6. Apr. 2026Auswirkungen auf die Körperzusammensetzung

Abnehmen mit GLP1-RA oder bariatrischer Chirurgie: Wie verändert sich die Muskelmasse?

Die Adipositas-Therapie zielt auf mehr ab als bloße Gewichtsreduktion. Chirurgische Eingriffe und GLP1-Rezeptoragonisten (GLP1-RA) senken nicht nur effektiv das Gewicht, sondern verändern auch die Körperzusammensetzung: Sie reduzieren gezielt Fett und in geringerem Maße auch Muskelmasse. Das belegt eine aktuelle Studie.

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Sowohl Semaglutid (GLP1-RA) und Tirzepatid (GLP1-/GIP-RA) als auch bariatrische Eingriffe wie der Roux-en-Y-Magenbypass führen zu deutlichem, teils langfristigem Gewichtsverlust. Wichtiger als das reine Gewicht ist jedoch offenbar das Verhältnis von fettfreier Masse, insbesondere Muskelmasse, zu Fettmasse. Während Fettmasse das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und eine erhöhte Sterblichkeit steigert, wirkt fettfreie Masse protektiv.

Sarkopenische Adipositas: eine gefährliche Kombination

Besonders problematisch ist die sarkopenische Adipositas – die Kombination aus wenig Muskelmasse und hohem Körperfettanteil. Sie tritt vor allem im Alter häufig auf und erhöht sowohl die Sterblichkeit als auch das Risiko für Stoffwechselerkrankungen. Daher rücken Strategien in den Fokus, die Fett abbauen und gleichzeitig die Muskulatur erhalten oder stärken.

Die Studie von Zicheng Wang et al. vom Vanderbilt University Medical Center in Nashville untersuchte, wie sich die Körperzusammensetzung langfristig nach bariatrischen Eingriffen oder einer GLP1-RA-Therapie verändert. Dafür nutzten die Forscher die Bioelektrische Impedanzanalyse (BIA).

Über 3000 Personen im Alter von 18 bis 65 Jahren nahmen an der retrospektiven Kohortenstudie teil. Rund 1200 Patienten wurden operiert, etwa 1800 erhielten GLP1-RA. Operierte Patienten hatten im Schnitt einen höheren BMI und etwas häufiger Diabetes. In der Medikamentengruppe hingegen waren Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen verbreiteter. Die meisten Patienten erhielten Semaglutid, ein kleinerer Teil Tirzepatid.

Männer erhalten die Muskelmasse besser

Sowohl bariatrische Operationen als auch Medikamente reduzierten die Fettmasse deutlich, wobei die chirurgischen Eingriffe stärkere Effekte zeigten. Zwei Jahre nach der OP hatten die Patienten etwa die Hälfte ihrer Fettmasse verloren, unter GLP1-RA-Therapie waren es 18%.

Auch die fettfreie Masse nahm ab, allerdings weniger stark: Nach zwei Jahren lag der Muskelverlust bei operierten Patienten bei etwa 12%, bei medikamentöser Therapie bei rund 3%. Das Verhältnis von fettfreier Masse zu Fettmasse verbesserte sich in beiden Gruppen, mit etwas besseren Ergebnissen nach Operationen.

Ähnliche Muster zeigten sich bei Analysen nach Geschlecht, Ethnie, BMI, Diabetesstatus und Dauer der medikamentösen Behandlung. Männer konnten ihre Muskelmasse tendenziell besser erhalten als Frauen, besonders unter GLP1-RA-Therapie. Die Forscher erklären dies mit physiologischen Unterschieden: Männer haben im Schnitt mehr Muskelmasse und eine höhere Knochendichte. Zudem beeinflusst Östrogen die Fettverteilung und den Energiestoffwechsel. Frauen verlieren bei Kalorienrestriktion schneller Muskelmasse, vermutlich wegen eines niedrigeren Spiegels anaboler Hormone und einer geringeren Muskelproteinsynthese. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung geschlechtsspezifischer Ansätze.

Insgesamt bewerten die Autoren die Veränderungen der Körperzusammensetzung sowohl durch Operationen als auch durch GLP1-RA-Therapien als positiv.