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Billion Dollar Babies haben Hunger

Der globale Pharmamarkt hat die Marke von einer Billion Dollar übersprungen. Das Wachstum geht weiter, obgleich es sich verlangsamt hat. Die 20 größten Player bringen es auf einen Marktanteil von 43 Prozent. (Medical Tribune 06/18) 

Monopoly im Pharmasektor: Wer nützt seine Chancen und baut das größte Imperium auf?
Monopoly im Pharmasektor: Wer nützt seine Chancen und baut das größte Imperium auf?

Big is beautiful: Das gilt vor allem auch in der Pharmaindustrie. Umgerechnet 255 Milliarden Euro wurden in den vergangenen zwölf Monaten für Übernahmen und Zusammenschlüsse in der Pharmaindustrie ausgegeben – so zumindest die Statistik der internationalen Finanzagentur Bloomberg. Erst kurz vor Weihnachten wurde der jüngste Deal bekanntgegeben. Stolze 1,43 Milliarden Euro will der Schweizer Pharmariese Roche für das auf Krebserkrankungen spezialisierte US-Pharmaunternehmen Ignyta hinlegen. Gekauft wird vor allem die Hoffnung auf künftige Erlöse, denn das US-Unternehmen hat bislang noch keine nennenswerten Umsätze erzielt und wies im letzten abgeschlossenen Geschäftsjahr einen Verlust von umgerechnet rund 85 Millionen Euro auf. Allerdings hat Ignyta einige erfolgversprechende Produkte in der Pipeline, die für Roche so interessant sind, dass der Konzern seine Brieftasche weit öffnet. 1,4 Milliarden Euro sind kein Pappenstiel, gegenüber der bislang größten Fusion in der Geschichte der globalen Pharmaindustrie ist der Preis allerdings ein Klacks. In einer bis dahin beispiellosen Übernahmeschlacht angelte sich im Jahr 2000 der US-Konzern Pfizer, damals die Nummer 2 am US-Markt, den Konkurrenten Warner-Lambert. 90 Milliarden Dollar ließ Pfizer springen, um durch die Übernahme den US-Konkurrenten Merck & Co zu überflügeln und am amerikanischen Markt zur Nummer 1 zu werden. Weltweit betrachtet stieg Pfizer mit der Übernahme von Warner-Lambert zur Nummer 2 auf, der damalige Weltmarktführer hieß GlaxoSmithKline, der erst kurz zuvor aus einem 76 Milliarden Dollar schweren Zusammenschluss der beiden britischen Riesen Glaxo Wellcome und SmithKline Beecham entstanden war.

Das große Fressen

Beide Fusionen sind übrigens bis heute in der Liste der 15 größten Firmenzusammenschlüsse aller Zeiten zu finden. Auch wenn die „Mergermania“, wie so manche Experten die Megafusionen in der Pharmaindustrie am Anfang des neuen Jahrtausends scherzhaft bezeichneten, in der Geschichte wohl einmalig bleiben wird, bleibt es in der Industrie weiter unruhig. Zusammenschlüsse und Übernahmen gehören bei den Großkonzernen zum täglich Brot. Hauptgrund für die „Übernahmewut“, die die Pharmariesen dieser Welt vorantreibt, sind die eingeschränkten Wachstumsaussichten beim Umsatz. Das meinen zumindest die Experten des internationalen Beratungsunternehmens EY – früher als Ernst & Young bekannt. In einer 2017 veröffentlichten Studie schreiben sie: „Die Kostenträger lassen weiter keine Preiserhöhungen bei älteren Produkten zu und bremsen auch die Wachstumsaussichten bei neu entwickelten Pharmazeutika.“ In der Studie konstatieren sie auch, dass im Jahr 2016 über 70 Prozent der Übernahmen von großen Pharmakonzernen durchgeführt wurden. Tatsächlich ist der weltweite Pharmamarkt, der laut dem Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (Deutschland) im Jahr 2016 ein Umsatzvolumen von 1.024,6 Milliarden Euro erreicht hat, zuletzt deutlich langsamer gewachsen. Zwischen 2007 und 2011 lag das durchschnittliche jährliche Wachstum des weltweiten Pharmamarktes bei 6,1 Prozent. Zwischen 2012 und 2016 ging die Wachstumsrate auf 4,5 Prozent zurück. Der weitaus größte nationale Markt sind die USA (umgerechnet 425,4 Milliarden Euro), gefolgt von China (108,2 Mrd.), Japan (82,2 Mrd.), Deutschland (rd. 41 Mrd. Euro) und Frankreich (30,7 Mrd.).

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