16. Feb. 2026Operative oder konservative Versorgung?

Vorgehen bei akuter Achillessehnenruptur

Die akute Achillessehnenruptur ist eine relativ häufige Verletzung. Die meisten passieren beim Sport infolge einer Distorsion, bei einem Sturz oder durch eine Krafteinwirkung. Operiert werden 60–65 % der Rupturen. Am Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie berichtete Prof. Dr. Kiriakos Daniilidis, OTC Regensburg, über die Vor- und Nachteile der operativen bzw. konservativen Versorgung der akuten Achillessehnenruptur.

Achillessehnenruptur
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Operieren oder konservativ behandeln – diese Frage stellt sich bei jeder akuten Achillessehnenruptur, so der Orthopäde und Unfallchirurg. Komplikationen gibt es bei beiden Optionen. Nach einer Operation ist die Re-Rupturrate geringer, zitierte Prof. Daniilidis aus einer Metaanalyse. Dafür treten andere Komplikationen wie Wundheilungsstörungen oder Infektionen häufiger auf.

Bei konservativer Behandlung kann es nicht nur zu einer Re-Ruptur, sondern auch zu einer Überlänge der Sehne mit einem Kraftverlust kommen. Aber "wenn die OP mal in die Hose geht, dann richtig", konnte der Experte anhand einer Kasuistik zeigen.

Folglich gibt es gute Gründe, nicht jede akute Achillessehnenruptur zu operieren. Moderne Behandlungsstrategien betonen die Vorteile einer patientenzentrierten Versorgung, ausgerichtet an den individuellen Zielen der Betroffenen. Dadurch lässt sich auch die Zufriedenheit der Patienten verbessern.

Operativ: jung, aktiv, grosse Sehnenlücke

Jüngere, aktive Patienten mit einer Sehnenlücke von mehr als einem Zentimeter sollten operiert werden. Das gilt auch für diejenigen, bei denen ein konservatives Vorgehen versagt hat. Der optimale Zeitraum für eine (minimalinvasive) Operation liegt innerhalb der ersten 72 Stunden.

In der ersten Woche nach der Achillessehnenruptur ist eine minimalinvasive oder hybride Versorgung noch "machbar", so Prof. Daniilidis. Grenzwertig wird es in der zweiten Woche, da dann aufgrund der Retraktion der Sehne die Operation technisch anspruchsvoll ist.

Konservativ: älter, inaktiv, kleine Sehnenlücke

Bei älteren Patienten mit geringeren funktionellen Anforderungen oder Komorbiditäten und einer Sehnenlücke von weniger als einem Zentimeter ist ein konservatives Vorgehen möglich. Dazu muss das Sprunggelenk in Spitzfußstellung ruhiggestellt werden. Das geht z.B. mit einem SoftCast oder dem Orthotech Vario Stabil-Schuh mit Fersenkeilen – beginnend mit 3 cm für die ersten beiden Wochen, 2 cm in Woche 3/4 und 1 cm in Woche 5/6. Danach sollten die Patienten den Therapieschuh für weitere vier Wochen ohne Erhöhung tragen.

Ab der 11. Woche darf dann auf einen stabilen Lauf- oder Trekkingschuh gewechselt werden, zunächst für weitere zwei Wochen noch mit einem 1-cm-Fersenkeil, erläuterte Prof. Daniilidis das Therapieschema im OTC Regensburg. Das Tragen von Business-Schuhen oder Ballerinas ist erst ab der 18. Woche möglich.

Ab der zweiten Woche dürfen die Patienten je nach Schmerzstärke voll belasten. Mit dem Therapieschuh oder SoftCast können sie auch schon fahrradfahren. Ab der 12. Woche dürfen die Betroffenen, sofern keine Schmerzen auftreten, mit leichtem Joggen und isometrischem Krafttraining beginnen, ab Woche 18 kann man die Belastung dann Schritt für Schritt steigern.