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Österreichische Gesundheitskasse

ÖGK: Der Geschmack der neuen Farben

Rot ist nicht mehr Trumpf in der neuen Gesundheitskasse ÖGK.

Die Fusion der neun Gebietskrankenkassen zur ÖGK bringt der ÖVP und FPÖ enormen Einfluss. Das zeigt die Bestellung des Managements. Der alte Hauptverband gratulierte nur teilweise, die Ärztekammer gar nicht. (Medical Tribune 25–26/19) 

Der neue Generaldirektor der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) heißt Bernhard Wurzer, Stellvertreter sind Alexander Hagenauer, Georg Sima und Dr. Rainer Thomas. Einer der neuen Manager, die ab 1. Juli das Zusammenführen der GKKs zur ÖGK mit 7,2 Millionen Versicherten und 12.000 Mitarbeitern verantworten, ist umstritten. Ganz nach dem Geschmack des Hauptverbandes (HV) waren jene Manager, die direkt von dort kommen: Wurzer (VP-nahe) und Hagenauer (SP-nahe) waren bisher stv. Generaldirektoren, Thomas (VP-nahe) war Direktor und Leiter der Grundsatzabteilung.

Direkt aus „Kaderschmiede“

„Der Hauptverband war immer schon eine Kaderschmiede“, freuten sich die HV-Chefs Dr. Alexander Biach und Dr. Josef Probst über die Bestellung der drei. Sima gratulierten sie nicht. Auch die fünf roten Arbeitnehmer-Vertreter im zwölfköpfigen Überleitungsausschuss der ÖGK wollten ihn partout nicht als Manager bestellen. Der Kärntner sei mit einem „freiheitlichen Ticket“ zum Zug gekommen und nicht wegen seiner beruflichen Qualifikation, deutet Andreas Huss, stv. Vorsitzender des Überleitungsausschusses und Ex-SGKK-Obmann, im MT-Gespräch Postenschacher an. Es reiche „aus unserer Sicht“ nicht, so wie Sima nur stv. Leiter des KGKK-Referats „Eigene Einrichtungen und Gesundheitsdienst“ zu sein, zumal sich drei besser Qualifizierte, darunter GKK-Direktoren bzw. zwei Frauen, beworben hätten.

Mit dem FP-Ticket meine er Matthias Krenn, der Sima „vorgeschlagen“ habe. Krenn ist Bürgermeister von Bad Kleinkirchheim in Kärnten, Vize der Wirtschaftskammer Österreich, Bundesobmann der Freiheitlichen Wirtschaft, Überleitungsausschuss-Chef und seit April 2019 erster ÖGK-Obmann. Die Personalberater haben sich laut Huss zwar ins Zeug für Sima gelegt, konnten jedoch die fünf roten Gewerkschafter (FSG) nicht überzeugen. Daher wollten diese nicht „en bloc“, sondern einzeln abstimmen. Doch das habe Krenn untersagt, weshalb sich alle fünf der Stimme enthielten – aber protokollierten, dass sie für die drei anderen Manager schon gestimmt hätten.

„Kenne und schätze Krenn“

Medien, die von den so unterdrückten Gegenstimmen berichtet hatten, warf Krenn daraufhin „Fakenews“ vor. Er blieb dabei: Das von externen Personalberatern („Bestbieter“ Odgers Berndtson) vorgeschlagene Personalpaket wurde „einstimmig“ angenommen. Sima selbst möchte dazu, dass Huss & Co ihm den Job offenbar nicht zutrauen, auf MT-Anfrage keine Stellungnahme abgeben. Der studierte Betriebswirt startete in der Bauwirtschaft, war dann beim Austria Wirtschaftsservice tätig und stieg später in den elterlichen Betrieb Natcon ein, spezialisiert u.a. auf Kunstfelsenbau. Sieben Jahre war er auf internationalen Baustellen „in leitender Position“ tätig.

Von dort rührt auch sein sogenannter Vulgarname „Fels“ im gemeinnützigen Verein „Bauerngman Villach“, dem er 2010 beitrat. Ab 2013 wechselte er in die KGKK. Derzeit schließt er seine Master Thesis zu „Change Management“ im SV-Bereich ab (MBA Digital Transformation and Change Management), sagte Sima zu seiner Bewerbung. Ihm gehe es darum, „den Veränderungsprozess so zu begleiten, dass eine positive Auswirkung für die Versicherten und Patienten spürbar ist“. Politiker sei er keiner, Mitglied des Wirtschaftsbundes schon. Und ja, Krenn kenne und schätze er persönlich, „Kärnten ist klein“.

Es werde „drübergefahren“

Huss indes ist sich der Übermacht der schwarz-türkis-blauen Farben in der ÖGK wohl bewusst: Die „Grenzen der Diskussion“ seien die „Parteigrenzen“, die Wirtschaftskammer habe die „Kultur der Sozialpartnerschaft“ verlassen, es werde „drübergefahren“. Im Gegensatz zur Industrie und Apothekerkammer gratulierte die Ärztekammer (ÖÄK) nicht. „Wir bräuchten dringend die Patientenmilliarde“, stattdessen drohe eine Kostensteigerung, sagt Niedergelassenen-Chef und ÖÄK-Vize Dr. Johannes Steinhart. Denn der neue Dachverband komme mit dem um ein Drittel reduzierten Personal – 243 statt 356 Mitarbeiter – nicht aus, verweist er auf einen entsprechenden ORF-Bericht. Demnach wandern die 113 per Gesetz für die ÖGK vom HV abgezogenen Mitarbeiter per Leihvertrag retour, die ÖGK geht auf Mitarbeitersuche.

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