2. Mai 2026Medizinische Universität Wien

Oligometastatischer Krebs: Neue Endpunkte für Studien

Eine internationale Gruppe unter Leitung des Comprehensive Cancer Center (CCC) von MedUni Wien und AKH Wien hat Messgrößen für klinische Studien bei Krebserkrankungen mit vereinzelten Metastasen festgelegt. Ziel ist es, den Nutzen moderner, gezielt auf Metastasen ausgerichteter Therapien mit Endpunkten zu bewerten, die für Patient:innen besonders relevant sind. Die Konsensusarbeit markiert einen Paradigmenwechsel in der Krebsforschung.

Metastasis Cancer cell and oncology or Malignant Cancerous Growth as growing dividing tumor cells and Malignancy disease
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Der Fokus der in The Lancet Oncology veröffentlichten Konsensusarbeit liegt dabei auf oligometastatischem Krebs. Eine Heilung ist in diesem Stadium möglich. Patientinnen und Patienten können heute zum Teil viele Jahre in guter Lebensqualität mit vereinzelten Metastasen leben. Metastasen-zielgerichtete Therapien (MDT, metastasis-directed therapies) sind hochpräzise lokale Therapieverfahren. Dazu gehören die stereotaktisch ablative Radiotherapie (SABR), die chirurgische Resektion oder die Thermoablation, mit denen in bildgebenden Verfahren einzelne Metastasen gezielt behandelt werden können.

Abkehr vom PFS

Das Konsensuspapier geht aus der weltweit größten prospektiven Kohortenstudie OligoCare zur Evaluation von SABR bei Oligometastasierung verschiedener Tumorarten mit mehr als 3.500 eingeschlossenen Patientinnen und Patienten hervor. Da in vielen dieser SABR als lokales Verfahren eingesetzt wird, lag auch im Konsensusprojekt ein Schwerpunkt auf der hochpräzisen Radiotherapie. Ziel war es dabei, valide primäre Studienendpunkte zu definieren, die aus der Perspektive der Betroffenen relevant und zugleich für unterschiedliche Krebserkrankungen im oligometastatischen Stadium anwendbar sind.

Im Fokus standen klinische Studien, die den Nutzen der verschiedenen Therapiemöglichkeiten in Kombination mit medikamentösen Therapien untersuchen. Die Expert:innen wurden aus dem OligoCare-Konsortium der European Organisation for Research and Treatment of Cancer (EORTC) sowie der European Society for Radiotherapy and Oncology (ESTRO) zusammengesetzt. Sie umfassen die Bereiche Radiotherapie, Radiologie, Epidemiologie und Statistik. Weiters eingebunden waren Vertreter:innen europäischer Patient:innenorganisationen.

Wiederholte Entfernung von Metastasen möglich 

Primäre Endpunkte sind in klinischen Studien die zentralen Messgrößen, anhand derer Wirksamkeit und Nutzen einer Therapie beurteilt werden. Neben etablierten Endpunkten wie dem Überleben bei guter Lebensqualität stimmte die Expert:innengruppe zwei neuen Messgrößen zu, die den spezifischen Wirkmechanismus hochpräziser ablativer Therapien abbilden und das Ziel haben, die häufig symptomlosen Metastasen lokal zu entfernen.

Die neuen Standards für klinische Studien markieren dabei eine Abkehr vom bisher verwendeten Endpunkt des progressionsfreien Überlebens (PFS). Dieser spiegelt den spezifischen Nutzen lokaler, hochpräziser Therapien nur unzureichend wider. Damit werden weitere Faktoren bewertet, die für Patient:innen unmittelbar relevant sind – etwa therapiefreie Zeit und geringe Nebenwirkungen.

Neue Endpunkte werden bewertet

Im Zentrum stehen zwei neue Messgrößen:

  • STFS (Start or Switch of Systemic Therapy-Free Survival), die den Zeitraum ohne Beginn oder Wechsel einer systemischen Therapie beschreibt, sowie
  • pPFS (polymetastatic Progression-Free Survival), die die Zeit bis zum Übergang in ein Krankheitsstadium mit weit gestreuter Metastasierung erfasst.

Beide Endpunkte tragen dem Umstand Rechnung, dass mit MDT einzelne Metastasen gezielt und wiederholt behandelt werden können. Etwa wenn nach Entfernung einer Metastase am rechten Lungenflügel eine weitere Metastase am linken Lungenflügel auftritt.

„Wir sehen hier einen echten Paradigmenwechsel in der klinischen Forschung bei oligometastatischer Erkrankung. Bisherige Endpunkte konnten den Nutzen lokaler Therapien oft nicht adäquat darstellen. Mit den neuen, international abgestimmten Standards schaffen wir eine Grundlage, um Studienergebnisse besser zu interpretieren und schneller in die klinische Praxis zu übertragen“, erklärt Studienleiter Joachim Widder (Universitätsklinik für Radioonkologie und CCC).

Die breite Datenbasis sowie der internationale Konsens unter Einbindung von Patient:innenvertreter:innen verleihen den neuen Endpunkten besondere Relevanz für zukünftige Studien. Sie stehen demzufolge für eine Weiterentwicklung hin zu präziseren und patient:innenorientierten Therapieansätzen.

Publikation: The Lancet Oncology
Joachim Widder, Guus M Bol, Inga-Malin Simek, Felix Ehret, Hoda Abdel-Aty, Selma Basic et al., Clinical trial endpoints for metastases-directed therapy in oligometastatic cancer: a review and Delphi consensus on behalf of the EORTC–ESTRO OligoCare consortium. The Lancet Oncology 2026; 27, e238-e247. https://doi.org/10.1016/S1470-2045(26)00075-6

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