Apothekerin mit Behinderung

Menschen, speziell Kinder mit Behinderung, sind ein wichtiger Teil meines Lebens. Das wissen aufmerksame LeserInnen meiner Kolumne schon lange. Diese Menschen begegnen uns natürlich auch an der Tara. Hat man viel mit ihnen zu tun, sind auch Überraschungsmomente seltener, weil man lernt, die Dinge anders zu sehen und einzuschätzen. Anders schaut es schon aus, wenn man selber betroffen ist. So war ich kurz vor dem Sommer in meinem Radius ziemlich eingeschränkt. Und das kam so:

Gern hänge ich meinen Nachtdienst an den Tagdienst an. Das hat den Vorteil, dass ich nicht hin- und herfahren muss, aber den Nachteil, dass man auch schon ziemlich müde sein kann, wenn der Nachtdienst beginnt. So geschehen kürzlich, als in der Nacht an die 50 KundInnen den Weg zu mir fanden. Des Morgens stehe ich also völlig übernächtigt auf, vollende mein Tag- und Nachtwerk, schultere meine Einkäufe und meine persönlichen Sachen und mache mich auf den Heimweg. Am U-Bahnabgang passiert es, in einer Sekunde: Ich übersehe eine Stufe und falle sehr unglücklich. Positiv überrascht mich, dass in der morgendlichen Rushhour doch einige Menschen sofort um mich herum sind und mir helfen wollen. Ich winke dankend ab, nachdem ich festgestellt habe, dass ich irgendwie auf die Beine komme, und humple schmerzerfüllt weiter.
Zu Hause will mich mein Mann sofort ins Spital bringen. Ich habe das dringende Bedürfnis, mich hinzulegen, außerdem bin ich noch für einen Vortrag am Nachmittag gebucht. Auch den schaffe ich noch, aber danach ist Schluss mit lustig: Unfallkrankenhaus. Kahnbein angebrochen. Spaltgips, Kranken­stand, gehunfähig.

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