19. Apr. 2026Pflanzliches für mehr Lebensqualität

Phytotherapie gegen Schleimhautprobleme bei HNO-Tumoren

Chronische Läsionen im Mund und Xerostomie belasten viele Patienten nach Chemo- und Radiotherapie von Tumoren im Kopf-, Mund- und Halsbereich schwer und langfristig. Heilpflanzen können bei Schleimhautproblemen Linderung verschaffen.

Speicheldrüsen können durch die Krebstherapie beschädigt werden und Schleimhautprobleme im Mund verursachen.
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HNO-Tumoren lassen sich heute sehr gut behandeln. Ein großes Problem sind jedoch die Nebenwirkungen. Auf eine Radio-/Chemotherapie z.B. reagieren die (serösen) Speicheldrüsenzellen besonders empfindlich. Sie werden während der Behandlung meist zerstört und produzieren danach kaum oder gar keinen Speichel mehr.

Die Folgen sind allerdings gravierend, reichen von Schmerzen und Schlafstörungen über Schleimhautentzündung und Geschmacksverlust bis hin zu Pilzerkrankungen und Zahnproblemen. Diese Nebenwirkungen entwickeln sich zusätzlich zu den üblichen Krebstherapie-induzierten Problemen wie Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Durchfall und Infektanfälligkeit.

"Die meisten Patienten mit einem HNO-Tumor haben schon vor der Erkrankung und vor Therapiebeginn eine angegriffene Mundschleimhaut", erklärte Dr. Stefan Schumacher, Facharzt für HNO, Hals- und Gesichtschirurgie mit Praxis in Winterthur, beim Jahreskongress der Schweizerischen Medizinischen Gesellschaft für Phytotherapie (SMGP). Der Grund: Die Hauptursache von Schleimhautproblemen ist oft ein langjähriger Nikotin- und Alkoholkonsum.

Gerbstoffe als Hilfe bei akuter Mukositis

Die Krebstherapie-induzierten Nebenwirkungen lassen sich jedoch mit Heilpflanzen etwas lindern. "Speziell für die Schleimhautprobleme sollten die Patienten bereits vor und während der Krebstherapie mehrmals täglich den Mund mit einer milden Kamillen- oder Salbei­lösung spülen", erklärte Dr. Schumacher. Denn beide Heilpflanzen hemmen die Entzündung. Kamille beruhigt auch Reizungen, Salbei wirkt zusätzlich adstringierend und antiseptisch.

"Besteht eine akute Mukositis, ist die Empfehlung, primär mit Gerbstoffen zu arbeiten", so der Referent weiter. Besonders geeignet ist die Tinctura Adstringens FH, eine alte Magistralrezeptur. Sie besteht aus Polidocanol, Ratanhia, Myrrhe und Pfefferminze. Die Mischung wirkt leicht antiseptisch und symptomlindernd, kann lokal aufgetragen oder gegurgelt werden. "Ratanhia schützt durch Reinigen und 'Zusammenziehen' der Schleimhaut, was die Barriere gegen Keime verbessert", erläuterte Dr. Schumacher. Polidocanol hat zusätzlich eine juckreiz- und schmerzstillende Wirkung.

Auch Honiganwendungen können helfen. "Die Patienten müssen einen Löffel Honig kurz vor, während, direkt nach der Bestrahlung und nochmals eine halbe Stunde später in den Mund nehmen", so der Referent. Daten zeigen, dass die Maßnahme die Häufigkeit und Schwere einer Mukositis reduzieren kann.

Das Hauptproblem ist die Xerostomie

Das Hauptproblem nach einer Radio-/Chemotherapie im HNO-Bereich ist laut Dr. Schumacher die Xerostomie. Funktionieren die Speicheldrüsen nach der Behandlung noch etwas, kann der Speichelfluss mit verschiedenen Maßnahmen angeregt werden. Wichtig ist laut dem Experten, regelmäßig zu trinken, immer wieder mal auf einem Kaugummi und Lutschpastillen zu kauen, Zucker und reizende Stoffe (Alkohol, Nikotin, scharfe Speisen) zu vermeiden und eine gute Mundhygiene zu pflegen.

Für eine lokale Anwendung empfahl der Referent feuchtigkeitsspende Mundspülungen. Geeignet sind Lösungen mit Malve, Aloe Vera oder Hyaluronsäure. Diese Pflanzen bilden einen Oberflächenfilm über der Schleimhaut. Zur Reizlinderung wird unterstützend oft zusätzlich Kamille und eventuell Salbei eingesetzt. Mitunter kommen auch künstliche Speichelersatzmittel zur Anwendung. Diese Produkte haben allerdings einen schlechten Geschmack und sind bei Patienten nicht beliebt.

Die Schleimstoffe bilden einen Schutzfilm

Als pflanzliches Parasympathomimetikum empfahl Dr. Schumacher Jaborandi. Aus dieser brasilianischen Pflanze wird Pilocarbin gewonnen, das zu einem Phytopharmakon verarbeitet wird.

Eine sehr gute Option bei Krebstherapie-induzierten Schleimhautproblemen im Mund ist die Malve. Ihre Wirkung beruht hauptsächlich auf Schleimstoffen. "Diese Polysaccharide legen sich wie ein Schutzfilm über die Schleimhaut, schützen vor Reizen, speichern Feuchtigkeit und fördern die Regeneration", erklärte Dr. Schumacher. Sie wirken zusätzlich entzündungshemmend und beruhigend auf die Schleimhäute, binden Wasser und verbessern die Funktion der Hautbarriere.

Malve kann mit Isländisch Moos kombiniert werden. Neben Schleimstoffen enthält das Kraut immunstärkende Flechtsäuren sowie appetit- und verdauungsanregende Bitterstoffe. "Hitze baut Schleim- und Bitterstoffe ab. Malve und Isländisch Moos sollten deshalb nie ausgekocht, sondern immer im kalten Wasser angesetzt werden", betonte Dr. Schumacher. Er empfahl, im Verhältnis 1:1 Malvenwurzel und Isländisch Moos im kalten Wasser fünf Stunden ziehen zu lassen. Die Patienten sollten ihren Mund mit diesem Tee mehrmals täglich spülen und befeuchten.

Auch Gelber Enzian und Aloe Vera fördern die Mundfeuchtigkeit. Der Gelbe Enzian wirkt zusätzlich verdauungsfördernd, was bei Tumor-Patienten ein Vorteil ist. Aloe Vera unterstützt zudem mit ihren antientzündlichen und leicht wundheilungsfördernden Effekten zusätzlich die Regeneration der geschädigten Schleimhaut.

"Für ein gutes Ergebnis sollten möglichst mehrere Maßnahmen gleichzeitig umgesetzt werden», so Dr. Schumacher. Doch auch kombiniert bringen die Maßnahmen nur Erfolg, wenn die Speicheldrüsen noch eine Restfunktion haben, betonte der Referent.