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Miss Multitasking mit Plan B(estrahlung)

Erfolg ist, wenn ein maßgeschneiderter Bestrahlungsplan aufgeht, sagt Radioonkologin Ing. Dr. Birgit Flechl, PhD. Der krebs:hilfe! erklärt sie auch, warum gerade Mütter wie sie besondere Qualitäten entwickeln. (krebs:hilfe! 11/18) 

Flechl hat im September die Facharztprüfung für Strahlentherapie/Radioonkologie absolviert. Auch wenn sie derzeit im Wiener Kaiser-Franz-Josef-Spital arbeitet, handelt es sich bei ihrer Ausbildungsstelle um eine von MedAustron, denn dort wird die 39-jährige Ärztin in Zukunft tätig sein. „Das Schlüsselereignis, warum ich mich für die Strahlentherapie entschieden habe, war ein Vortrag der früheren ärztlichen Leiterin von MedAustron, Prof. Mayer, über das Projekt MedAustron. Da habe ich gewusst: Genau dort will ich hin. Radioonkologie verbindet Onkologie und Technik. Das ist wie maßgeschneidert für mich.“

Bürgermeister-Fonds für PhD

Eigentlich hat Flechl an einer HTL maturiert und war zunächst in Projektabwicklung und -management u.a. in internationalen Firmen tätig. Einer ihrer Chefs gab schließlich den Anstoß für eine Veränderung. „Du musst etwas anderes machen, du gehörst auf eine Uni.“ Die damals 23-Jährige hat daraufhin Medizin studiert, in Mindestzeit abgeschlossen und währenddessen zwei Kinder bekommen. Nach dem Studium sollte es in Richtung Onkologie gehen. „Und Wissenschaft wollte ich auch machen. Das Arbeiten mit statistischen Auswertungen und Tabellen habe ich in meinem früheren Beruf schon sehr genossen, daher entschied ich mich für das PhD-Studium für angewandte medizinische Wissenschaften“, erzählt Flechl.

Einen Betreuer zu finden – mit Kindern und vom Verdienst her relativ abhängig – sei allerdings nicht ganz einfach gewesen. „Zum Glück habe ich Prof. Marosi getroffen und sie meinte: Ja, das machen wir. Das war eine der besten Begegnungen.“ Finanziert wurde die Stelle durch Drittmittel, und zwar mit einem Stipendium aus dem Bürgermeister-Fonds der Stadt Wien. „Mit der Vorlage eines detaillierten Projektplanes inklusive genauer Kostenaufstellung konnte ich überzeugen.“ In den nächsten Jahren forschte Flechl zum Thema kognitive Veränderungen und Lebensqualität bei Patienten mit einem Glioblastom, woraus einige Publikationen entstanden.

Begegnungen, die prägen

Inzwischen ist Flechl Mutter von vier Söhnen und überzeugt, dass sich Medizin und Kinder gut unter einen Hut bringen lassen. Anderen empfiehlt sie, sich nicht abschrecken oder verdrießen zu lassen und die Fühler immer nach Möglichkeiten zur Weiterentwicklung auszustrecken. „Prägende Begegnungen sind sehr wichtig.“ So habe Dr. Carola Lütgendorf-Caucig, damals im Team der Young-ÖGRO, Flechl immer wieder auf ihrem Weg bestärkt. Auch heute, an der Abteilung für Radioonkologie von Prof. Annemarie Schratter-Sehn, hat Flechl ein motivierendes Umfeld vorgefunden. „Dass es bei mir ausgerechnet vier Frauen waren, die meinen Weg begleitet haben, ist sicher kein Zufall.“

Ob sie als Frau jemals Nachteile erfahren habe? „Prof. Marosi ist eine Person, die Frauen und insbesondere Mütter sehr fördert. Insofern habe ich persönlich keine Nachteile erfahren. Ich denke allerdings schon, dass Mütter leider immer wieder beweisen müssen, dass man trotz Kindern eine sehr gute Leistung bringen kann.“ Bei manchen Bemerkungen habe Flechl gespürt, dass nicht alle von ihrem Weg überzeugt waren. Eine Frage, die sie immer wieder zu hören bekam: „Haben Sie sich das wirklich überlegt?“ Wenn man Flechl zuhört, scheinen berufstätige Mütter nicht nur trotz, sondern gerade wegen der Kinder besonders leistungsfähig und stressresistent zu sein. „Multitasking ist etwas, das jemand, der ständig viel organisiert, ohnehin kann. Man muss planen, vorausschauend denken und einen Plan B entwickeln, den braucht man immer. Mit Mehrfachbelastungen und Stress kann man dadurch sicher besser umgehen als jemand, der nie so viel hin und her denken musste.“

Auch in der Lehre sei es von Vorteil, wenn man vom Umgang mit Kindern gewohnt ist, Dinge einfach und anschaulich zu erklären. So unterrichtet Flechl angehende Radiologietechnologen an der FH Wr. Neustadt in Turmorpathologie und hält Kurse an der dortigen Summer School. Ein weiterer Beweis für ihr Multitasking-Talent ist Flechls Engagement im Vorstand der Young-ÖGRO. Hier organisiert sie mit dem Young-ÖGRO-Team Fortbildungen für Assistenzärzte und setzt sich für die Vernetzung junger Strahlentherapeuten ein – untereinander, aber auch mit anderen Fachgesellschaften wie der jDEGRO.

Bester Bestrahlungsplan

Das Spannende an der Strahlentherapie ist für Flechl, für jeden Patienten einen eigenen Bestrahlungsplan zu entwickeln, entsprechend der individuellen Anatomie und Anforderungen, der Lokalisation des Tumors und dem umgebenden Gewebe. „Wenn dann aufgeht, was man sich überlegt hat, ist das sehr motivierend. Mitzuerleben, wie es dem Patienten besser geht, ist etwas, wo man sich selbst mitfreuen kann.“

Weitere Vorschläge für Kandidaten dieser Serie richten Sie bitte an krebshilfe@medizin-medien.at

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