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DFP Literaturstudium: Stigmata der Sucht

CliniCum derma

Der Abusus von legalen und illegalen Substanzen kann mit einer Vielzahl an dermatologischen Manifestationen einhergehen, die auch diagnostisch bedeutsam sein können. Damit kommt auch dem/der DermatologIn eine Rolle zu, Indikatoren für Suchtverhalten zu diagnostizieren und eine professionelle Betreuung Betroffener einzuleiten.

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DFP Punkte
3
Fortbildungs-ID
708686
Gültig bis
03.06.2023
Fortbildungsanbieter
Österreichische Akademie für Dermatologische Fortbildung (OEADF)

DFP Literaturstudium: Stigmata der Sucht

Sucht ist eine extreme Form positiv motivierten Verhaltens. Das wiederholte Erleben von starker Euphorie kann über Aktivierung des mesolimbischen Dopaminsystems, dem zentralen Belohnungszentrum, zu zwanghaftem Verlangen nach den diesen Zustand erzeugenden Substanzen führen. Im Unterschied zu herkömmlichen Motivatoren entstehen beim Wegfall der Einnahme süchtig machender Stoffe starke psychische und/oder körperliche Aversionen (Entzug). Die Vulnerabilität zur Entwicklung einer Sucht ist individuell unterschiedlich ausgeprägt, teils genetisch veranlagt, aber auch durch psychische und physische, u.U. frühkindliche Traumatisierungen bedingt. Suchtmittelkonsum, Folgekrankheiten und die damit verbundene Stigmatisierung und Kriminalisierung bedingen individuelle, familiäre und psychosoziale Tragödien und stellen relevante medizinische, gesundheitsökonomische und gesellschaftspolitische Herausforderungen dar.

1. Alkohol (Ethanol)

Alkoholkonsum begleitet die Menschheit seit langer Zeit. Erste Produktionsstätten gab es vermutlich schon vor 13.000 Jahren. Seither leben wir großteils in einem alkoholpermissiven Klima.1 In der International Classification of Disease (ICD-10) wird ein psychisch oder physisch schädlich wirkender Gebrauch von der Alkoholabhängigkeit unterschieden. Für Letztere spielen verminderte Kontrollfähigkeit, Verlangen nach Alkohol, Entzugssymptomatik, Toleranzentwicklung sowie fortschreitende Vernachlässigung anderer Interessen eine zentrale Rolle.2 Die Harmlosigkeitsgrenze wird von der WHO mit maximal 16g bzw. 24g Alkohol pro Tag für Frauen und Männer definiert, eine Gefährdungsgrenze besteht bei >40g bzw. 60g pro Tag. Rezente Metaanalysen zeigen allerdings, dass selbst der regelmäßige Konsum niedriger Mengen (12–24g/d) mit einem statistisch höheren Risiko für Leberzirrhose bei Frauen verbunden ist.3 Welche Sorte von Ethylalkohol konsumiert wird (Bier, Wein, hochprozentige Spirituosen) spielt dabei übrigens eine untergeordnete Rolle.4

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