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Gesundheitsreform unter Druck: Wie Österreich sein solidarisches Gesundheitssystem sichern kann

Rund 400 führende Expert:innen aus Medizin, Wissenschaft und Politik trafen sich Ende Mai beim Austrian Health Forum (AHF) in Schladming, um Lösungen für die drängenden Herausforderungen im Gesundheitswesen zu erarbeiten. Im Mittelpunkt stand dabei die aktuelle Frage, wie sich eine hochwertige Gesundheitsversorgung für alle auch unter steigendem finanziellem Druck aufrechterhalten lässt.

Schladming in the Austrian Ennstal in Styria during summer and autumn time. Cityscape view during evening light.
mdworschak/stock.adobe.com

Unter den Leitthemen „Effizienz“ und „Solidarität“ diskutierte das Austrian Health Forum gemeinsam mit Entscheidungsträgern aus allen Bereichen des Gesundheitswesens über die anstehende Gesundheitsreform.

Der Knackpunkt: Die Bevölkerung altert, die Gesundheitsausgaben steigen und gleichzeitig geraten die öffentlichen Budgets unter Druck. Gleichzeitig bleibt der Anspruch der Versicherungsnehmer unverändert hoch, sodass Spitzenmedizin weiterhin unabhängig von Einkommen und Wohnort zugänglich sein soll. „Solidarität wird als wichtiges Grundprinzip der Gesundheitsversorgung eingeschätzt. Gleichzeitig war der ökonomische Druck im Gesundheitswesen noch nie so groß wie heute“, betonte AHF-Gründer Christoph Hörhan in seiner Eröffnungsrede. Das Effizienzgebot habe daher deutlich an Bedeutung gewonnen.

Zwischen Sparzwang und Versorgungsauftrag

Fiskalratspräsident Christoph Badelt machte dies gleich zum Auftakt des Kongresses klar. In seiner Keynote skizzierte er die finanzielle Ausgangslage Österreichs und machte deutlich, dass das Gesundheitssystem vor tiefgreifenden strukturellen Herausforderungen steht. Denn steigende Gesundheits-, Pflege- und Pensionsausgaben treffen auf eine angespannte Budgetsituation und eine alternde Bevölkerung.

Gleichzeitig warnte Badelt davor, die Diskussion ausschließlich auf Einsparungen zu reduzieren. Gesundheit sei ein zentrales Element des Sozialstaats und müsse allen Menschen unabhängig von ihrem ökonomischen Status zugänglich bleiben. Um dieses Ziel langfristig zu sichern, brauche es jedoch tiefgreifende Strukturreformen und eine effizientere Nutzung vorhandener Ressourcen.

Reformen müssen den Menschen dienen

Auch die politische Ebene zeigte sich reformbereit. Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig machte deutlich, dass es bei der Gesundheitsreform nicht um Machtfragen gehen dürfe: „Entscheidend ist, dass die Menschen in Österreich am Ende des Tages wieder ohne Kreditkarte zum Arzt gehen können.“

Dafür brauche es den Mut, über Bundesländergrenzen hinweg zu denken, Wahlärzt:innen stärker einzubinden und Patientenströme besser zu steuern. Das solidarische Gesundheitssystem sei eine große Stärke Österreichs, müsse aber an neue Herausforderungen angepasst werden.

Ähnlich argumentierte Peter McDonald, Obmann der Österreichischen Gesundheitskasse. Das Gesundheitswesen leide nicht an mangelnden Analysen, sondern an der Umsetzung bekannter Lösungen. Österreich sei nach wie vor stark spitalsorientiert, während der niedergelassene Bereich vielerorts an seine Grenzen stoße. Künftig werde man daher stärker priorisieren und vorhandene Mittel gezielter einsetzen müssen.

Patient:innen im Mittelpunkt

Einen internationalen Blick auf die Reformdiskussion brachte der Schweizer Spitalsexperte Daniel Walker ein. Österreich verfüge über eines der besten Gesundheitssysteme der Welt, gleichzeitig seien jedoch erhebliche Effizienzreserven vorhanden: „Österreich hat zu viele Spitalsbetten und zu viele Ärztinnen und Ärzte.“ In Österreich gebe es 670 Spitalsbetten pro 100.000 Einwohner, in der Schweiz aber nur 440 – und dennoch sei die Wahrscheinlichkeit, in der Schweiz gesund zu altern, deutlich höher als in Österreich.

Sein zentraler Appell: Versorgung müsse sich konsequent am tatsächlichen Bedarf orientieren. „Österreich fokussiert zu sehr auf Akutmedizin im Krankenhaus: diese ist jedoch am teuersten, dabei brauchen die Patient:innen das oft gar nicht“, betonte Walker. Für diese Ineffizienz bezahle letztlich die Bevölkerung

Auch Katharina Reich, Sektionschefin im Gesundheitsministerium, plädierte in der anschließenden Podiumsdiskussion für ein gemeinsames Zielbild: „Wir schieben uns im Gesundheitssystem gerne die Schuld zu, aber das bringt uns nicht weiter.“ Statt immer neue Pilotprojekte zu entwickeln, müsse man erfolgreiche Konzepte endlich flächendeckend umsetzen.

Reformbereitschaft in der Bevölkerung

Dass Veränderungen notwendig sind, zeigt auch eine aktuelle, im Vorfeld des Forums präsentierte Umfrage. Demnach sind 44 Prozent der Österreicher:innen mit dem Gesundheitssystem unzufrieden. Besonders kritisch werden lange Wartezeiten, Terminprobleme und der Ärztemangel gesehen.

Gleichzeitig zeigt sich die Bevölkerung überraschend offen für Reformen. Viele Befragte befürworten eine stärkere Einbindung von Wahlärzt:innen, neue Versorgungsmodelle sowie eine bessere Steuerung der Patient:innen. Die Sicherung der Versorgung bleibt dabei das wichtigste Anliegen.

Mut für die nächsten Schritte

Die Diskussionen in Schladming machten deutlich, dass die Herausforderungen groß sind. Gleichzeitig herrschte unter den Teilnehmer:innen weitgehend Einigkeit darüber, dass viele der notwendigen Lösungen längst bekannt sind. Nun gehe es darum, diese auch umzusetzen.

„Die Reformpartnerschaft bietet eine große Freiheit, um endlich die dringend nötigen Strukturreformen anzupacken“, resümierte Christoph Hörhan zum Abschluss des Forums. Dafür brauche es den Mut, die Empfehlungen der Expert:innen umzusetzen.

Weitere Informationen:

Austrian Health Forum www.austrianhealthforum.at

Das Austrian Health Forum dankt folgenden Partnern für ihre Unterstützung:

  • AIT Austrian Institute of Technology
  • Alles Clara
  • Ärztekammer für Steiermark