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Warum ein Businessplan so wichtig ist

Der Businessplan ist das A und O jeder Gründung. Worauf es ankommt, was in diesem Plan stehen soll und worüber man sich schon im Vorfeld Gedanken machen sollte, erklärt Steuerberater Mag. Helmut Schebesta. (Pharmaceutical Tribune 12/2018)

Vor dem „Abenteuer Selbstständigkeit“ ist erst einmal eine gründliche Planung angesagt, am besten mit Hilfe eines Steuerberaters.

Die gesetzlichen Voraussetzungen werden erfüllt, auch die Leitungsberechtigung für eine Apotheke stellt kein Hindernis dar. Die schon lange im Hinterkopf schwebende Idee vom Sprung in die Selbstständigkeit verdichtet sich zusehends. Was jetzt? „Jetzt beginnt die Knochenarbeit“, sagt Steuerberater Mag. Helmut Schebesta, Geschäftsführer der „sh Wirtschaftstreuhand“, die mit vier Standorten in Niederösterreich zu den größten Kanzleien des Bundeslandes zählt. Er rät allen Jungunternehmern, zuerst einmal einen Businessplan zu erstellen. Der Vorteil: Man entwickelt einen Plan und kann sich später immer wieder an diesem, einmal formulierten Leitfaden orientieren.

Unternehmerlohn

„Das Wichtigste ist, dass man sich ganz am Anfang Gedanken über die eigene Situation macht – sprich die monatlichen Lebenshaltungskosten zusammenschreibt“, meint Schebesta, zu dessen Klienten auch Apotheken gehören. Diese definieren im Rechenwerk, das Teil jedes Businessplanes ist, das unterste Limit des Unternehmerlohnes. „Leider vergessen viele Gründerinnen und Gründer darauf, die eigenen Kosten zu ermitteln“, erzählt der Experte aus seiner langjährigen Praxis. Das kann schnell zur Falle werden. Apropos Businessplan: Dieser sollte prinzipiell aus zwei Teilen bestehen. Einerseits aus dem Textteil, der die Geschäftsidee definiert, und andererseits aus dem Rechenwerk, das eine vorausschauende Planung der Einnahmen – sprich Umsätze – und Ausgaben enthält. Klingt einfach, ist es aber nicht immer. Auch wenn die Geschäftsidee bei einer Apotheke klar ist, liegen die Schwierigkeiten mitunter im Detail.

Schebesta: „Leider vergessen viele Gründerinnen und Gründer darauf, die eigenen Kosten zu ermitteln.“

Wie die Statistiken der ÖAK zeigen, erzielt die „durchschnittliche“ Apotheke den größten Teil ihres Umsatzes mit den Krankenkassen (67,5 Prozent im Jahr 2016 – siehe dazu Artikel in der Pharmaceutical Tribune Nr. 10). Was die Spannen betrifft, liegen diese bei Krankenkassen deutlich unter jenen, die sich mit Privatkunden erzielen lassen – im Schnitt um rund zehn Prozentpunkte. Angehende Apotheker sollten sich deshalb auch Gedanken darüber machen, welche Zusatzprodukte mit höheren Spannen sie ihren Kunden anbieten wollen und welche sonstigen Alleinstellungsmerkmale sie für ihre Kunden haben könnten. Diese Überlegungen sollten im Textteil des Businessplanes zu Papier gebracht werden. Tipp der Experten: Es kann durchaus vorteilhaft sein, sich Ideen aus dem persönlichen Umfeld zu holen. Das erweitert das eigene Blickfeld.

Kundenfrequenz

Neben dem Angebot spielt der Standort einer Apotheke eine wesentliche Rolle. Abseits aller Bedingungen, die im Rahmen eines Konzessionsverfahrens zu beachten sind (siehe dazu Interview mit Mag. Georg Lippay, Pharmaceutical Tribune Nr. 8 und 9), sollte man sich gut überlegen, wo man eine neue Apotheke aufsperrt. Helmut Schebesta dazu: „Die Kundenfrequenz ist ein ganz wichtiger Faktor.“ Standorte in der Nähe von gutgehenden Arztpraxen oder in der Nähe von Krankenhäusern können eine gute Wahl sein. Aber auch – so seltsam das jetzt klingen mag – gutgehende Tabaktrafiken mit einer hohen Kundenfrequenz können einen Vorteil bieten. Um festzustellen, wie viele Kunden pro Tag in die Apotheke kommen werden, rät der Steuerberater ganz pragmatisch: „Es zahlt sich auf jeden Fall aus, wenn man sich selbst vor Ort ansieht, wie hoch die Frequenz an einem Standort ist, den man ins Auge gefasst hat. Man bekommt dadurch nicht nur ein Gefühl dafür, wie viele potenzielle Kunden vorhanden sind, sondern auch, welche Kunden man ansprechen kann.“ Ein wichtiger Aspekt, vor allem in ländlichen Regionen, sind auch Parkplätze.

Strenge Rechnung

Ist der Textteil eines Businessplanes erledigt, geht es beim Rechenwerk ans „Eingemachte“. Während sich Umsätze bzw. Einnahmen eher schwer im Voraus prognostizieren lassen, ist die Situation bei den entstehenden Kosten deutlich anders. Investitionen, Finanzierungskosten, Miete, Materialaufwand, Lohnkosten für Mitarbeiter, Unternehmerlohn, ... – die zu berücksichtigenden Positionen sind mannigfaltig. Zwar gibt es im Internet jede Menge Gratistools, die einem dabei helfen können, einen groben Finanzplan zu entwerfen, auf die Beratung eines Experten sollte man trotzdem keinesfalls verzichten. Mag. Georg Lippay vom Verband Angestellter Apotheker Österreichs: „Was die ökonomische Seite betrifft, sollte sich der angehende Selbstständige unbedingt einen Steuerberater an Bord holen. Vor allem auch, wenn man plant, zur Finanzierung auf einen Kredit zurückzugreifen.“ Warum das so ist, ist einfach erklärt: „Wir unterstützen unsere Klienten bei der Gründung nicht nur mit dem entsprechenden Zahlenwerk, sondern begleiten sie auch zu Bankgesprächen bzw. helfen ihnen bei der Auswahl der richtigen Finanzierung bzw. Bank“, sagt Helmut Schebesta. Eine Unterstützung, auf die angehende Apotheker wohl gerne zurückkommen.

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