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Respekt für die Leistung der Apotheker

Nach der ersten Phase soll nun die Medizin langsam wieder in Richtung Normalbetrieb „hochfahren“. Für die Apotheken war schon bisher Hochbetrieb – den sie laut ihren obersten Vertretern hervorragend gemeistert haben. (Pharmaceutical Tribune 04-05/2020)

Die Apotheken halten die Arzneimittelversorgung aufrecht.

Nach den ersten Lockerungen des vierwöchigen Lockdowns Mitte April fahren nun auch sukzessive Spitäler, Praxen, Reha & Co in Richtung Regelbetrieb hoch, samt Standby mit strategischer Reserve für eine mögliche zweite COVID- 19-Welle. Allein in den Wiener Spitälern ist eine Warteliste mit 2.000 verschobenen nicht dringenden Operationen abzuarbeiten, ähnlich die Situation in anderen Bundesländern. Der Lockdown hat aber auch bewirkt, dass allein im März die Ausgaben der sozialen Krankenversicherung für Heilmittel um rund ein Viertel von 236 Mio. auf 295 Mio. Euro gestiegen sei, wie die APA Anfang Mai aus den Sozialversicherungen erfahren hat. Demnach hatten die Österreicher nicht nur Unmengen an Klopapier auf Vorrat gekauft, sondern auch Medikamente. Hier offenbar die teureren, da die Einlösung von Rezepten in öffentlichen Apotheken auf Kosten der Kassen nur um 5,5 Prozent gestiegen sei. Pharmaceutical Tribune fragte bei den obersten Standesvertretern nach, was sich nun durch das Hochfahren der Medizin verändert und wie die letzten Wochen waren.

„Fels in Brandung“

Den „sprichwörtlichen großen Blumenstrauß“ verteilt die Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer (ÖAK), Mag. Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr, zunächst an die „österreichische Bevölkerung für ihr Verständnis und ihre Kooperationsbereitschaft angesichts der Sicherheitsmaßnahmen“. Auf die rückläufigen Corona-Infektionszahlen „können wir alle stolz sein“, spricht Mursch-Edlmayr ein „herzliches Dankeschön“ auch an ihre Kollegen aus: „Ihnen gebührt mein tiefster Respekt für ihren aufopfernden Einsatz.“ Apotheker würden ein tragfähiges, solides, belastbares Fundament auch in extremen Krisensituationen zeigen. „Bei völliger Verunsicherung der Menschen sind sie ein rettender Fels in der Brandung“, veranschaulicht die ÖAK-Präsidentin, „flächendeckend stehen sie in der ersten Reihe und übernehmen die volle Verantwortung für die Versorgung der Menschen.“ Ausruhen dürfe man sich aber nicht, „eine zweite Welle ist möglich“, appelliert sie an Transparenz, Hausverstand, Eigenverantwortung und Selbstbestimmung.

„Eckpfeiler des Systems“

Ein „großes Dankeschön“ auszusprechen liegt auch Mag. Jürgen Rehak, Präsident des Österreichischen Apothekerverbandes, am Herzen. Die Kollegen hätten in den letzten Wochen „hervorragende Arbeit“ geleistet und „der Bevölkerung gebührt ein Dank für ihr Verständnis und ihre Disziplin“. Die Apotheken hätten in den ersten Wochen der Corona-Krise gezeigt, dass sie „ein unverzichtbarer Eckpfeiler unseres Gesundheitssystems“ seien: „Auch in dieser schwierigen Phase waren die Apotheken für die Menschen da und haben sich nicht weggeduckt, als es kritisch wurde.“ „Von heute auf morgen“ sei es gelungen, Maßnahmen für einen ungestörten Betrieb umzusetzen, wie etwa Plexiglaswände oder Zweiteilung der Teams. Damit ist laut Rehak auch die Basis für die kommende Zeit gelegt. Falls der Rückgang der Infektionszahlen nicht nachhaltig sei, „sind wir gut aufgestellt“, versichert Rehak, allerdings: „Was uns helfen würde, wären Erleichterungen durch den Gesetzgeber, etwa beim Thema Arzneimittelzustellung oder bei der Eröffnung von Filialapotheken.“

Schutzmaßnahmen

Zuversichtlich zeigt sich auch Mursch-Edlmayr. Die Apotheker hätten die „Kompetenz und die Routine“, um sich kommenden Herausforderungen beim Hochfahren des Gesellschaftslebens, der Wirtschaft und der Medizin sowie einer möglichen zweiten Infektionswelle zu stellen. Konkret basiere das bisher „exzellent“ funktionierende Corona- Krisenmanagement der Apotheken auf Schutzmaßnahmen für Kunden und Apothekenpersonal: Plexiglasscheiben, Desinfektionen an der Tara, Sicherheitsabstände von mindestens einem Meter, begrenzte Anzahl von Personen, Bildung von Mitarbeiter-Zweierteams ohne Kontakt zueinander sowie Maskenpflicht für Kunden. Rehak erwartet sich ebenfalls keine großen Veränderungen für die Apotheken durch das Hochfahren der Medizin.

Viele Patienten hätten sich mit Dauerverschreibungen eingedeckt, das öffentliche Leben werde weiterhin eingeschränkt bleiben, „wenn auch nicht mehr so krass – es wird ein langsamer Prozess der Erholung sein“. Dennoch blieben „Unwägbarkeiten“ wie eine mögliche zweite Infektionswelle oder die wirtschaftliche Dimension: „Auch wenn wir Anfang März einen kurzen Ansturm auf unsere Betriebe hatten, so haben auch wir massiv unter den Ausgangssperren gelitten und teils enorme Umsatzrückgänge hinnehmen müssen“, betont Rehak, „wann wir diese wieder aufholen können, ist noch völlig unklar.“

Lieferengpässe

Was die Apotheker laut Rehak „schon länger“ beschäftigt: die Situation mit den Lieferengpässen. Dass diese (noch) kaum bei den Patienten ankämen, liege an der Arbeit der Apotheken: „Mit großen Einsatz sorgen sie für individuelle Lösungen, wenn ein Medikament einmal nicht vorrätig ist.“ Das könne aber keine dauerhafte Strategie sein, weshalb der Apothekerverband darauf dränge, wieder „mehr Herstellungsbetriebe auf unserem Kontinent“ anzusiedeln und die Produktionskapazitäten „spürbar“ auszubauen.

Dafür setzt sich auch die ÖAK-Chefin ein: „Von Kammerseite werden wir auf nationaler und auf europäischer Ebene weiterhin an alle Verantwortlichen mit der Forderung herantreten, adäquate Regularien und Anreize zu schaffen, dass Forschung, Produktion und Lagerung von Wirkstoffen, Arzneimitteln und Medizinprodukten wieder auf die europäische Ebene verlagert werden.“ Der Umgang mit dem Problem der Lieferengpässe erfordere „Kosten sowie viel Kraft und Zeit“. Zwar wurden bis jetzt laut Mursch-Edlmayr keine zusätzlichen Lieferengpässe in Zusammenhang mit der Pandemie gemeldet und der Großhandel beliefert die Apotheken regelmäßig – bis zu mehrmals täglich. Dennoch zeige die Corona-Krise: „Global vernetzt – global verwundbar.“

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