Darüber hinaus ließ sich keine Verkürzung der Spitalverweildauer oder eine Verbesserung anderer klinisch relevanter Endpunkte nachweisen. Auch die ursprünglich erwarteten Vorteile hinsichtlich Flüssigkeitsbedarf, Organfunktion oder Rekonvaleszenz wurden nicht bestätigt.

"Unsere Studie liefert erstmals hochwertige, randomisierte Evidenz zu hochdosiertem Vitamin C bei schweren Verbrennungen", erklärte Prof. Stoppe in einer Pressemitteilung.2 "Die Therapie ist nicht wirksam und möglicherweise sogar schädlich. Sie sollte daher nicht routinemäßig eingesetzt werden."