Pollensaison 2026: Mit hohen Belastungen ist zu rechnen
Nach einem kalten Winter und einem plötzlichen Wärmeeinbruch begann die Pflanzenblüte, und damit die Pollensaison, zwar etwas später, dafür aber abrupt. Insgesamt seien heuer hohe Pollenkonzentrationen und damit hohe Belastungen für Allergiker zu erwarten, warnen Fachexperten.

Der Pollenflug von Hasel und Erle setzte mit dem plötzlichen Temperaturanstieg Ende Februar sehr heftig ein und hat zu ersten ausgeprägten Beschwerden bei Allergikern geführt. „Die Belastungen durch diese beiden Frühblüher werden in den Niederungen und Tallagen vermutlich noch bis Ende März anhalten, aber bereits in der kommenden Woche deutlich an Intensität verlieren“, erläuterte Lukas Dirr, MSc, Aerobiologe beim Österreichischen Polleninformationsdienst (ÖPID), die aktuelle Situation.
Die Esche beginnt dann zwischen Mitte bis Ende März zu blühen (an thermisch begünstigten Standorten bereits Anfang März), wobei heuer durchschnittliche Pollenbelastungen zu erwarten sind.
Hohes Allergiepotenzial von Birke und Gräsern
Die Birkenblüte, die bei sehr vielen Menschen Allergien hervorruft, beginnt ebenfalls in der zweiten Märzhälfte. Hier deutet vieles auf eine starke Saison („Mastjahr“) hin, da die Birke einen Zwei-Jahres-Rhythmus hat und 2025 ein unterdurchschnittliches Jahr war. „Allerdings bedeutet eine große Pollenmenge nicht unbedingt eine starke Belastung, da sich der Körper an eine langsam steigende Belastung besser anpassen kann“, stellt Dirr klar. Hingegen wirken Luftschadstoffe wie Ozon oder Feinstaub verstärkend, da die Schleimhäute vermehrt belastet werden.
In Bezug auf die Gräserblüte, die ebenfalls sehr viele Allergiker belastet, lässt sich derzeit noch nichts Genaueres prognostizieren, da die Intensität stark von der Witterung im April abhängt (erhöhte Pollenproduktion bei ausreichend Regen und gemäßigten Temperaturen). Die Blüte beginnt in der Regel Anfang Mai und dauert bis in den Spätsommer, es gibt mehrere Belastungsgipfel zwischen Juni und August. Zu zusätzlichen Belastungen kommt es durch die Schilfblüte am Neusiedler See und in der Kärntner Seenregion im September.
Kräuterpollen Beifuß und Ragweed
Die Beifußblüte hängt von den Sonnenstunden zwischen Mai und Juni ab und erstreckt sich von Ende Juli/Anfang August bis September/Oktober. Hohe Belastungen sind vor allem im urbanen Raum zu verzeichnen. Lokal können zwei Belastungsspitzen auftreten, die durch die Blüte von unterschiedlichen Arten hervorgerufen werden.
Die Ragweedblüte ist vom Niederschlag im Juni und von Windströmungen abhängig. Belastungen gibt es üblicherweise von Anfang August bis Ende September, dies vor allem in Süd- und Ostösterreich. Über die Intensität der Kräuterpollensaison lässt sich derzeit noch keine Aussage treffen.
Im Spätherbst folgt eine kurze Verschnaufpause für Pollenallergiker, bevor Ende Dezember wieder mit Belastungen durch die Purpurerle zu rechnen ist. „Durch den Klimawandel verschieben und verlängern sich die Blühzeiten der Pflanzen, die pollenfreie Zeit schrumpft auf wenige Wochen im Jahr“, so Dirr.
Allergien rasch abklären und effektiv behandeln
In Österreich sind rund 1,5 bis zwei Millionen Menschen von Allergien betroffen, die in 51% der Fälle von Pollen ausgelöst werden und zu den Top 3 der chronischen Erkrankungen gehören. Bei den unter 30-Jährigen rangieren Allergien sogar an erster Stelle. Dennoch ortet Priv.-Doz. Dr. Petra Zieglmayer, Allergologin und Fachärztin für HNO-Heilkunde in Wien, „eine verhängnisvolle Sorglosigkeit“ unter den Allergikern. Atemwegsallergien werden von vielen unterschätzt, sie setzen vielfach auf Selbstmedikation zur symptomatischen Behandlung der allergischen Rhinitis und suchen meist erst dann einen Arzt auf, wenn diese unerträglich werden – oft erst nach vielen Jahren.
