15. Juni 2026Robotisch vs. elektromagnetisch

Bronchoskopie bei peripheren Lungenläsionen

Die RELIANT-Studie untersuchte prospektiv den klinischen Stellenwert der robotisch assistierten Bronchoskopie (RAB) im Vergleich zur etablierten elektromagnetischen Navigationsbronchoskopie (ENB) bei der Abklärung peripherer pulmonaler Läsionen. Beide Verfahren werden zunehmend eingesetzt; randomisierte Vergleichsdaten fehlten jedoch bislang.

Bronchoscopy process in patients with severe lung disease who performed a group of doctors at the hospital.
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Trefferquote nahezu gleichwertig

In dieser randomisierten Cluster-Nichtunterlegenheitsstudie wurden 411 Patientinnen und Patienten mit peripheren Lungenläsionen entweder einer RAB- oder ENB-Navigation zugeteilt. Primärer Endpunkt war die diagnostische Ausbeute, definiert als Gewinn repräsentativen läsionalen Gewebes, das die weitere Therapieentscheidung erlaubt.

Die diagnostische Trefferquote lag bei 77,8% für die robotische Bronchoskopie und bei 75,5% für die elektromagnetische Navigation. Damit konnte die Nichtunterlegenheit der Robotik statistisch belegt werden, ohne dass sich jedoch eine Überlegenheit zeigte. In beiden Gruppen wurden vergleichbar häufig Malignome (ca. 56–58%) sowie spezifische benigne Befunde (ca. 20%) diagnostiziert.

Die Prozedurdauer war unter robotischer Navigation im Median etwa fünf Minuten länger (37 vs. 32 Minuten). Die Komplikationsraten waren insgesamt niedrig und zwischen den Verfahren nicht signifikant unterschiedlich; Pneumothorax-Fälle traten selten auf (4 vs. 6 Fälle). Explorative Subgruppenanalysen deuteten darauf hin, dass Läsionen mittlerer Größe (15–30 mm) möglicherweise etwas besser mit der Robotik erreichbar sind, dieser Befund ist jedoch nicht als gesichert zu interpretieren.

Keine Verbesserung bzgl. Diagnostik und Sicherheit

Klinisch bedeutet dies: Die robotisch assistierte Bronchoskopie verbessert weder diagnostische Ausbeute noch Sicherheit gegenüber der elektromagnetischen Navigation. Sie stellt vielmehr eine technisch alternative, aber gleichwertige Methode dar. Die Wahl des Systems kann daher primär anhand von lokaler Expertise, Workflow-Aspekten und infrastrukturellen Gegebenheiten erfolgen, nicht aufgrund eines belegten patientenrelevanten Vorteils.

Dieser Beitrag erschien auch im Printmagazin CliniCum pneumo