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Retschitzegger: Palliative Geriatrie

In Deutschland wurde das Hospiz- und Palliativgesetz beschlossen – ich will bewusst nicht die korrekte Formulierung „verabschiedet“ verwenden … Darin findet sich auch die Betonung „Der Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung im ländlichen Raum wie in Ballungsgebieten, die bessere Finanzierung und Verankerung der Palliativversorgung in stationären Pflegeeinrichtungen sind wichtige Schritte.“ Wenn wir die demographische Entwicklung betrachten, werden wir gerade in der geriatrischen Versorgung die größten Herausforderungen der Zukunft vorfinden. Immer noch gibt es viel zu viele Pflegeheime, in denen Palliative Geriatrie Fremdwörter sind und nicht merkbar gelebt werden.

Und Leiden ist nicht nur Schmerz. Das wurde auch beim 3. Interdisziplinären Fachtag Palliative Care in Wien mit „Leiden beeinträchtigt den Menschen in all seinem Sein und all seinen Lebensbereichen“ betont. Eine dortige Hauptreferentin, Dr.in Claudia Bozzaro, Medizinethikerin an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg (D), brachte es auf den Punkt: „Leiden zu lindern ist eine der Hauptaufgaben der Medizin. Leiden ist jedoch auch Teil des Lebens. Die Medizin ist auf die Differenzierung unterschiedlicher Leiderfahrungen angewiesen. Schmerzen sind nicht dasselbe wie Einsamkeit, schwere Übelkeit nicht dasselbe wie die Angst, anderen zur Last zu fallen, auch wenn diese Situationen unerträglich leidvoll sein können. Die Medizin kann nicht jede Form von Leiden lindern“, so Bozzaro.

Deshalb ist ein wesentlicher Aspekt guter geriatrischer Umsorgung die Integration klarstellender und angst­reduzierender Kommunikation im Sinne eines Vorsorgedialogs (Advance Care Planning), bei dem mit den geriatrischen BewohnerInnen eine Klärung der Lebenswünsche bzw. medizinischer Zielsetzungen dia­logisch und kontinuierlich erarbeitet wird. Palliativkultur und Integration von Palliativer Geriatrie hängen direkt mit gelingender Kommunikation zusammen. „Sprechen heißt Handeln“, sagt Sartre. Wenn wir mit dem Leiden alter Menschen würdevoll und gut umgehen wollen, brauchen wir im Gesundheitssystem auch eine Finanzierung, welche nicht nur invasive Eingriffe, sondern auch therapeutische Gespräche als Leistung honoriert!

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