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Übelkeit und Erbrechen

Übelkeit und Erbrechen können viele Ursachen haben. Es ist zu klären, ob Selbstmedikation zulässig ist. (Pharmaceutical Tribune 06/2018)

Viele Menschen benutzen die Begriffe ‚Übelkeit‘ und ‚Erbrechen‘ synonym. Diese Beschwerden treten zwar häufig gemeinsam auf, erscheinen aber auch voneinander unabhängig. Sie können sowohl im direkten Zusammenhang mit einer Erkrankung stehen oder eine Begleiterscheinung der Erkrankung (z.B. bei Migräne) und/oder ihrer Therapie sein.

1 Definition / Ursachen

1.1 Definition

Übelkeit ist eine Reaktion des zentralen Nervensystems, die es dem Körper erlaubt, den Mageninhalt rasch zu entleeren. Es handelt sich um eine subjektive Empfindung, die meist mit Unwohlsein und Neigung zum Erbrechen einhergeht. Begleiterscheinungen können Schwitzen, Speichelfluss, Blässe und Tachykardie sein. Erbrechen ist der retrograde Auswurf von Mageninhalt durch die Stimulation des Brechzentrums und bringt in vielen Fällen eine Erleichterung mit sich.

1.2 Mögliche Ursachen

  • „Verdorbener Magen“: Reaktion auf bestimmte, verdorbene Nahrungsmittel oder zu viel Alkohol: Hier ist Erbrechen als Schutzreflex erwünscht, um Schadstoffe schnell zu eliminieren.
  • Reisekrankheit: ausgelöst durch das Gleichgewichtsorgan im Ohr, als normale Reaktion auf widersprüchliche Bewegungsreize, die den Organismus überfordern.
  • In der Frühschwangerschaft: bei 50–80 % aller Frauen im 1. Trimenon, allerdings nur bei 1 % der Frauen schwerwiegende Hyperemesis gravidarum, die intravenöse Rehydratisierung im Krankenhaus notwendig macht.
  • Behandlung mit emetogenen Arzneimitteln (Chemotherapie)
  • bei psychischem Stress

2 Behandlungsoptionen

Auslöser des Erbrechens sind Serotoninrezeptoren im Hirnstamm (Brechzentrum). Vor allem bei wiederholtem Erbrechen drohen Flüssigkeits- und Elektrolytverluste und in Folge Stoffwechselentgleisungen, Gewichtsverlust oder Zahnschäden.

! Unbedingt zum Arzt bei Übelkeit und Erbrechen, das länger als drei Tage anhält oder von hohem Fieber, Krämpfen und kolikartigen Schmerzen begleitet wird. Die Therapie der Grunderkrankung, die das Erbrechen auslöst, steht hier im Vordergrund.

2.1 OTC-Präparate

Unabhängig von der Ursache von Übelkeit und Erbrechen werden im Rahmen der Selbstmedikation H1-Antihistaminika der ersten Generation, Ingwerpräparate oder Vitamin B6 (Pyridoxin) eingesetzt. Auswahl von rezeptfrei erhältlichen Präparaten siehe Tabelle.

H1-Antihistaminika der ersten Generation: Bei Substanzen wie Dimenhydrinat oder Diphenhydramin(kein in dieser Indikation zugelassenes Präparat in Österreich) ist die gewünschte antiemetische Wirkung auf die Beeinflussung aufsteigender Nervenbahnen zum Brechzentrum zurückzuführen. Außerdem wirken H1-Antihistaminika anticholinerg, zentral sedierend und lokalanästhesierend. Bei starken Beschwerden ist die Anwendung von Zäpfchen zu empfehlen. Bei Reisekrankheit sollte die Einnahme prophylaktisch etwa 30 Minuten vor Reisebeginn erfolgen, die Wirkdauer liegt bei 3–6 Stunden. Bei Engwinkelglaukom, Prostatahyperplasie, Asthma bronchiale oder Epilepsie dürfen die Substanzen nicht eingenommen werden, die Wirkung zentraldämpfender Arzneimittel kann verstärkt werden.

Vitamin B6 (Pyridoxin): Das Vitamin ist ein Coenzym zahlreicher Enzyme im Aminosäuren-STW und beeinflusst an mehreren Stellen den Tryptophan-STW. Eine abschließende Beurteilung der Wirkung ist derzeit noch nicht möglich, es wird vor allem als Kombinationspartner eingesetzt.

Ingwer: Verantwortlich für die antiemetische Wirkung von Ingwer (Zingiber officinalis) sind Gingerole und Shogaole, sie beruht auf einem Antagonismus an zentralen Serotoninrezeptoren. Zugelassen für Kinder ab sechs Jahren. In klinischen Studien wurde ein Nutzen bei Schwangerschaftserbrechen nachgewiesen, ärztliche Rücksprache wird sicherheitshalber empfohlen. Die Wirkung tritt innerhalb von 15–30 Minuten ein.

2.2 Weitere Therapieoptionen

Pflanzliche Prokinetika werden bei unspezifischen Magen-Darm-Beschwerden bei Erwachsenen und Kindern eingesetzt. Besonders bewährt hat sich bei Übelkeit der Extrakt aus Iberis amara (Bittere Schleifenblume) in Kombination mit zahlreichen anderen (Bitterstoff-) Drogen und pflanzlichen Spasmolytika wie Schöllkraut – oder Kamillenblütenextrakt. Abgesehen von möglichen allergischen Reaktionen ist die Verträglichkeit gut.

Cannabinoide (derzeit Gegenstand zahlreicher Studien)

Scopolamin (als transdermales therapeutisches System in Deutschland zugelassen, verschreibungspflichtig)

Vitamin C prophylaktisch bei Seekrankheit

2.3 Rx-Präparate

Wird mit rezeptfreien Präparaten nicht das Auslangen gefunden, so stehen Antiemetika wie Metoclopramid (Dopaminrezeptorantagonist), Odansetron (Serotoninrezeptorantagonist), Aprepitant (NK1- Rezeptorantagonist), Dexamethason oder Lorazepam verschreibungspflichtig zur Verfügung. Bei Chemotherapie-induziertem Erbrechen ist der Einsatz verschreibungspflichtiger Antiemetika vorgesehen, hierfür existieren spezielle Therapieschemata. Zusätzlich zur antiemetischen Therapie sollen die Flüssigkeitsund Elektrolytverluste ausgeglichen werden.

Bei Reisekrankheit:

  • Vor der Fahrt nur Leichtes essen
  • Kaugummi kauen
  • Im Mittelpunkt des Fahrzeuges/Bootes sitzen und den Horizont fixieren
  • Ausreichend Frischluft

 

 

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