Lernen von Menschen mit Behinderungen
M. kommt regelmäßig zu mir auf Besuch in die Apotheke. Sie kommt mit ihrer Mama, die sie an der Hand führt, weil sie sich alleine räumlich nicht orientieren kann. M. ist Mitte zwanzig. Wenn sie mich erblickt, geht ein breites Grinsen über ihr Gesicht. Sie macht einen Laut der Freude und streckt mir ihre Hand entgegen. Im Übrigen ist sie die Einzige, der ich es erlaube, sich ums Plexiglas zu wickeln. Solange ich sie bediene und ihrer Mutter ihre Medikamente aushändige, verfolgt sie mich mit ihren Augen, ihrem Lächeln und bietet mir immer wieder ihre Hand an.

Herr. H. ist ein Kunde, der einen Rollstuhl benutzt. Und nein, er ist nicht an ihn gefesselt, wie in Medien immer gern beschrieben wird. Er ist ein fescher, sportlicher Mann, der sich bemüht, nicht dick zu werden, seinen Oberkörper fit zu halten und seine Wege selbst zu erledigen. Will man ihm behilflich sein, winkt er meist dankend ab: „Danke, aber heute muss es schnell gehen.”
