21. März 2024In Zeiten der individualisierten Therapie

ATTD II: Wer braucht heute noch HbA1c?

Die kontinuierliche Glukosemessung hat gezeigt, dass bei gleichem durchschnittlichem Blutzucker das Hämoglobin unterschiedlicher Individuen unterschiedlich glykiert sein kann. Noch nicht gänzlich geklärt sind die klinischen Schlussfolgerungen aus diesem Befund.

HbA1C & Diabetes
fovito/AdobeStock

Glykiertes Hämoglobin (HbA1c) wird seit vielen Jahren zur Diagnose des Diabetes mellitus ebenso herangezogen wie für die Kontrolle der Therapiequalität. Im Vergleich zur Bestimmung des Nüchternzuckers hat es den Vorteil, dass es die längerfristige glykämische Kontrolle widerspiegelt. In Zeiten der kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) haben sich allerdings auch Nachteile des HbA1c gezeigt. Insbesondere korreliert es nicht immer und nicht bei allen Personen mit gleicher Genauigkeit mit dem Blutzuckerspiegel. „Bereits seit den 1980er Jahren wissen wir, dass Anämie, Hämoglobinopathien, Nierenversagen und viele andere Zustandsbilder Einfluss auf das HbA1c haben“, sagt Prof. Dr. Irl Hirsch vom Diabetes Institute der University of Washington. Mithilfe von CGM wurde 2008 im Rahmen der ADAG-Studie die Relation von durchschnittlichem Blutzuckerspiegel mit dem HbA1c ermittelt. Auffallend dabei waren die großen statistischen Schwankungsbreiten, so Hirsch, der auch betont, dass diese Beobachtung in zahlreichen weiteren Studien bestätigt wurde und dass Personen mit Erkrankungen wie Anämie oder Niereninsuffizienz aus diesen Studien ausgeschlossen waren.1 Hirsch: „Es ist also klar, dass es außer den bekannten Komorbiditäten und der Physiologie des Hämoglobins noch andere Faktoren geben muss, die Einfluss auf das HbA1c haben.“

Um den Inhalt zu sehen, müssen Sie sich einloggen oder registrieren.