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Kachexie durch chronische virale Erkrankungen entschlüsselt

Chronische virale Erkrankungen führen häufig zu Kachexie. Eine österreichische Studie zeigte nun, dass CD8-positive T-Zellen wesentlich für den Gewichtsverlust verantwortlich sind.

Viele Patienten mit chronischen Krankheiten wie HIV/Aids, Tuberkulose, Krebs oder Autoimmunerkrankungen leiden an Kachexie. Dabei handelt es sich um ein hochkomplexes und noch wenig verstandenes Syndrom, das zu einem unkontrollierbaren Gewichtsverlust führt. Aufgrund verringerter Nahrungsaufnahme und eines veränderten Stoffwechsels verlieren die betroffenen Patienten ungewollt Körpergewicht und Kraft. Fettreserven und Skelettmuskelmasse werden zunehmend aufgebraucht. Kachexie beeinträchtigt die Lebensqualität erheblich und verschlechtert das Ergebnis laufender Therapien.

Methoden. Anhand von Tiermodellen hat die Forschungsgruppe von Dr. Andreas Bergthaler am CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Zusammenarbeit mit der Universität Graz, der MedUni Wien sowie Partnern aus Deutschland, der Schweiz und den USA einen Mechanismus erforscht, der erklärt, wie chronische Virusinfektionen zur Kachexie führen können.

Ergebnisse. Die Forscher konnten zentrale molekulare Akteure identifizieren, die bei chronischen Infektionen zur Kachexie führen. Der durch die Virusinfektion ausgelöste Gewichtsverlust konnte bislang nur teilweise durch verminderte Nahrungsaufnahme erklärt werden und war durch Nahrungsergänzung nicht zu verhindern. Die Untersuchungen zeigten darüber hinaus, dass die Virusinfektion zu einer gravierenden Reorganisation der Architektur des Fettgewebes führte. Dies war mit der Aktivierung der Lipolyse verbunden, einer molekularen Kaskade von Prozessen, die der Körper zur Auflösung seiner Fettdepots verwendet.

„Überraschend war“, so Hatoon Baazim, MSc, Erstautorin der Studie, „dass keiner der Entzündungsmediatoren, von denen bekannt ist, dass sie Kachexie bei Krebs auslösen, in unserer Infektionsstudie eine Rolle spielen.“ Bei der Untersuchung anderer möglicher Mechanismen stellten die Wissenschaftler fest, dass ein bestimmter Zelltyp des Immunsystems für die Auslösung der Kachexie verantwortlich ist: CD8-T-Zellen. Diese auch T-Killerzellen genannten Immunzellen erkennen normalerweise virusinfizierte Zellen oder Krebszellen und töten diese ab. Nun konnte zum ersten Mal gezeigt werden, dass CD8-T-Zellen für die Auslösung der Kachexie bei Infektionen eine zentrale Rolle zukommt. Dabei spielen zusätzliche Signale des antiviralen Zytokines Typ-I-Interferon, eines körpereigenen Botenstoffs des Immunsystems, sowie die Erkennung des Virus durch die CD8-T-Zellen eine wichtige Rolle.

Fazit. Die Studie gibt Aufschluss über die komplexen Entzündungsprozesse und Stoffwechselveränderungen bei der infektionsassoziierten Kachexie und stellt ein wertvolles Modell bereit, um die molekularen Mechanismen der Kachexie weiter zu erforschen. Dies kann zu einem besseren Verständnis von Infektionen wie HIV/Aids, Tuberkulose oder Malaria und anderen parasitären Erkrankungen, die Kachexie verursachen, beitragen.

Baazim H et al.: CD8+ T cells induce cachexia during chronic viral infection. Nat Immunol 2019 May 20; doi:10.1038 / s41590-019-0397-y

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