Warum Jugendliche zu Drogen greifen
Der Konsum psychoaktiver Substanzen beginnt häufig bereits im Jugendalter – in einer Lebensphase, in der Heranwachsende besonders vulnerabel sind. Jugendliche nehmen dabei Drogen insbesondere, um sich zu berauschen; der Konsum hat aber noch andere Aspekte. Prof. Dr. Jochen Kindler, ärztlicher Direktor Kinder und Jugendpsychiatrie Liestal, erläuterte Ursachen, Frühwarnzeichen und therapeutische Optionen bei Suchtproblemen im Jugendalter.

Drogenkonsum ist verbreitet und beginnt im Jugendalter, in einer Phase, in der die Heranwachsenden besonders vulnerabel sind. „Das hat neurobiologische Gründe“, betonte Prof. Kindler. Bei Heranwachsenden ist das Belohnungssystem im Gehirn bereits stark ausgebildet, während der Präfrontalkortex, der das dopaminerge mesolimbische System hemmen kann, in der Entwicklung hinterherhinkt.
Dieses physiologische Ungleichgewicht fördert bei Jugendlichen ein Risikoverhalten, das sich im Drogenkonsum niederschlagen kann.
Synthetische Cannabinoide haben eine höhere Potenz
In Österreich ist Alkohol weiterhin die mit Abstand häufigste psychoaktive Substanz im Jugendalter. Die Schülerbefragung ESPAD 20241 zeigt, dass 82 % der Jugendlichen bereits einmal Alkohol konsumiert haben, rund 60 % gaben an, in den letzten 30 Tagen Alkohol getrunken zu haben. Der Konsum klassischer Zigaretten ist in den letzten Jahren deutlich rückläufig. Gleichzeitig gewinnen E-Zigaretten und andere Nikotinprodukte zunehmend an Bedeutung.
Neben Alkohol und Nikotin berichten Jugendliche vergleichsweise häufig über Erfahrungen mit Schnüffelstoffen wie Kleber, Benzin oder Farben (Lebenszeitprävalenz rund 12 %) sowie mit Lachgas (etwa 7 %).
Die am häufigsten konsumierte illegale Droge bleibt Cannabis. Erfahrungen mit sogenannten neuen psychoaktiven Substanzen (NPS), die häufig als „Legal Highs“ bezeichnet werden und etwa als Badesalze oder Räuchermischungen verkauft werden, werden zwar berichtet, betreffen aber meist experimentellen Konsum.
Erfahrungen mit „klassischen“ illegalen Drogen wie Amphetaminen, Ecstasy oder Kokain sind deutlich seltener. Opiate spielen im Substanzkonsum österreichischer Jugendlicher kaum eine Rolle: Nur sehr wenige Jugendliche berichten von Erfahrungen mit Heroin oder anderen Opioiden.
- Gesundheit Österreich GmbH (GÖG). ESPAD Österreich 2024 – Schülerbefragung zu Alkohol und anderen Drogen. Strizek, Julian; Akartuna, Deniz; Busch, Martin; Schwarz, Tanja (2025): ESPAD Österreich 2024. Gesundheit Österreich, Wien
- Felder-Puig, Rosemarie; Teutsch, Friedrich; Winkler, Roman: Gesundheit und Gesundheitsverhalten von österreichischen Schülerinnen und Schülern. Ergebnisse des WHO-HBSC-Survey 2021/22. Wien: BMSGPK, 2023.