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Dr. Stelzl: Meine Oma lässt grüßen

Ich habe meine Oma sehr lieb gehabt. Deshalb sollte es mich eigentlich nicht stören, dass ich ihr immer ähnlicher werde. Und damit meine ich jetzt nicht die X-Beine und die Krampfadern. Und auch nicht, dass meine Nase im Winter, wenn es kalt wird, ein sattes Violettrot bekommt. Oder ähnliche Äußerlichkeiten. Nein, ich meine, dass ich Oma im Verhalten immer ähnlicher werde. Wenn ich mit Pinserl und Fetzerl unter dem uralten Schreibtisch, den sie mir vererbt hat, herumkrieche, jeden geschnitzten Schnörkel einzeln bearbeite und mir dabei meinen Rücken verrenke, denke ich daran, wie ich früher mit ihr geschimpft hatte. Trotz Schmerzen und Bandscheibenvorfällen konnte sie es einfach nicht lassen, immer alles blitzblank zu putzen.

Also habe ich mich damit abgefunden, eines Tages so auszusehen wie Oma. Und auch damit, eines Tages so zwänglerisch ordnungsfanatisch zu sein wie sie. Die Tatsache, dass sie eine großartige Köchin war, hat sie mir leider nicht vererbt. Aber ansonsten entdecke ich immer mehr von ihr an mir und meinem Verhalten.

An ihr gestört hat mich, wenn sie darauf geschimpft hat, dass die Leute heutzutage keine Erziehung und keine Manieren hätten. Und über die „heutige Jugend“ zu mosern fand ich überhaupt letztklassig. Schließlich war ich damals Teil derselben. Und ich fand meinen Musikgeschmack natürlich absolut normal (ich hätte es ja verstanden bei meinem Bruder und seiner Vorliebe für „Heavy Metal“), fand, dass ich mich angemessen kleidete, und Manieren hatten wir sowieso erstklassige. Auch wenn Oma an ihnen durchaus immer wieder etwas auszusetzen fand.

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