Home / Urologie / Ein Polizist braucht Hilfe

Ein Polizist braucht Hilfe

Illustration: Kim NovakHerr F. (57 J.) sitzt in seiner Polizeiuniform schmerzgeplagt vor Ihnen, der Schweiß rinnt ihm übers Gesicht. „Seit heute früh habe ich immer wieder diese extremen Schmerzen“, dabei deutet er auf seine rechte Flanke.„Nach ca. 10 Minuten ist der Spuk wieder vorbei. Aber mir ist so schlecht, ich habe bereits mehrfach erbrochen und bin daher außer Dienst gegangen. Bitte geben Sie mir irgendwas gegen diese Schmerzen!“ Weiters erfahren Sie, dass die Schmerzen ins Skrotum ausstrahlen und kolikartigen Charakters sind. Massiver Klopfschmerz der rechten Flanke, Abdomen: weich, keine Abwehrspannung, regelrechte DG in allen 4 Quadranten, Skrotum unauffällig, kein Prehn-Zeichen. Keine Vorerkrankungen, keine Dauermedikation. Das kleine BB zeigt eine Leukozytose. RR 180/90 mmHg, P 115, Temp: 39,4°C. Wie gehen Sie weiter vor, um Ihrem Patienten zu helfen?

„In diesem Fall dürfte es sich um eine akute Nierenkolik handeln“

Foto: PrivatDr. Alexander Friedl
Assistenzarzt Abteilung f. Urologie, Krankenhaus Göttlicher Heiland, Wien
Im aktuellen Fall dürfte es sich um eine akute Nierenkolik mit vegetativer Symptomatik und typischer Schmerzausstrahlung entlang des Ureterverlaufes bis in das rechte Skrotum handeln. Zumeist ist hier ein okkludierender distaler Ureterstein die Ursache. Nach Erhebung einer urologischen Anamnese (frühere Nierenkoliken? Familienanam­nese? Miktionsstörung? Begleiterkrankungen?) erfolgt die urologische Statuierung mittels Harnanalyse, Sonografie der Blase, beider Nieren und wenn möglich beider Ureteren, die Inspektion des äußeren Genitals, die Palpation des Abdomens und der Flanken sowie die rektale Tastuntersuchung. Nach Bestätigung der Diagnose muss der Patient stationär aufgenommen werden, da bereits durch Fieber und Leukozytose eine systemische Infektausbreitung im Sinne einer incipienten Urosepsis besteht. Zu 75% sind gramnegative/enterale Bakterien dafür verantwortlich.

Durch das plötzliche Auftreten dieser Symptome ist eine chronische Erkrankung (z.B. malignes Geschehen) unwahrscheinlich. Es sollte nun rasch eine empirische parenterale Antibiose mit einem Breitspektrum Antibiotikum und eine Analgesie (z.B. Metamizol, NSAR) verabreicht werden. Der nächste Schritt ist die Erweiterung der bildgebenden Diagnostik durch ein „low dose“ Nativ-CT zur exakten Steinlokalisation und zum Ausschluss anderer Ursachen. Danach erfolgt eine akute Harnableitung mittels Harnleiterschiene oder perkutaner Nephrostomie. In den allermeisten Fällen wird damit eine weitere Progredienz der Erkrankung vermieden. Bei weiter progredienter Sepsis mit ausgeprägter Abszessbildung der Niere ist jedoch (als ultima ratio) bis hin zu einer Nephrektomie zu denken. Nach Infektabheilung kann in einem sekundären Eingriff eine Steinsanierung je nach Größe, Lage und Zusammensetzung mittels Ureterorenoskopie, ESWL oder PCNL erfolgen. Bis dahin sind Spontanabgänge unter Alpha-Blocker-Therapie (z.B. Tamsulosin) möglich, aber ab einer Größe von 4mm seltener zu erwarten.

Ihre Vorteile auf medONLINE.at

  • Personalisierte Inhalte auf Ihr Profil zugeschnitten
  • DFP Fortbildung: e-Learnings, Literaturstudien & MM-Kurse
  • Aktuelle Fachartikel, State-of-the-Art-Beiträge, Kongressberichte, Experteninterviews

Registrieren Sie sich jetzt kostenlos & und bleiben Sie top-informiert!

LOGIN

Login

Passwort vergessen?