17. März 2025Auf der Suche nach einem molekularen Jungbrunnen

Alterungsprozesse im «Mini-Gehirn» umkehrbar?

Forschern der Uni Innsbruck ist es erstmals gelungen, 3D-Miniatur-Gehirnen beim Altern zuzusehen. Auch erste Hinweise, dass der Alterungsprozess durch Umprogrammierung umgekehrt werden kann, gibt es schon.

Abstraktes leuchtendes Gehirn mit Netzwerklinien und Punkten auf dunkelblauem Hintergrund.
Abbildung: DIAHIMAGESNEW/AdobeStock

Weltweit sind Forschende auf der Suche nach Interventionen, die die Gehirnalterung verlangsamen oder ihre Folgen abmildern.

Doch der Weg dahin ist weit, weiß Prof. Frank Edenhofer, PhD, Leiter der Forschungsgruppe Genomik, Stammzellbiologie und Regenerative Medizin an der Universität Innsbruck. Der Gruppe gelang es, typische Alterungsprozesse in sogenannten Gehirn-Organoiden nachzuweisen (2). Das sind 3D-Miniaturgehirne, die dem Aufbau des menschlichen Denkorgans näherkommen als Mäusegehirne und 2D-Zellkulturen.

Verjüngungskur mit Gen-Cocktail

Zum ersten Mal steht damit ein humanes Gewebemodell zur Verfügung, das es ermöglicht, dem Gehirn beim Altern zuzusehen. «Wir sehen typische degenerative Vorgänge: oxidative und andere altersbedingte Schäden an der DNA sowie verringerte mitochondriale Aktivität», berichtet Prof. Edenhofer. Bemerkenswert sei auch die «epigenetische Erosion», so der Stammzellbiologe. Diese Beobachtung unterstreicht, wie wichtig epigenetische Veränderungen im Zusammenhang mit dem Altern sind.

Auch seien schon einige unerwartete Gene, die noch nicht im Kontext von Gehirnalterung beschrieben wurden, identifiziert worden, so Prof. Edenhofer. Und natürlich wird es in weiterer Folge um die Frage gehen, ob sich die Gehirnalterung hinauszögern oder gar umkehren lässt. «Dafür nutzen wir einen Gen-Cocktail, von dem wir wissen, dass er Zellen in Mäusen umprogrammieren kann. Wir haben erste Hinweise, dass dieser ‹Verjüngungscocktail› die epigenetische Erosion der Neuronen rückgängig macht», so der Forscher. Bis es eine Verjüngungskur für das Gehirn als Medikament gibt, werde allerdings noch viel Zeit vergehen. Vorerst bleibe der beste «Jungbrunnen» ein aktiver Lebensstil – damit unser Gehirn möglichst gesund altert.