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Takeda mischt die Pharmabranche auf

All you can eat Running Sushi oder Harakiri? Takeda schluckt Shire für 62 Milliarden Dollar. Damit steigen die Japaner in die Champions League der Pharmaindustrie auf, gehen aber ein hohes Risiko ein. Und das Übernahmekarussell nimmt Fahrt auf. Wer folgt als Nächstes? (Medical Tribune 21/18)

Fressen oder gefressen werden – in der Wirtschaft geht es martialisch zu. Größenverhältnisse und Rahmenbedingungen sind mitunter unterschiedlich.

Paukenschlag in der Pharmaindustrie: Nach langem Ringen hat sich der japanische Konzern Takeda mit dem irischen Arzneimittelhersteller Shire auf eine Übernahme geeinigt. Knapp 62 Milliarden US-Dollar (mehr als 50 Mrd. Euro) legen die Japaner auf den Tisch, womit der Deal die bislang größte Übernahme eines japanischen Unternehmens überhaupt im Ausland ist. Der Zusammenschluss wäre auch einer der bislang größten in der Pharmabranche. Takeda steigt damit zu den weltweit führenden Anbietern auf, rangiert fortan gemessen am Umsatz unter den Top 10 Pharma-Konzernen weltweit (siehe Grafik). Takeda-Chef Christophe Weber (der Franzose wurde 2015 der erste Vorstandschef des Konzerns, der nicht Japaner ist) hatte mehrmals nachbessern müssen, um die Zustimmung der Iren zu bekommen. Der Abschluss der Übernahme wird für das erste Halbjahr 2019 erwartet. Es entsteht ein führender Anbieter von Medikamenten zur Behandlung von seltenen Krankheiten, Krebs, Blutgerinnungsstörungen, Erkrankungen im Bereich der Neurologie sowie der Gastroenterologie.

Weber will das Unternehmen globaler aufstellen und seine Abhängigkeit vom japanischen Pharmamarkt verringern. Von dem Zukauf erhofft er sich mittelfristig jährliche Einsparungen von mindestens 1,4 Milliarden Dollar. Aber nicht alle Marktbeobachter sind begeistert, gerade an der Börse sehen viele den Vorstoß kritisch. Schließlich greift Weber für Shire tief in die Tasche. Das Transaktionsvolumen liegt weit über der Marktkapitalisierung von Takeda selbst. Der japanische Konzern wird an der Börse mit rund 34 Milliarden Dollar bewertet. Allein der Kredit, den die Japaner zur Finanzierung des Deals aufnehmen müssen, liegt bei 31 Milliarden Dollar. Noch nie hat sich ein japanisches Unternehmen für einen Zukauf derart hoch verschulden müssen. Dazu kommt, dass die Integration – wie immer bei derart großen Übernahmen – nicht einfach wird, schon allein aufgrund unterschiedlicher Kulturen. Mit anderen Worten: Das Risiko, dass Takeda eingeht, ist beträchtlich. Dass ein Konzern wie Takeda sich auf eine solche Transaktion einlässt, ist ein starker Indikator für den aufgestauten Fusionsdrang in der Branche.

Bankanalysten und Beratungshäuser hatten in ihren Jahresausblicken prognostiziert, dass die nächste Übernahmewelle im Pharmasektor kurz bevor steht. „Die Bühne für ein außerordentliches Jahr 2018 ist bereitet“, hieß es etwa in einer Studie von PwC. Auch bei EY erwartete man ein steigendes Volumen. Mehrere Faktoren sprechen dafür, dass der Takeda-Deal nicht der letzte große Pharma-Deal des Jahres war. Das Wachstum in der Branche ist trotz steigender Neuzulassungen von Arzneien relativ verhalten. Denn den Innovationen stehen zahlreiche Patentabläufe und ein wachsender Preisdruck auf dem US-Markt gegenüber. Etliche Großkonzerne kämpfen mit Stagnation und sind auf Zukäufe angewiesen, um zu wachsen. Dafür sind die meisten Unternehmen finanziell gut ausgestattet. Die aus Börsenwert und Verschuldungsfähigkeit abgeleitete „Feuerkraft“ der Branche – also die Mittel, die Unternehmen für Zukäufe mobilisieren können – ist laut EY bereits auf 1,34 Billionen Dollar weltweit angewachsen (Medical Tribune berichtete).

Multis wie Pfizer, Merck & Co oder Johnson & Johnson sitzen auf Cash-Reserven von um die 20 Milliarden Dollar und mehr. Und wer Kredite braucht, der findet immer noch niedrige Zinsen vor. Pfizer und Novartis werden nach dem geplanten Rückzug aus dem Consumer-Geschäft über nahezu schuldenfreie Bilanzen verfügen und werden auf der Käuferseite als Topkandidaten gehandelt. Pfizer sollte obendrein die Steuerreform von Präsident Trump in die Karten spielen, zumal diese die finanzielle Flexibilität der US-Konzerne stärkt. Als Übernahmekandidat gilt immer wieder Bristol-Myers Squibb (BMS), die mit den Krebsimmun-Medikamenten Yervoy ® und Opdivo® Erfolge feiert. Freilich hält sich die Anzahl potenzieller Käufer in Anbetracht einer Marktkapitalisierung von mehr als 80 Milliarden Dollar sehr in Grenzen. Angeblich ist das sogar Pfizer zu teuer. Ansonsten findet man potenzielle Targets vor allem im Biotech-Sektor: Namen wie Alexion, Incyte, Vertex oder Biomarin wurden auf einer von der USBank Citi rund um den Jahreswechsel erstellten Liste mit Übernahmekandidaten genannt. Auch der US-Biotech- Konzern Biogen wird zuweilen als Übernahmekandidat gehandelt, neben kleineren Firmen wie Alkermes, Puma Biotechnology oder Bluebird Bio.

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