Impfungen: Positive Haltung allein reicht nicht aus
Vier Fünftel der Österreicher haben laut einer rezenten Umfrage zwar eine positive Einstellung zum Impfen, dennoch ist das Wissen darüber ausbaufähig und die Impfraten sind immer noch niedrig. Das geht aus einer Umfrage hervor, die vom Österreichischen Verband der Impfstoffhersteller (ÖVIH) beauftragt und kürzlich präsentiert wurde.

Im Rahmen einer repräsentativen Online-Befragung, durchgeführt durch das Meinungsforschungsinstitut Integral im Februar/März 2026, wurden 2000 Personen in ganz Österreich zum Thema Impfen befragt.
Das erfreuliche Ergebnis: 79% der Befragten haben eine sehr oder eher positive Einstellung gegenüber Impfungen. Dies bildet sich aber nicht im Verhalten ab, denn die Durchimpfungsraten sind hierzulande weiterhin niedrig.
Tragende Rolle der (Haus-)Ärzte
Eine zentrale Rolle im Impfgeschehen spielen nach wie vor die Arztpraxen. Was die Informationsquellen zum Thema Impfen betrifft, so wenden sich 76% in erster Linie an ihren Arzt. „Jüngere Menschen informieren sich auch bei Gesundheitsportalen, über soziale Medien und bei der Familie oder Freunden“, erläutert DI Olivier Jankowitsch, Vizepräsident des ÖVIH.
Und auf die Frage „Wo wollen Sie geimpft werden?“, antworteten 79% „Beim Hausarzt“. Interessanterweise sagte ein Viertel „In der Apotheke“, obwohl dies in Österreich derzeit noch gar nicht möglich ist. „Wir brauchen mehr niederschwellige Angebote, etwa in Betrieben und Schulen, und wir sollten auch neue Wege gehen, etwa das Impfen in Apotheken ermöglichen“, erklärt Mag. Sigrid Haslinger, Präsidentin des ÖHIV.
Zu wenig Wissen in der Bevölkerung
Das Wissen um das Öffentliche Impfprogramm (ÖIP) für Erwachsene ist durchwachsen: Immerhin 70% wissen über die kostenlose Covid-Impfung Bescheid, bei Influenza sind es aber nur mehr 56%. Viel niedriger sind die Raten bei Masern (38%), Herpes Zoster (37%) und Pneumokokken (33%). Die Älteren sind etwas besser informiert – sie sind für schwere Verläufe von Infektionskrankheiten besonders vulnerabel.
Niedrige Impfraten auch bei Gratis-Impfungen
Doch auch wenn die Österreicher Bescheid wissen, werden die Impfungen oft nicht in Anspruch genommen. So wurde die Frage „Wer hat sich in den letzten 6 Monaten gegen Influenza impfen lassen?“ nur von 23% der Befragten mit Ja beantwortet. Dabei handelt es sich jedoch um eine Überschätzung, da im Rahmen des ÖIP nur ca. 1,4 Mio. Dosen Influenza-Impfstoff verfügbar waren. Immerhin ist die Rate bei den über 70-Jährigen mit 40% und bei Kindern mit 30% um einiges höher. Dennoch liegt Österreich hier noch deutlich unter der von der WHO empfohlenen Durchimpfungsrate von 75%.
Niedrig ist auch die Rate derer, die sich in den letzten 12 Monaten gegen Pneumokokken impfen ließen. Sie liegt bei nur 10%, bei den über 70-Jährigen immerhin bei 25%. Die Nachfrage nach dieser Impfung, die für Personen ab 60 und Risikogruppen ab 18 in dieser Saison erstmals gratis angeboten wurde, war allerdings groß.
Auch nach der Herpes-Zoster-Impfung, die ebenfalls erstmals im ÖIP für Erwachsene verfügbar war, bestand vor allem anfangs eine sehr hohe Nachfrage. Deshalb war zeitweise nicht genügend Impfstoff vorhanden, die Lage hat sich mittlerweile aber entspannt. Mag. Renée Gallo-Daniel, Generalsekretärin des ÖVIH, empfiehlt daher für alle genannten Impfungen eine Ausweitung der Impfkontingente.
Kostenlose HPV-Impfung nur mehr bis 21
Sie erinnert außerdem daran, dass junge Menschen bis 30 noch bis Ende Juni die zweite Teilimpfung gegen HPV gratis in Anspruch nehmen können, sofern die erste Teilimpfung bis Ende 2025 absolviert wurde. Ansonsten ist die HPV-Impfung nur mehr für 9- bis 21-Jährige kostenfrei verfügbar.
Bald neu im ÖIP: RSV- und Pertussis-Impfung
Noch nicht im ÖIP für Erwachsene befindet sich die RSV-Impfung. Nur 42% der Befragten haben überhaupt von einer RSV-Infektion gehört, obwohl neben Säuglingen gerade Personen über 60 besonders gefährdet sind.
In der Personengruppe mit Kindern unter einem Jahr wissen allerdings 91% Bescheid. In der kommenden Saison soll die RSV-Impfung ins ÖIP für Erwachsene aufgenommen werden, ebenso die Pertussis-Impfung. „Das ist sinnvoll, aber es sind Begleitmaßnahmen für eine gute Akzeptanz in der Bevölkerung notwendig“, so Mag. Haslinger.
Was noch zu tun ist
„Österreich hat zwar ein gutes Impfprogramm, aber es muss weiter optimiert werden“, fasst Mag. Gallo-Daniel zusammen. Neben der Erweiterung des ÖIP um neue Indikationen, einem niederschwelligen Zugang zu Impfungen und vermehrten Aufklärungskampagnen sei es besonders wichtig, eigene Impfziele zu definieren, um die Ergebnisse daran messen zu können.
Das erfordert auch eine bessere Datenerhebung und -analyse, wozu verpflichtende Eintragungen in den e-Impfpass beitragen können. Und Impfen sollte nicht als Kostenfaktor, sondern als Investition in die Zukunft betrachtet werden, denn jeder investierte Euro fließt vielfach in die Gesundheits- und Sozialwirtschaft zurück.
Quelle: Online-Pressegespräch des ÖVIH „Wo stehen wir beim Impfen in Österreich?“, 29.4.2026
