3. Nov. 2026Studie identifiziert Risikofaktoren

Sjögren-Syndrom: Frühe Schäden im Blick behalten

Irreversible Schäden entstehen beim Sjögren-Syndrom oft früh. Wer besonders gefährdet ist und welche Faktoren das Risiko bestimmen, zeigt eine aktuelle Studie.

Mature woman with glasses rubbing her tired eyes at home. Eye strain, fatigue, and vision problems concept.
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Das Sjögren-Syndrom betrifft weit mehr als Tränen- und Speicheldrüsen. Neben den typischen Sicca-Symptomen treten häufig systemische Manifestationen und bleibende Organschäden auf. Das Lymphom-Risiko steigt ebenfalls.

Während bei anderen systemischen Autoimmunerkrankungen wie dem systemischen Lupus erythematodes irreversible Schäden routinemäßig erfasst werden und deren Vermeidung als zentrales Therapieziel gilt, konzentriert sich die Behandlung beim Sjögren-Syndrom meist auf Krankheitsaktivität und Symptome. Dabei treten bleibende Schäden offenbar früher und häufiger auf als bisher angenommen – auch ohne dauerhaft hohe Krankheitsaktivität.

Wer besonders gefährdet ist, bleibt jedoch unklar. Eine multizentrische italienische Studie verfolgte deshalb die Schadensentwicklung über fünf Jahre und suchte nach Faktoren, die ein erhöhtes Risiko früh anzeigen.

Fast jeder Zweite bereits bei Studienbeginn betroffen

Die retrospektive Analyse schloss 429 Patienten mit primärem Sjögren-Syndrom und mindestens einjähriger Nachbeobachtung ein. 95 Prozent waren Frauen, das mittlere Alter lag bei 52 Jahren. Zu Studienbeginn erfassten die Forscher Krankheitsaktivität und irreversible Schäden. Sie bewerteten die Schäden mit dem Sjögren’s Syndrome Damage Index (SSDI), der okuläre, orale und systemische Schäden berücksichtigt.

Obwohl 71 Prozent der Patienten zu Beginn eine niedrige Aktivität zeigten, wiesen bereits 47,6 Prozent irreversible Organschäden (SSDI ≥ 1) auf. Am häufigsten traten okuläre Schäden auf (25,4 Prozent), gefolgt von systemischen (22,5 Prozent) und oralen Schäden (14,3 Prozent).

Im Verlauf stieg die Schadenslast deutlich: Nach fünf Jahren litten 65 Prozent der Patienten unter irreversiblen Schäden, darunter 40,8 Prozent an systemischen, 34,2 Prozent an okulären und 21,7 Prozent an oralen Schäden. Der mittlere SSDI kletterte signifikant von 0,58 auf 1,06 Punkte.

Die Daten zeigen: Bleibende Schäden entstehen vor allem in den ersten drei Jahren nach der Diagnose – und zwar in allen untersuchten Bereichen.

Krankheitsaktivität treibt das Schadensrisiko

Die Krankheitsaktivität erwies sich als wichtigster Risikofaktor. Ein höherer Sjögren’s Syndrome Disease Activity Index (ESSDAI) zu Beginn sagte die spätere Entwicklung okulärer, oraler und systemischer Schäden voraus.

Für systemische Schäden war der ESSDAI sogar der einzige signifikante Prädiktor. Mit jedem zusätzlichen Punkt stieg das Risiko um 10 Prozent. Patienten mit moderater Aktivität hatten ein mehr als dreifach, Patienten mit hoher Aktivität ein mehr als achtfach erhöhtes Schadensrisiko im Vergleich zu Patienten mit niedriger Aktivität.

Für okuläre Schäden erwies sich ein pathologischer Schirmer-Test als stärkster Prädiktor, während orale Schäden zusätzlich mit einer höheren subjektiven Symptomlast (ESSPRI) einhergingen. Zu Studienbeginn zeigten zudem Anti-Ro/La-Antikörper, erhöhte CRP-Werte und wiederkehrende orale Infektionen in einzelnen Bereichen eine Verbindung zu höherer Schadenslast.

Die Botschaft für die Praxis ist klar: Ärzte sollten Patienten mit hohem Risiko für bleibende Schäden möglichst früh erkennen. Entscheidend bleibt der Blick auf das Gesamtbild, denn neben der Krankheitsaktivität liefern auch serologische Marker und die Beschwerden der Patienten wichtige Hinweise.

Die Autoren fordern deshalb, irreversible Schäden künftig systematisch zu erfassen und stärker in das Krankheitsmanagement und klinische Studien einzubeziehen. So lassen sich Risikopatienten früh identifizieren und rechtzeitig behandeln, um weitere Schäden möglichst zu verhindern.