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Retschitzegger: Fußball- und Medizinteams

Natürlich dreht sich aktuell alles um Fußball. Um den Teamsport Fußball. Und was ist mit dem Team der medizinischen Behandlung und Betreuung? Gibt es ausreichend Fairplay? Viele gut ausgebildete Expertinnen und Experten bewältigen die Herausforderungen in der PatientInnenbetreuung gemeinsam, sprechen sich ab, helfen sich gegenseitig aus und spielen zusammen. Gut so! Aber wie im Fußball erlebt man auch im medizinischen System manchmal Fouls. Kämpfe in den eigenen Reihen: Krankenhaus gegen den niedergelassenen Bereich, oder Chirurgie gegen Anästhesie vielleicht, oder Onkologie gegen Palliativmedizin. Und sogar: Fouls im eigenen Team! Die Kompetenz von MitspielerInnen anderer Disziplinen im eigenen Team wird gering geschätzt. Erst kürzlich hörte ich einen leitenden Arzt über die Berufsgruppe der Pflegenden: „Wir Ärzte – und die Gruppe der Zureichberufe ...“ Wie gut kann ein Team sein, das die MitspielerInnen auf das „Zureichen“ reduziert?

Das „betreuende Team“ soll keine Floskel sein, sondern ein wirksames und tatkräftiges Miteinander von Vielen. Und jede Einzelne wird in ihrer Kompetenz und ihren besonderen Qualitäten gesehen – dann wird es gut funktionieren. Ja, oftmals haben ÄrztInnen die Kapitänsschleife am Arm – aber die gilt es je nach Fragestellung, Herausforderung und aktueller Kompetenz auch manchmal abzugeben, an andere MitspielerInnen – auch wenn diese eine andere hochqualifizierte Ausbildung haben.

„Man will uns Ärzte entmachten“ – man beachte: entmachten! – war kürzlich als Überschrift zu einem Ärzteinterview zu lesen. Wer hat die Macht im Fußball? Funktioniert das Team aufgrund von Macht oder aufgrund der Qualität der Teamarbeit? Natürlich ist oft ungeklärt, wer der Schiedsrichter ist – vor allem in den eigenen Reihen. Aber wir könnten uns doch an diesem Sport orientieren, in dem sich alles um den Ball dreht und das beste Team gewinnt. Viele sind aktiv dabei, viele sehen zu. Am Ende sollten immer die PatientInnen gewinnen. Auch wenn nicht immer Gesundheit möglich ist, so sollten sie doch spürbar von der guten Teamarbeit profitieren.

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Dr. Harald Retschitzegger

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