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Dr. Pichlbauer: Dr. Rainer oder Quod licet Iovi

Gernot Rainer hatte gerade seine Intensiv-Ausbildung abgeschlossen, für die er, nach seiner Facharztausbildung, eine zweijährige Vertragsverlängerung erhielt; eine Ausbildung, die nur im Spital wichtig ist. Es war zu erwarten, dass er unbefristet in den KAV übernommen wird, umso mehr, als Lungenfachärzte gesucht werden. Allerdings hatte er vor einem Jahr die Ärztegewerkschaft Asklepios gegründet – und siehe da, wegen fehlender Identifikation mit den „Gesamtinteressen“ kriegt er keinen neuen Vertrag.

Als ruchbar wurde, dass politische Motive der Grund sind und zudem der Gatte der Gesundheitsministerin und die Gattin des Wiener Bürgermeisters mit der Sache zu tun hatten, rückte das KAV-Aufsichtsgremiumsmitglied Christian Köck aus, um der Geschichte einen anderen Drall zu geben, und erklärte öffentlich, dass es dem Datenschutz unterliegende Gründe gäbe. Er dürfe nix Genaues sagen – aber man könne sich ja selbst an der betroffenen Abteilung umhören. Nur Stunden darauf stellte sich jedoch diese mit einem offenen Brief hinter Rainer, der nicht nur ein guter Arzt, sondern auch ein hervorragender Kollege sei. Nun gingen die Gesundheitsministerin und der Bürgermeister in die Offensive: Wenn eine „Grundloyalität“ nicht gegeben sei, dürfe jedes Unternehmen unliebsame Mitarbeiter entfernen. Punkt.

In der Privatwirtschaft sehe ich das ein. Wenn ein Mitarbeiter durch politische Aktivitäten das Überleben eines Unternehmens gefährdet, ist er zu entfernen. Der KAV ist aber kein Privatunternehmen. Wir, das Volk, statten öffentliche Spitäler mit Privilegien aus. Sie müssen sich keiner Konkurrenz stellen und ihre Existenz wird mit Steuergeldern gesichert. Und was wollen wir dafür? Dass sie Kritik ernst nehmen! Kritik kann, ausreichende Transparenz vorausgesetzt, von extern kommen oder von intern. Wenn externe Kritik wegen Transparenzmangel unmöglich und interne Kritik aber verboten ist – was bleibt dann übrig? Ist es wirklich so, dass dann die „Gesamtinteressen“ (die nirgendwo niedergeschrieben sind, sondern willkürlich existieren) einer regierenden Elite als Diktat gelten?

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