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Schutzausrüstung gegen Coronavirus

Schutzmasken im Anflug

In einigen Bundesländern war und ist betreffend Schutzausrüstung für Ärzte und Gesundheitspersonal viel Improvisationstalent gefragt – vor allem auch im extramuralen Bereich. Viele richteten nicht nur Appelle an die Obrigkeit, sondern sammelten Material auf eigene Faust bei Lackierern, Malern, Tischlern oder Friseuren wie in Tirol und Niederösterreich. Auch in Oberösterreich warten immer mehr auf die vom Bund via Rotes Kreuz zentral bestellte Schutzausrüstung im Einsatz gegen das Coronavirus. Spätestens bis Montag, 30.03.2020, soll sie landen, sagt Bundesrettungskommandant Gerry Foitik.

Bundesrettungskommandant des ÖRK Mag. Gerry Foitik

Die Soforthilfe kam dann doch rasch: Nach einem händeringenden Appell von 200 niedergelassenen Ärzten in Niederösterreich stellte die NÖ Ärztekammer mit Unterstützung der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) 6.400 Schutzmasken zur Verfügung – im Schnitt fünf Masken pro Praxis. Diese seien schnell verbraucht worden, schildert ein betroffener Arzt auf Nachfrage von medonline. Daraufhin wussten sich viele Mediziner selbst zu helfen und organisierten für sich und ihr Praxispersonal etwa von Malereibetrieben oder Feuerwehren Schutzmasken, die sie täglich sterilisieren, um die Zeit bis zur großen Lieferung zu überbrücken. Niederösterreich ist das dritte Bundesland (nach Tirol und Oberösterreich) mit je mehr als 1.000 bestätigten Covid-19-Fällen.

Notärzte und Sanitäter in Tirol mit Schutzmasken unterwegs

Auch in Tirol, dem am stärksten betroffenen Bundesland mit 1.751 Fällen (Stand 27.03.2020, 13 Uhr, amtliches Dashboard zu Covid-19), wurde fleißig von Hausärzten gesammelt: Bei Lackierern, Malern, Reinigungsfirmen, Tischlern, Bäckern, Fiseuren etc. – die Tiroler Gesellschaft für Allgemeinmedizin (TGAM) startete einen entsprechenden Aufruf als „Überbrückungsaktion“. Dann ein erstes Aufatmen, zwei AUA-Maschinen landeten am Montag, den 23.03.2020, in Wien-Schwechat mit 130 Tonnen Schutzausrüstung für Tirol und Südtirol. Eine zweite Tranche soll dann am kommenden Montag landen. Seit dem vergangenen Wochenende (21.03.2020) sind auch alle Sanitäter und Notärzte des Rettungsdienstes Tirol mit Schutzmasken unterwegs.

Dutzende Arztpraxen in Oberösterreich geschlossen

In Oberösterreich, das mit 1.207 Fällen nach Tirol die zweithöchsten Fallzahlen in Österreich (7.317 Fälle) aufweist, wartet man ebenfalls händeringend auf Nachschub. Dazu kommt, dass bis zum Montagabend dieser Woche bereits 27 Arztpraxen schließen mussten – wegen Corona-Erkrankungen oder Quarantänemaßnahmen. Auch zwei Ärzte des Hausärztlichen Notdiensts wurden im Bezirk Rohrbach behördlich aus dem Dienstrad abgezogen. Der Ruf von Ärzten, Pflegekräften und Vertretern anderer Gesundheitsberufe nach flächendeckender Schutzausrüstung für medizinisches Personal mit Patientenkontakt wird immer lauter.

Die medizinischen Interessensvertretungen wie Ärztekammer, Zahnärztekammer und Apothekerkammer würden eng mit dem Krisenstab des Landes OÖ zusammenarbeiten, informierte das Land OÖ in einer Presseaussendung am Mittwoch. Im Mittelpunkt stehe die Verteilung der Schutzausrüstung, insbesondere der Masken. In Zusammenarbeit mit den Interessensvertretungen seien die niedergelassenen Ärzte und die Alten- und Pflegeheime mit der Grundausstattung der Schutzausrüstung versorgt worden, hieß es auf Nachfrage von medonline, ob auch niedergelassene Ärzte, Pflegepersonal, mobile Dienste, Sanitäter, etc. ausreichend mit Schutzmasken ausgerüstet seien.

23 Millionen Atemschutzmasken bestellt

Die Zahlen der zentralen Beschaffungsorganisation sind riesig: Um 116 Millionen Euro hat das Österreichische Rote Kreuz (ÖRK) für die Republik und auch für die öffentlichen Spitäler Schutzmasken, Overalls und Beatmungsgeräte bestellt, wie es in einem wien.orf.at-Bericht (24.03.2020) heißt. Die ersten Lieferungen mit vorerst fünf Millionen Schutzmasken seien am Samstag, 27.03.2020, geplant. Insgesamt seien die auch bei den Bundesländern und den Einsatzorganisationen ermittelten und vorläufig schon bestellten Mengen enorm: Es handle sich um 72 Millionen Untersuchungshandschuhe, 30 Millionen OP-Masken, 23 Millionen Atemschutzmasken, 200 Beatmungsgeräte, informierte ÖRK-Beschaffungs- und Logistik-Leiter Jürgen Kunert in dem Bericht.

„Zuversichtlich, dass Nachschub kommt“

Bundesrettungskommandant Gerry Foitik zeigt sich gegenüber medonline übrigens zuversichtlich, dass die Bestellungen rechtzeitig kommen. Auf die Frage, ob ein bundesweiter Appell an die Bevölkerung, Baumärkte, Malereibetriebe, Lackierer, etc. nach dem Vorbild in Tirol und Niederösterreich eine Lösung wäre, um genügend Schutzmasken zu sammeln und diese direkt zu den Rettungsorganisationen, Pflegeheimen, Stützpunkten mobiler Dienste zu bringen, versichert er: „Ja, wenn die Beschaffung, die jetzt organisiert ist – die Lieferung ist für spätestens Montag avisiert – aus irgendeinem Grund nicht klappen sollte, dann wäre das die Ultima Ratio.“

Natürlich sei auch daran gedacht worden, dass alle Sanitäter mit Patientenkontakt Schutzausrüstung bekommen, versichert Foitik, angesprochen auf seine eigenen Mitarbeiter: „Im Rettungsdienst sind wir schon seit einigen Tagen bei allen Einsätzen mit Schutzausrüstung unterwegs. Das erhöht natürlich den Verbrauch und reduziert die Reichweite der vorhandenen Masken, wir sind aber zuversichtlich, dass Nachschub kommt. Der wesentliche Schutz aber ist, dass an einer Infektion erkrankte Menschen – unsere Patienten – eine OP-Maske oder Sauerstoffmaske oder höherwertigen Schutz tragen. Auch das setzen wir möglichst flächendeckend um.“

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