Kriegsverletzungen als infektiologischer Horror
An der Charité – Universitätsmedizin Berlin werden Patientinnen und Patienten mit in der Ukraine erlittenen Kriegsverletzungen behandelt. Diese Verletzungen sind nicht nur aus traumatologischer Sicht schwer zu behandeln, sie sind häufig auch mit mehreren resistenten Erregern infiziert und stellen damit auch eine infektiologische Herausforderung dar.

Im Krieg in der Ukraine erlittene Verletzungen stellen nicht nur traumatologische und chirurgische Herausforderungen dar, wie Expert:innen im Rahmen des European Congress of Clinical Microbiology & Infectious Diseases (ECCMID) in Kopenhagen berichteten. Häufig stellen sich nämlich als Folge der Verletzungen komplexe Infektionen von Knochen und Weichteilen ein – und in vielen Fällen sind das Infektionen mit multiresistenten Bakterien. Eine Gruppe der Berliner Charité stellte eine Analyse von 14 Fällen (13 Zivilisten und ein Soldat) vor, die aus der Ukraine zur Behandlung nach Berlin gebracht worden waren. „Kriegsopfer erhalten oft suboptimale chirurgische und antibiotische Versorgung unter unsterilen Bedingungen in Kampfgebieten – und dies nicht selten über Wochen oder sogar Monate“, kommentierte Studienautorin Dr. Maria Virginia Dos Santos. Sie unterstreicht, dass nicht nur die Verletzungen, sondern auch die Infektionen extrem schwer zu behandeln sein können, da es sich oft um große Wunden und polymikrobielle Infektionen handle, an denen Bakterien, Pilze und Parasiten in unterschiedlichen Kombinationen beteiligt sind. Zusätzlich handle es sich nicht selten um extrem resistente und damit schwer behandelbare Erreger.