28. Sep. 2026Diagnostik und therapeutische Ansatzpunkte

Bonding bei postpartalen psychischen Erkrankungen

Ein beeinträchtigtes Bonding kann bei postpartalen psychischen Erkrankungen mit erheblichem Leidensdruck verbunden sein und die frühe Eltern-Kind-Beziehung belasten. Dabei ist das subjektive Beziehungserleben nicht mit der beobachtbaren Interaktion oder der Bindung des Kindes gleichzusetzen. Eine gezielte Exploration des Bondings kann daher eine wichtige Ergänzung der Diagnostik sein – und therapeutische Ansatzpunkte eröffnen.

Mother holding her baby indoors
Rawpixel.com/stock.adobe.com

"Ich weiß, dass sie mein Kind ist, aber ich fühle es einfach nicht. Es ist, als würde ich ein fremdes Kind betreuen.“ Mit diesen Worten beschrieb eine junge Mutter wenige Wochen nach der Geburt ihr inneres Erleben. Sie befand sich aufgrund einer postpartalen Depression und einer vorbestehenden Zwangsstörung in psychiatrischer Behandlung. Sie sprach diese Belastung jedoch erst nach längerem Vertrauensaufbau an.

Obwohl sie ihre Tochter zuverlässig versorgte und die Mutter-Kind-Interaktion nach außen weitgehend unauffällig erschien, berichtete sie über eine ausgeprägte emotionale Distanz, begleitet von intensiven Schuld- und Schamgefühlen. Diese Schilderung verdeutlicht, dass das emotionale Beziehungserleben einer Bezugsperson nicht zwangsläufig deckungsgleich mit der beobachtbaren Eltern-Kind-Interaktion ist.

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Dieser Beitrag erschien auch im Printmagazin CliniCum neuropsy