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Tausende Infektions-Tote durch Prostata-Biopsien?

Schwere Infektionen – sogar mit tödlichem Ausgang – sind nach Prostatabiopsien häufiger als bisher angenommen. Schuld sind vermehrt auftretende Resistenzen, die die Antibiotika-Prophylaxe wirkungslos machen. Eine Antwort liegt in Resistenztestung der Darmflora und Anpassung der antibiotischen Medikation. Während des Kongresses der Europäischen Urologengesellschaft EAU führten wir mit Prof. Dr. Florian Wagenlehner, Universität Giessen, das folgende Gespräch:

Die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines möglichst breit angelegten PsA-Screenings wird gegenwärtig intensiv diskutiert - mit unterschiedlichen Positionen auf beiden Seiten des Atlantiks. Ein wesentlicher Nachteil des Screenings liegt darin, dass es Prostata-Biopsien triggert. Und zwar nicht nur bei Risikopatienten, sondern auch bei Männern mit Low Grade Karzinomen oder überhaupt keinem Krebs. Die Frage nach Morbidität und im schlimmsten Falle Mortalität nach einer Prostatabiopsie ist folglich von hoher Relevanz für die Entscheidung zum PsA-Screening. Und Studiendaten zeigen, dass es nach Prostatabiopsien weit häufiger zu folgenschweren Komplikationen kommt, als weitgehend angenommen.

Bis zu 2.000 Tote pro Jahr?

Komplikationen nach einer Prostata-Biopsie werden in der Regel durch Infektionen verursacht. Eine Antibiotika-Prophylaxe ist obligatorisch, doch leider nicht immer wirksam. Schwere lokale Infektionen und Sepsis, im schlimmsten Falle mit tödlichen Ausgang, kommen durchaus vor. Selbst bei einer geringen Inzidenz solcher Zwischenfälle dürfe das Problem nicht unterschätzt werden, warnt Univ.-Prof. Dr. Florian Wagenlehner von der Universität Giessen, denn die Zahl der biopsierten Patienten ist enorm. Und die Inzidenz infektiöser Komplikationen nach Prostatabiopsie steigt. Kanadische Daten zeigen seit 2003 eine deutliche und beständige Zunahme von Krankenhauseinweisungen aus diesem Grund - bei einer ungefähr gleichbleibenden Zahl an Biopsien (1). Diese Daten hätten sich, so Prof. Wagenlehner, in anderen Kohorten bestätigt. Eine italienische Gruppe gibt die Mortalität nach Prostatabiopsie mit 0,2 Prozent an, erschreckende 2,2 Prozent der Patienten entwickeln eine Sepsis (2). Gegenwärtig werden in Europa pro Jahr rund eine Million Prostatabiospien durchgeführt. Falls man die italienischen Daten auf ganz Europa anwenden kann, ergibt das also jährlich 22.000 Fälle von Sepsis und 2.000 Todesopfer.

Bei den in Europa durchgeführten Biopsien handelt es sich, so die Ergebnisse einer prospektiven Untersuchung der GPIU Gruppe (3), zu 97% um transrektale Biopsien, bei denen die Gefahr besteht, dass pathogene Keime aus dem Rektum in das Prostatagewebe gelangen. Die unbedingt indizierte Antibiotikaprophylaxe erhalten zwar 98% der Patienten (in der Regel Fluoroquinolone), doch leider bleibt der Erfolg gelegentlich aus. In 5,2% der Fälle tritt eine symptomatische Infektion des Urogenitaltrakts auf, die in 3,5% fieberhaft verläuft. Damit wird bei 3,1% der biopsierten Männer eine Krankenhauseinlieferung erforderlich. Bei Patienten unter active surveillance, bei denen mehrere Biospien erforderlich werden, steigt das Risiko mit jedem weiteren Eingriff. Nach der sechsten Biopsie liegt das Infektionsrisiko bereits bei 16% (4).

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