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Ureaplasma schädigt Atemwege von Neugeborenen

Ureaplasmen, zellwandlose, ungewöhnlich kleine Bakterien können den Geburtskanal besiedeln und zu Atemwegserkrankungen bei frühgeborenen Babys führen. Im Rahmen des ERS 2018 präsentierte Daten zeigen nun, dass Ureaplasma nicht nur mit akuter Morbidität und Mortalität verbunden ist, sondern die Lunge auch nachhaltig schädigt und zu bronchopulmonaler Dysplasie (BPD) führen kann. Darüber hinaus äußerten die Autoren den Verdacht, dass das Bakterium auch Frühgeburten auslösen kann.

Doch es gibt auch eine gute Nachricht: In einer placebokontrollierten Studie konnte gezeigt werden, dass die Infektion gut auf Azithromycin anspricht und die Therapie von den Frühchen gut vertragen wird. Im Rahmen der Studie erhielten 121 zwischen der 24. und 28. Gestationswoche geborene Kinder über drei Tage AZM 20 mg/kg IV oder Placebo. Vor und nach der Behandlung wurde Ureaplasma in Trachea und Nasopharyngealraum der Kinder mittels Kultur und PCR nachgewiesen. Die jungen Patienten wurden über ein Jahr nachverfolgt. Die Studie zeigte einerseits eine Assoziation von Ureaplasma in der Trachea, nicht jedoch in der Nase, mit höherer Mortalität und Auftreten von BPD. Bei Kindern mit positivem Trachealbefund kam es nach Behandlung mit Azithromycin seltener zu Tod oder schwerer pulmonaler Morbidität ([3/9 (33%)] vs. [6/7(86%)])(p=0.036).

Schaden durch chronische Inflammation

Dazu Studienautorin Prof. Dr. Rose Marie Viscardi MD von der University of Maryland School of Medicine in Baltimore: „Wir hatten bereits Hinweise auf Zusammenhänge zwischen Infektion mit Ureaplasma, Frühgeburt und bronchopulmonaler Dysplasie. Wir glauben, dass Ureaplasma mit dem Immunsystem der Mutter und jenem des Kindes interagiert und zu einer chronischen Infektion mit persistierender Inflammation führt. Dadurch können einerseits Wehen oder ein Blasensprung ausgelöst werden und andererseits wird die Lunge des Kindes befallen und geschädigt. Betroffene Kinder können lebenslange Probleme mit den Atemwegen wie zum Beispiel Asthma entwickeln. Es kommt vor, dass sie zuhause Sauerstoff benötigen und Medikamente erhalten müssen. Mit höherer Wahrscheinlichkeit werden sie wieder im Krankenhaus aufgenommen. Ich beschäftige mich seit 20 Jahren mit Ureaplasma und die entscheidenden Fragen sind die, ob das Bakterium bei Neu- und vor allem Frühgeborenen zu Komplikationen führt und ob die Kinder von der Elimination von Ureaplasma profitieren.“ Die nun verfügbaren Daten legen dies nahe, wenngleich die Autoren auf die geringe Patientenzahl hinweisen. Viscardi unterstreicht auch die Häufigkeit von Ureaplasma-Infekten bei frühgeborenen Kindern, zumal in ihrer Studie mehr als 30 Prozent der zufällig ausgewählten Studienpopulation positiv auf das Bakterium testeten. Geplant sind nun ein längeres Follow Up der Patienten aus der vorliegenden Studie, sowie eine größere klinische Studie zum Antibiotika-Einsatz bei Infektion mit Ureaplasma.

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