Home / Sonstiges / Ein großer Fortschritt in der Migräneprophylaxe

Ein großer Fortschritt in der Migräneprophylaxe

Weltweit liegt Migräne bei Unter-50-Jährigen auf Platz 3 der häufigsten krankheitsbedingten Belastungen. Durch die neuen CGRP-Hemmer soll es künftig Medikamente geben, die Migräne-Attacken wirksam vorbeugen können.

Lampl Kopfschmerz Migräne
Prim. Univ.-Prof. Dr. Christian Lampl
Krankenhaus der
Barmherzigen Schwestern in Linz

Unter den krankheitsbedingten Belastungen weltweit liegt Migräne bei über 300 Erkrankungen auf Platz 6, bei den Unter-50-Jährigen sogar auf Platz 3. Ein neuer Therapieansatz verspricht jetzt, Migräneattacken wirksam vorzubeugen, berichtet die Österreichische Schmerzgesellschaft aus Anlass der ÖSG-Schmerzwochen. Es handelt sich dabei um Antikörper, die sich gegen CGRP (calcitonin gene-related peptide) richten. Diesen Entzündungsbotenstoff schütten die Synapsen des Trigeminusnervs bei einer Migräne-Attacke vermehrt aus. Er wirkt direkt auf die Hirnhaut und deren Gefäße, die sich erweitern und entzünden, und löst somit die Kopfschmerzen aus. Gleich mehrere neue Präparate mit diesem neuen therapeutischen Ansatz sollen schon bald auf den Markt kommen, und zwar Erenumab, Fremanezumab, Galcanezumab und Eptinezumab. Sie befinden sich derzeit in verschiedenen Phasen der Entwicklung und Registrierung, und es liegen immer mehr Studiendaten vor, die eine Wirksamkeit bestätigen.

Zwei Migränetage weniger pro Monat

So wurde etwa Erenumab in einer aktuellen Studie an 955 Patienten mit episodischer Migräne im Vergleich zu Placebo getestet. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer litten vor Studienbeginn im Durchschnitt an 8,3 Tagen im Monat an Migräneattacken. Durch eine monatliche Injektion von 70 mg Erenumab kam es zu einem Rückgang von 3,2 Tagen, bei doppelter Dosis zu einem Rückgang von 3,7 Tagen. Bei niedriger Dosierung konnten 43,3 Prozent und bei höherer Dosierung 50 Prozent der Patienten die monatlichen Migränetage halbieren.

Gut verträglich, weniger Akutmedikation

„Aktuelle Daten zeigen, dass mit dem neuen Therapie-Ansatz die Anfallsfrequenz von Migränepatienten senken kann. Ein Vorteil der neuen Medikamente ist, dass sie sehr gut verträglich sind“, sagt Univ.-Prof. Prim. Dr. Christian Lampl, Vorstandsmitglied der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG) und Ärztlicher Leiter des Ordensklinikums Linz. „Die Behandlung mit den neuen Substanzen führt außerdem dazu, dass die Patientinnen und Patienten weniger Akutmedikamenten bei Migräneattacken einnehmen müssen“, so Prim. Lampl.

Bislang standen für die präventive Therapie von Migräne ein Antiepileptikum (Topiramat), ein Herzmedikament (Propranolol) oder ein Antidepressivum (Amitriptylin) zur Verfügung. Diese Medikamente werden allerdings aufgrund ihrer Nebenwirkungen von vielen Migränepatienten abgelehnt oder nicht regelmäßig eingenommen. Ob die neuen CGRP-Antikörper-Medikamente eine wirksamere Migräne-Prophylaxe bieten als die etablierten Wirkstoffe, muss noch mit Vergleichsstudien erforscht werden.

CGRP-Antikörper: Fortschritt in der Prophylaxe

Zur Langzeitverwendung der CGRP-Antikörper-Medikamente liegen noch keine Daten vor. Auch hier müssen weitere Studien ermitteln, wie lange diese Therapie durchgeführt werden soll und ob sich mit der Zeit die Wirkung verbessert oder verschlechtert. „Man darf sich von der neuen Therapie keine langfristige Immunisierung oder gar eine Heilung von Migräne erwarten. Die Behandlung muss monatlich wiederholt werden und ist vor allem für Patientinnen und Patienten gedacht, die von vielen Migräne-Attacken geplagt werden und bei denen etablierte Therapien keinen Erfolg zeigen“, erklärt Prim. Lampl. „Als speziell für die Prophylaxe entwickelte Behandlung ist die neue Therapieform aber ein großer Schritt vorwärts. Jede Migräne-Attacke, die wir verhindern können, bedeutet mehr Lebensqualität für die Betroffenen“.

Bis die neuen Medikamente den Migräne-Patientinnen und Patienten zur Verfügung stehen, muss nach der Zulassung allerdings noch die Finanzierung durch die Krankenkassen geklärt werden. „Die neue Therapie ist mit erheblichen Kosten verbunden. Hier wird mit den Sozialversicherungsträgern eine Regelung im Interesse der Betroffenen zu finden sein“, so Prof. Lampl.

Referenzen:
Goadsby PJ et al. A Controlled Trial of Erenumab for Episodic Migraine. N Engl J Med. 2017 Nov 30; 377(22):2123-2132. doi:10.1056/NEJMoa1705848
Silberstein SD et al. Fremanezumab for the Preventive Treatment of Chronic Migraine. N Engl J Med 2017; 377:2113-2122 November 30, 2017. doi:10.1056/NEJMoa1709038

Quelle: PA anlässlich der 17. Österreichischen Schmerzwochen der ÖSG

Zum EHF Infocenter

Zum Infocenter Schmerz

Jetzt für unsere Newsletter anmelden!

In unseren Newslettern informieren wir Sie regelmäßig über Neuigkeiten aus der Welt der Medizin, neue Fortbildungen und fachspezifische Inhalte.

LOGIN

Login

Passwort vergessen?