Allergie-Diagnostik: Nie auf Wunsch der Patienten!
Bei der Allergie-Diagnostik ist genaues Zuhören, Hartnäckigkeit und differenziertes Vorgehen gefragt. Denn nicht jede Sensibilisierung, die im Blut zu sehen ist, löst auch tatsächlich eine Allergie aus. Umgekehrt braucht es manchmal geradezu detektivisches Gespür, um herauszufinden, was hinter allergischen Symptomen tatsächlich steckt. Ein wichtiger Faktor ist dabei die Komponenten-Diagnostik.
Take Home Messages
- Sensibilisierung ist nicht immer gleich manifeste Allergie.
- Deshalb: Allergien nie auf Wunsch der Patienten abklären. Es hat keine therapeutische Konsequenz, wenn eine Sensibilisierung nachgewiesen wird, wenn die entsprechenden Symptome fehlen.
- Anamnese ist das Um und Auf der Allergie-Diagnostik.
- Im Zweifelsfall nicht alles glauben, lieber einmal mehr nachbohren.
- Ein negativer Test schließt eine Unverträglichkeit nicht aus.
- Ein positiver Test bestätigt nicht automatisch eine Allergie.
OÄ Dr. Irina Grigorow, Leiterin der Allergieambulanz des LKH Leoben, eröffnete ihren Vortrag im Rahmen des STAFAM-Kongresses mit einem scheinbar eindeutigen Fall:
Ein sieben Monate alter gesunder Bub ohne atopisches Ekzem entwickelt während des Verzehrs eines hart gekochten Eies einen perioralen Ausschlag, der sich auf Gesicht und Ohren ausbreitete. Die Mutter berichtet eher nebenbei, dass ihr Sohn bereits seit drei Tagen Durchfall hatte.
Es besteht leichter Juckreiz, der selbstlimitierend ist. Obwohl der Bub atem- und kreislaufstabil ist und sonst keine weiteren Symptome zu erkennen sind, wird das Kleinkind sicherheitshalber eine Nacht stationär aufgenommen. CRP ist normal, die Leukozyten mit 13,89 G/L leicht erhöht.