Die Fachärztin plädiert dafür, nach einem positiven Allergietest die Möglichkeit einer allergenspezifischen Immuntherapie (AIT) in Anspruch zu nehmen, da damit nicht nur die Symptome, sondern auch die Ursache einer allergischen Reaktion behandelt werden kann. „Andernfalls kann sich eine allergische Erkrankung von den oberen in die unteren Atemwege ausbreiten und Asthma auslösen“, warnt Dr. Zieglmayer.
Neue ÖPID-Services Pollee und Pollinar
Einen wesentlichen Beitrag zur Aufklärung und Allergenvermeidung leistet seit fast 50 Jahren der Österreichische Pollenwarndienst (ÖPID). Er bietet sowohl Ärzten als auch Betroffenen eine breite Palette an kostenlosen Informationen und Services zur aktuellen Pollensituation, wobei diese Leistungen stetig weiter ausgebaut werden.
„Da Österreich über drei Klimazonen verfügt, verläuft der Pollenflug unterschiedlich und die Belastungssituationen können sich regional stark unterscheiden“, erklärt Dr. Markus Berger, Leiter des ÖPID. Eine wichtige Rolle bei der österreichweiten Pollenvorhersage spielen daher Teams in allen Bundesländern und ein Messnetz mit 25 Pollenfallen.
Neu im Programm des ÖPID ist die digitale Assistentin „Pollee“, ein KI-gestützter Chatbot, der nach einer Pilotphase 2025 seit Jahresbeginn in Vollbetrieb auf dem internen ÖPID-Server läuft. Man kann Fragen in Bezug auf Pollenbelastung und verwandte Themen an „Pollee“ stellen, die zur Beantwortung auf geprüfte Quellen im lokalen Netzwerk zurückgreift. Im Februar konnte man bereits mehr als 3000 Interaktionen verzeichnen.
Als weitere Neuerung wurde in Kooperation mit der Patientenplattform IGAV (Interessensgemeinschaft Allergenvermeidung) das Online-Format „Pollinar“ entwickelt. Hier erfahren Menschen mit Pollenallergie in Webinaren alles Wissenswerte über allergieauslösende Pflanzen, den bevorstehenden Pollenflug, Allergiebehandlung und Vorsorgemaßnahmen. Das erste Pollinar findet am 15. April 2026 zum Thema Gräserpollenallergie statt. Nähere Informationen dazu sind in Kürze auf www.polleninformation.at und www.allergenvermeidung.org abrufbar.
PollenCare: Grünraum allergikerfreundlich planen
Ein neues EU-Projekt, an dem das ÖPID federführend beteiligt ist, setzt sich für allergikerfreundlich gestaltete Grünflächen ein. Ziel dieses Vorhabens ist es, „die gesundheitliche Belastung durch Pollenallergien in der österreichisch-ungarischen Grenzregion nachhaltig zu verringern“, erklärt ÖPID-Aerobiologe Mag. Dr. Johannes Bochal.
Zugleich werden wissenschaftlich fundierte Empfehlungen für die Bepflanzung öffentlicher Grünräume und privater Gärten in ganz Österreich erarbeitet. Es gehe nicht darum, Pflanzenbestand unmittelbar auszutauschen, vielmehr soll das Thema bei Neupflanzungen künftig mitgedacht werden, so Dr. Bouchal.
Erste Pilotprojekte in vier niederösterreichischen Gemeinden und in Eisenstadt sind bereits gestartet. Außerdem werden im Rahmen von PollenCare Webinare mit praxisnahen Empfehlungen zur allergikerfreundlichen Gartengestaltung für Gemeinden, Stadtplaner und Hobbygärtner angeboten.
Weiterführende Informationen
- www.polleninformation.at – Individuelle Pollenbelastung, Download Pollen+ App, KI-Assistentin Pollee etc.
- www.allergenvermeidung.org – Informationsplattform für Allergiker
- www.allergie.at – Einfach und rasch relevante Infos finden
- www.pollenallergie.at – Service für Ärzte
Pressegespräch „Pollensaison 2026: Auftakt, Ausblick und neue Services“, Wien, 10.3.2026
