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BHB Linz: „Junge Assistenzärzte brauchen ein Back-up“

Angeklagte Ärztin wurde bereits nach einem Jahr Ausbildung in der Notfallambulanz eingeteilt. (Medical Tribune 50-52/18)

In der Causa der auf fahrlässige Tötung angeklagten Assistenzärztin der Barmherzigen Brüder Linz, die am 18.11.2016 eine vermeintliche und später an den Folgen einer Aneurysma- Ruptur verstorbene „Migräne“-Patientin aus der Notfallambulanz (mit Schwerpunkt Neurologie) entlassen hatte, gibt es drei neue wesentliche Informationen. Diese stammen von ihrer neuen Verteidigerin Dr. Karin Prutsch: „Meine Mandantin war ab Juli 2015 als Assistenzärztin in Ausbildung zur Fachärztin für Neurologie angestellt.“ Weiters: „Es war den Assistenzärzten erlaubt bzw. wurde erwartet, Patienten selbstständig zu behandeln und zu entlassen.“ Und drittens: „Eine Validierung vom Oberarzt ist nicht vorgesehen.“ Diese Erkenntnisse sind äußerst brisant. Denn der Prüfbericht der Sanitären Aufsicht der Stadt Linz vom Jänner 2017 hält fest: „Die Assistenzärztin hat die Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin im Jänner 2015 unterbrochen bzw. nicht beendet, um die Ausbildung zum Facharzt für Neurologie zu beginnen. Die Prüfung zum Arzt für Allgemeinmedizin wurde am 28.11.2016 erfolgreich absolviert.“ Damit ist der Prüfbericht zumindest in puncto Ausbildungsbeginn unrichtig. Auf Anfrage verweist das Land Oberösterreich auf das Magistrat Linz. Dieses hat noch nicht geantwortet.

„Keine kluge Struktur“

Problematisch ist zudem, dass Assistenzärzte Patienten selbstständig aus der Notfallambulanz entlassen können, ohne dass eine Validierung vorgesehen ist, wie das Spitäler anderer Träger vorschreiben. Die Assistenzärztin war, wie berichtet, von Juni 2016 bis Dezember 2016 auf der Notfallambulanz. Der Ambulanzbericht vom 18.11.2016 wurde nicht validiert. „Der bessere Weg ist sicher, dass es eine Draufsicht gibt“, sagt dazu Oberösterreichs Ärzte-Chef Dr. Peter Niedermoser der Medical Tribune. Doch das oberösterreichische Krankenanstaltengesetz liefere hier „keinerlei fixe Vorgaben“. Allerdings findet er ungewöhnlich klare Worte dazu, wenn Assistenzärzte bereits nach einem Jahr Ausbildung „ohne jegliches Back-up“ Patienten selbstständig entlassen können: „Das ist keine kluge Organisationsstruktur.“

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