Erfolgsgeschichte der FSME-Impfung in Gefahr?
1976, vor genau 50 Jahren, wurde die weltweit erste FSME-Impfung in Österreich entwickelt und zugelassen. Damit konnten seither Tausende schwere Krankheitsfälle und Dutzende Todesfälle verhindert werden. Doch die Impfraten gehen trotz hohen Infektionsrisikos zurück.

In den frühen 1970er Jahren, also vor Einführung der Impfung, gab es Hunderte FSME-Fälle pro Jahr, heute sind es nur mehr etwas zwischen 100 und 200 (2025: 132 hospitalisierte Fälle). Das ist auf eine hohe Impfrate von rund 80% in der österreichischen Bevölkerung zurückzuführen, die zumindest eine Teilimpfung erhalten haben.
Bei Einhaltung des regulären Impfschemas beträgt die Schutzwirkung der Impfung 99%, aber auch abseits davon ist er mit 91–94% immer noch sehr hoch. Doch immer mehr Menschen „vergessen“ auf eine Auffrischungsimpfung, war bei einem Pressegepräch zu hören.
Ganz Österreich ist Zeckengebiet
Die Tatsache, dass es keine antivirale Therapie gegen FSME gibt und nur eine symptomatische Behandlung möglich ist, unterstreicht die Bedeutung der Impfung. Außerdem ist Österreich ein Hochendemiegebiet, kein einziges Bundesland ist zeckenfrei, wenn auch ein Ost-West-Gefälle besteht, und auch höhere Lagen sind betroffen. Aufgrund des Klimawandels und der immer wärmeren Winter treten Zecken teilweise schon ganzjährig auf und eine Infektion ist somit das ganze Jahr über möglich.
Wirksame Impfung, aber geringere Impfbereitschaft
„Eine Studie aus dem Jahr 2025 zeigt, dass im Zeitraum 2000–2024 10.000 Hospitalisierungen aufgrund von FSME-Infektionen verhindert werden konnten. Davon 4000 Fälle mit schweren Verläufen wie einer Entzündung des Rückenmarks oder des Gehirns, und zudem 80 Todesfälle“, berichtet Prof. Priv.-Doz. Dr. Judith Aberle, Zentrum für Virologie an der MedUni Wien.
Doch seit einigen Jahren sind die Zahlen wieder im Steigen begriffen, während die Impfbereitschaft in der Bevölkerung zurückgeht. „Im längerfristigen Vergleich sind die Fallzahlen der letzten Jahre (2017–2025) mit 100 bis 200 pro Jahr deutlich höher als in den Jahren 2006–2016 mit rund 50 bis 100 Fällen“, berichtet Prof. Aberle. Vielen Menschen scheine nicht bewusst zu sein, dass FSME zu den schwersten Viruserkrankungen des Zentralnervensystems in Europa zähle. Die könne zu langwierigen neurologischen Komplikationen wie Krampfanfällen und sogar dauerhaften Lähmungen führen.
Was bei der Impfung zu beachten ist
Priv.-Doz. Mag. Dr. Maria Paulke-Korinek, PhD, DTM, Leiterin der Abteilung Impfwesen im Gesundheitsministerium, erläutert, wie das Impfschema für die FSME-Impfung aussieht. Wer sich zum ersten Mal impfen lasse, für den gelte ein dreiteiliges Grundimmunisierungsschema. Dabei finden drei Teilimpfungen innerhalb von 12 Monaten statt. Die erste Auffrischungsimpfung wird drei Jahre nach Abschluss der Grundimmunisierung notwendig. Weitere Booster erfolgen alle fünf Jahre bzw. alle drei Jahre ab dem 60. Lebensjahr. Ein optimaler Schutz sei nur dann gegeben, wenn man die Impfintervalle auch einhält, betont sie.
Zugelassen und empfohlen ist die FSME-Impfung vom Nationalen Impfgremium ab dem vollendetem 1. Lebensjahr. Möglich ist sie aber schon ab dem 6. Lebensmonat. Außerdem rät das NIG, aufgrund des teilweise schon ganzjährigen Auftretens von Zecken Auffrischungsimpfungen bereits im Jänner oder Februar durchführen zu lassen.
„Wird eine Impfung versäumt bzw. ist es zu längeren Impfabständen gekommen, kann diese dennoch mit einer einzigen Impfung nachgeholt werden, sofern in der Vergangenheit bereits mindestens zwei Impfungen im Abstand von maximal 12 Monaten erfolgt sind“, stellt Doz. Paulke-Korinek klar. Eine Titerbestimmung zur Abschätzung des noch bestehenden Impfschutzes sei nicht zu empfehlen. Als postexpositionelle Prophylaxe sollte die Impfung so rasch wie möglich nach dem Zeckenstich verabreicht werden.
Dr. Albrecht Prieler, Kinderarzt und Impfreferent der Ärztekammer Burgenland, weist darauf hin, dass die FSME-Impfung in den Impfpass, vorzugsweise in den e-Impfpass, eingetragen werden sollte, um Auffrischungstermine im Blick zu behalten. „Außerdem hat sich bewährt, mehrere Impfungen miteinander zu koppeln, die ähnliche Intervalle haben. Bei FSME geht das zum Beispiel gut mit der Kombinationsimpfung Diphtherie/Tetanus/Pertussis“, ergänzt er.
Neue Zeckenarten auf dem Vormarsch
Die in Österreich am häufigsten vorkommende Zeckenart ist der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus). „Vereinzelt treten aber auch schon neue Arten wie die tropische Riesenzecke (Hyalomma marginatum) auf, die potenziell weitere Krankheitserreger übertragen können“, weiß Priv.-Doz. Dr. Georg Duscher, Zeckenforscher bei der AGES Tiergesundheit. Diese werden sowohl von Zugvögeln als auch von Touristen eingeschleppt und könnten sich in Zukunft weiter verbreiten.
Quelle: PK 50 Jahre FSME-Impfung: Wird sie das Opfer ihres eigenen Erfolges?, ÖVIH, Wien, 25.3.2026
