1. März 2026Remission senkt das kardiovaskuläre Risiko langfristig

Normoglykämie bei Prädiabetes senkt Herz- und Sterberisiko langfristig

Wer bei Prädiabetes eine Remission zur Normoglykämie erreicht, erleidet über Jahrzehnte seltener kardiovaskuläre Ereignisse und stirbt seltener daran. Die Blutzucker-Normalisierung könnte damit zu einem eigenständigen Therapieziel werden.

Normoglykämie als Ziel bei Prädiabetes
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Bisher zielte die Behandlung von Prädiabetes vor allem darauf ab, einen manifesten Typ-2-Diabetes zu verhindern. Der Ansatz, den Blutzucker zu normalisieren, geht weiter. Normale Blutzuckerwerte verringern langfristig kardiovaskuläre Ereignisse und verbessern die Überlebenschancen, wie eine aktuelle Studie zeigt. Prädiabetes erhöht das Risiko für Typ-2-Diabetes, kardiovaskuläre Erkrankungen und Herzinsuffizienz. Große Diabetes-Fachgesellschaften empfehlen daher Präventionsprogramme mit gesunder Ernährung, mehr Bewegung und Gewichtsabnahme.

Keine spezifischen Plasmaglukose-Zielwerte

Metaanalysen mit über 16.000 Probanden zeigen, dass Lebensstiländerungen bei Prädiabetes das Risiko für Typ-2-Diabetes wirksam senken. Besonders vielversprechend ist die Strategie, den Blutzuckerspiegel in den Normbereich zu bringen (Remission). Normalisiert sich der Glukosestoffwechsel, sinkt das Diabetes-Risiko stark. Erfreulich: Dieser Effekt hält auch nach den Interventionen an. Ob die Rückkehr zur Normoglykämie kardiovaskuläre Ereignisse und Mortalität zusätzlich reduziert, war unklar.

Dieser Frage gingen Elsa Vasquez-Arreola und Kollegen vom National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases in Phoenix nach. Sie analysierten zwei große randomisierte Präventionsstudien: die US-amerikanische Diabetes Prevention Program Outcomes Study (DPPOS) und die chinesische DaQing Diabetes Prevention Outcomes Study (DaQingDPOS).

Eine Remission lag bei einer Nüchternplasmaglukose <5,6mmol/l, einer 2-Stunden-Plasmaglukose <7,8mmol/l und einem HbA1c <5,7% vor. In der DPPOS-Studie erhielten die Patienten ein Jahr lang spezielle Lebensstilinterventionen, in der DaQingDPOS-Studie sechs Jahre. Der primäre Endpunkt war ein kombiniertes Ereignis aus kardiovaskulärem Tod oder Krankenhausaufenthalt wegen Herzinsuffizienz nach 20 bzw. 30 Jahren. Sekundäre Endpunkte umfassten MACE (Major Adverse Cardiovascular Events), einzelne kardiovaskuläre Ereignisse und Gesamtmortalität.

Normoglykämie als entscheidender Faktor

Die Analyse zeigte: Patienten, die ihren Blutzucker normalisierten, hatten langfristig weniger kardiovaskuläre Ereignisse und starben seltener daran. Bemerkenswert war, dass dieser Vorteil über zwei bis drei Jahrzehnte nach der Intervention anhielt (Legacy-Effekt). In der DPPOS-Studie erreichten 11,5% (275 von 2402) der Teilnehmer nach einem Jahr eine Remission. Diese Gruppe hatte über 20 Jahre eine deutlich geringere Rate an kardiovaskulärem Tod oder Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz als Personen ohne Remission.

Dieses Ergebnis blieb bestehen, auch wenn die Forscher alle Unterschiede zwischen den Gruppen, wie Medikamenteneinnahme oder späteres Auftreten von Diabetes, berücksichtigten. In der chinesischen Studie fanden sie denselben Effekt: Menschen mit Remission erlitten etwa 50% weniger kardiovaskuläre Ereignisse. Selbst Personen, die nur einmal eine Remission erreichten, hatten langfristig ein deutlich geringeres Risiko.

Menschen mit normalen Blutzuckerwerten zeigten eine bessere Insulinwirkung, weniger viszerales Fett und weniger Entzündungen– alles Faktoren, die das Herz schützen. Die Behandlung von Prädiabetes sollte daher vorrangig darauf abzielen, den Blutzuckerspiegel zu normalisieren. Die Evidenz spricht dafür, die Remission zur Normoglykämie neben der Gewichtsreduktion als eigenständiges Therapieziel zu betrachten und in zukünftigen Leitlinien und Präventionsstrategien zu berücksichtigen.