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Dr. Pichlbauer: Sinnvolle Primärversorgung

Wir haben aktuell vier völlig unterschiedlich tickende ambulante Versorgungsschienen, die vom Patienten primär aufgesucht werden können: Kassenärzte, Spitalsambulanzen, Wahlärzte und Ambulatorien. Keine dieser Schienen ist mit einer anderen abgestimmt, mehr noch, die quantitativ größte Schiene, die kassenärztliche, ist in sich durch 14 unterschiedliche Honorarkataloge heillos fragmentiert. Ob ein Patient wirklich dort versorgt wird, wo er primär hingeht, oder unnötig an eine andere Stelle, etwa zu anderen niedergelassenen Ärzten, Spitalsambulanzen oder in die stationäre Versorgung, überweisen wird, wissen wir dank völliger Intransparenz nicht. Aber alle wissen, dass diese Parallelstrukturen mit ihren unterschiedlichen Regeln und Anreizen zu Millionen und Abermillionen völlig unnötigen Kontakten mit dem Gesundheitswesen führen, die keinen Patientennutzen generieren, aber sehr viel kosten.

Und statt einer Reform dieser chaotischen Zustände kommen zwei weitere Versorgungsschienen dazu – ebenfalls wieder völlig autistisch aufgesetzt. Praktisch jedes Bundesland plant jetzt interdisziplinäre Erstversorgungsstrukturen, die endgültig die Notfallambulanzen ablösen und zu regulären, spitalseigenen Primärversorgungseinheiten werden. Und dann sind da natürlich die PHC. Auch hier schaut alles danach aus, als ob keinerlei Reform ansteht. Um sicherzustellen, dass es bleibt, wie es ist, fordert die Ärztekammer, dass es keinen Eingriff in Stellenpläne, in Einzel- und Gesamtverträge der Allgemeinmediziner oder Beschränkung des freien Zugangs zu anderen Versorgungsstufen (Fachärzte, Ambulatorien, Spitalsambulanzen) geben darf.

Was für einen Sinn hat eine Primärversorgung, wenn sie nicht von anderen Versorgungsstufen abgegrenzt wird? Und: Wie passt dieses Wunschkonzert mit den Aussagen des Kurien-Obmanns Dr. Harald Mayer zusammen, der die Politiker schimpft, nichts zu unternehmen, um Patientenströme sinnvoll zu lenken? Gar nichts passt da – es sei denn, man legt reines Machtstreben aller als Verhandlungskonstante aus – dann passt alles wunderbar.

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