24. Aug. 2014Früherkennungsstrategien für Rheumatoide Arthritis

Rheumatoide Arthritis aus der Lunge?

Seit klar ist, dass die Rheumatoide Arthritis in der Familie liegt, wächst das Interesse an Früherkennungsstrategien, zumal es als sehr wahrscheinlich gilt, dass eine frühestmögliche Therapie Patienten langfristig in eine arzneimittelfreie Remission bringen kann.

SERA* ist eine groß angelegte Kohortenstudie, die im Langzeitverlauf RA-Patienten und deren Verwandte ersten Grades beobachtet, um frühe Marker zu identifizieren, an denen sich das individuelle RA-Risiko ablesen lässt.

Frauenhände mit Rheuma befallen
iStock/chaowalit407

Zahl der Antikörper korreliert mit dem RA-Risiko

In diesem Zusammenhang wurde auch eine Biobank mit Untersuchungsmaterialien wie Blut und Sputum angelegt, in denen unter anderem nach Rheumafaktoren und Antikörpern gegen citrullinierte Proteine (ACPA) gesucht wird.

Die Studie brachte bereits einige interessante Erkenntnisse, berichtete Professor Dr. Jonathan Kay von der University of Massachusetts in Worcester. So bestätigte sich, dass Autoantikörper-positive Probanden in erhöhter Gefahr schweben, selbst Gelenkbeschwerden zu entwickeln, und dass die Zahl der nachweisbaren Antikörper direkt mit dem Risiko korreliert.

Höchste Antikörperkonzentration im Sputum

Wer mindestens neun der insgesamt 16 bestimmten ACPA aufwies, hatte ein fünffach höheres Risiko als Antikörper-negative Teilnehmer. Als die Forscher Autoantikörper im Sputum maßen, stellten sie fest, dass neun von zehn Patienten mit früher RA für mindestens einen ACPA positiv waren, aber auch zwei von drei seropositiven Probanden ohne RA-Zeichen.

Bemerkenswert daran: Gefährdete Probanden boten im Sputum höhere Titer als im Serum – das könnte darauf hindeuten, dass die Autoantikörper in der Lunge gebildet oder gespeichert werden.

Darmbakterium als pathogenetischer Faktor

Im nächsten Schritt erfolgte zusätzlich zu den Antikörpermessungen das Röntgen der Lunge. ACPA-positive Probanden zeigten zu über 75 % auffällige Befunde wie Bronchiektasen oder verdickte Bronchialwände – ein weiterer Hinweis, dass die Lunge beim Autoimmungeschehen eine zentrale Rolle spielt.

Ins Blickfeld der Rheumatologen geriet aber auch der Darm, genauer gesagt die Mikrobiota bezeichnet. In einer aktuellen Studie wurde die Flora von Frührheumatikern, chronischen RA- und Psoriasisarthritis-Patienten sowie Gesunden untersucht: Bei denen mit frisch ausgebrochener RA fand man häufig den gramnegativen Keim Prevotella copri.

Erkenntnisse für die Früherkennung nutzen

Er gehört zur normalen Darmflora, kann aber andere Spe­zies verdrängen, wenn er sich ausbreitet – so auch hier: Bacteroides fand sich bei den frühen RA-Patienten viel seltener. Aus Tierversuchen weiß man außerdem, dass dieser Keim die Empfänglichkeit für proinflammatorische Reize verstärken kann.

Praktische Relevanz haben derlei Befunde derzeit nicht, außer dass sie als Ansatzpunkt für weitere Früherkennungsstrategien dienen könnten, so Prof. Kay. Auf jeden Fall liefern sie neue Einblicke in die Pathogenese der RA.

Frühe rheumatoide Arthritis: Wie angehen?

Wenn man RA-Patienten nur früh genug erwischt, ließen sie sich möglicherweise sogar heilen, zumindest aber lange arzneimittelfrei in Remission halten, so die Hoffnung vieler Rheumatologen. Dass das wohl nicht so einfach sein dürfte, zeigten jüngst die Ergebnisse der PRIZE-Studie, in der Patienten mit frisch diagnostizierter RA Methotrexat (MTX) mit oder ohne Etanercept oder Placebo erhielten.

Die besten Ergebnisse wurden erwartungsgemäß mit MTX plus Biologikum erzielt, die schlechtesten mit Placebo. Aber: Sobald nach einer Dosisreduktionsphase die aktive Therapie endete, ging es steil bergab. „Ganz ohne DMARD* lässt sich die klinische Response nicht aufrechterhalten“, folgerte Prof. Kay.

Dass es aber vielleicht nicht das ganze Arsenal sein muss, zeigt die OPTIMA**-Studie: Ob Patienten nach RA-Diagnose direkt eine Kombination von Adalimumab plus MTX erhielten oder Adalimumab für den Fall eines unzureichenden Ansprechens aufgespart wurde, machte für das Endergebnis keinen Unterschied.

Es war aber möglich, das Biologikum wieder abzusetzen, nachdem die Patienten die Remission erreicht hatten. Prof. Kay: „Eine kurze Induktionstherapie mit Biologikum plus MTX reicht vielleicht aus, um das Therapieergebnis danach mit MTX allein zu stabilisieren.“

* Disease-Modifying Antirheumatic Drug

* Scottish Early Rheumatoid Arthritis

** Optimal Protocol for Methotrexate and Adalimumab Combination Therapy in Early Rheumatoid Arthritis

Quelle: Annual European Congress of Rheumatology