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Suchtauslöser Migration?

ZUM THEMA - Migranten sind besonders suchtgefährdet, wissen Experten. Die Gründe sind unter anderem: die Verfügbarkeit der Droge, die fehlende soziale Kontrolle und die „erzwungene Arbeitslosigkeit”.

Einsam und ohne Beschäftigung, in dieser Situation wird die „Einladung, ein Suchtmittel zu gebrauchen, wesentlich eher angekonmmen.”
Einsam und ohne Beschäftigung, in dieser Situation wird die „Einladung, ein Suchtmittel zu gebrauchen, wesentlich eher angekonmmen.”

„Migration bedeutet eine besondere Vulnerabilität“, erklärte der Psychiater, Psychologe und Psychotherapeut Prim. Univ.-Prof. Dr. Michael Lehhofer, ärztlicher Leiter der Drogenberatung des Landes Steiermark, beim Symposium „Migration und Prävention“ in der Wiener Ärztekammer. Diese Verletzbarkeit führe dazu, „dass die Einladung, Suchtmittel zu gebrauchen, wesentlich eher angenommen wird“. Als Gründe für die Vulnerabilität von Migranten nannte Lehhofer traumatisierende Erfahrungen in der Heimat, den Stress, der mit dem Verlust vertrauter Bindungen einhergeht, und auch die Probleme nach der Ankunft im Aufnahmeland – etwa „die erzwungene Arbeitslosigkeit von Migranten in Österreich, die aus politischen Gründen aufrechterhalten“ werde: „Einen Menschen einzuladen, bei mir zu leben, und ihm die Arbeit zu verweigern ist aufgrund dessen, was wir aus der psychologischen Literatur wissen, eine hochaggressive Handlung“, so Lehhofer.

Im Zusammenhang mit Traumatisierung erinnerte Lehhofer daran, dass auch die Beobachtung von Angst als solche traumatisierend sei und dass – wie man aus der Holocaustforschung wisse – auch noch die zweite und dritte Generation die Traumatisierung mitbekämen. Wie aus der Suchtforschung bekannt, seien Verfügbarkeit und soziale Kontrolle wesentliche Faktoren bei der Entstehung von Sucht, erklärte Lehhofer. Das bedeute eine erhöhte Suchtgefahr für Menschen, bei denen aufgrund von Migration die Kontrolle durch Familie und Freunde wegfällt. Insbesondere für jene, die aus sehr restriktiven Kulturen kommen, sei die Versuchung groß, die neue Freiheit zu nützen. Bei der Therapie von Migranten ergäben sich besondere Probleme, so Lehhofer: „Selbst wenn sich jemand findet, der grundsätzlich die Sprache spricht, kann es schwierig sein, Verständnis zu bekommen, wenn dieser Mensch nicht aus dem gleichen Landstrich und Kulturverständnis kommt. Und wir wissen ja, dass die Grundlage von psychotherapeutischem Erfolg Verständnis ist.“

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