
Hautpflege: Wie Social Media Entscheidungen beeinflussen
Rund 60% der österreichischen bzw. deutschen Bevölkerung nutzen Plattformen wie Instagram, TikTok oder Facebook. Zunehmend informiert diese Gruppe sich so auch über Hauterkrankungen, Hautpflege und ästhetische Verfahren – und das nicht immer nur bei Gesundheitsfachkräften.

Eine neue Studie, präsentiert auf der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV), zeigt auf, wie prävalent Hautgesundheitsinformationen in den sozialen Medien sind und wo ungenutztes Potenzial für Dermatologinnen und Dermatologen liegt.
Nur 4–15 % der Beiträge mit medizinischem Inhalt kommen wirklich von Ärzten“, fasst Dr. Maximilian Lammer von der Medizinischen Universität Innsbruck das aktuelle Hauptproblem zusammen. Der Rest kommt von Laien, Influencerinnen bzw. Influencern oder der Industrie. Die Folge: ein hoher Anteil an Fehlinformationen. Als Beispiel verweist der Forscher und Dermatologe auf eine Analyse zu YouTube-Inhalten bei atopischer Dermatitis: „Nur 30 % der Inhalte erfüllten medizinische Standards.“
Online-Befragung mit 34 Fragen
Um den Einfluss sozialer Medien auf Hautgesundheit, Prävention und Pflege systematisch zu erfassen, führte eine Arbeitsgruppe unter Dr. Lammers Führung zwischen Oktober 2024 und Jänner 2025 eine Querschnittsstudie durch. Die Forschenden erstellten dabei einen 34-Item-Fragebogen, mit dem sie erwachsene Social-Media-Nutzer befragten, unter anderem zu
- Besuch von sozialen Plattformen
- Konsum von dermatologischen Inhalten
- Auswirkungen auf Hautpflegeroutinen und Selbstwertgefühl
- Anzahl der verwendeten Pflegeprodukte und
- kosmetischen Eingriffen.
Von 494 retournierten Fragebögen konnten 454 ausgewertet werden – 70 % der Teilnehmenden waren Frauen, das Durchschnittsalter lag bei 24,8 Jahren. 64 % der Befragten waren zwischen 18 und 25 Jahre alt – lediglich 9 % waren älter als 30 Jahre.
Die Mehrheit der Befragten verbrachte täglich ein bis zwei Stunden auf sozialen Plattformen, rund 44 % sogar zwei bis vier Stunden. Mit zunehmender Nutzungsdauer änderte sich dabei auch die Selbsteinschätzung: Während soziale Medien bei kurzer Nutzung subjektiv kaum als Einflussfaktor wahrgenommen wurden, gaben Personen mit intensiverer täglicher Nutzung signifikant häufiger an, dass Social Media ihr Hautgesundheits- und Pflegeverhalten beeinflussen.
Wie hoch das Potenzial für verantwortungsvolle Gesundheitsinformationen in den sozialen Medien ist, zeigte die Quelle der Inhalte. Teilnehmende, die öfter dermatologische Inhalte von Ärztinnen und Ärzten angezeigt bekamen, setzten signifikant häufiger eine Hautpflegeroutine um.
Zwar gaben 65 % an, Inhalte von Influencerinnen und Influencern zu Hautpflege, Hauterkrankungen oder Ästhetik zu konsumieren, aber nur 40 % folgten explizit dermatologischen Accounts. „Und nur weil sich jemand wie eine Ärztin bzw. ein Arzt kleidet, ist er noch kein Mediziner“, erinnert Dr. Lammer. Rund 70 % der Befragten wünschten sich explizit mehr evidenzbasierte Inhalte von Dermatologinnen und Dermatologen auf sozialen Medien.
Junge Zielgruppen gezielt erreichbar
65 % der Befragten gaben an, Inhalte von Influencerinnen und Influencern zu den Themen Hautpflege, Hauterkrankungen oder Ästhetik erhalten zu haben. Inhalte von dermatologischen Accounts zu diesen Themen erhielten hingegen nur 40 %.
„Der Anteil, der soziale Medien verwendet, um sich über Hautgesundheit/Pflege sowie Prävention zu informieren, ist statistisch signifikant jünger“, so Dr. Lammer. Zudem ergaben sich auch wenig überraschende Geschlechterunterschiede. So gaben Frauen häufiger an, regelmäßig Hautpflegeroutinen zu verwenden oder ästhetische Eingriffe durchführen zu lassen.
Für Dr. Lammer zeigen diese Ergebnisse einen klaren Auftrag an die Dermatologie. Denn wenn soziale Medien die Wahrnehmung von Hautgesundheit und Pflegeverhalten der Nutzer messbar beeinflussen, eröffnen algorithmusbasierte Plattformen auch die Möglichkeit, evidenzbasierte Inhalte mit großer Reichweite zu verbreiten.
Der bislang geringe Anteil ärztlich ausgearbeiteter Beiträge sei daher „eine Handlungsaufforderung an uns alle, dass dieser Anteil in Zukunft deutlich steigen muss“. Eine moderne dermatologische Patientenversorgung und Aufklärungsarbeit und soziale Medien gehen für den Dermatologen Hand in Hand.
„Integrating Social Media into Modern Dermatology – A Cross-Sectional Study“, Vortrag im Rahmen der ÖGDV-Jahrestagung, Wien, 27.–29.11.25
