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Gesundheitsreferentenkonferenz

Oberösterreich setzt auf Rendezvous mit der Ärztekammer

Halbjährlich wechselt der Vorsitz der Gesundheitsreferentenkonferenz der Bundesländer. Seit 1. Jänner hat ihn Oberösterreich mit Gesundheitsreferentin Landeshauptmann-Stellvertreterin Mag. Christine Haberlander (VP) inne. Einer ihrer ersten Termine war ein Gespräch mit den obersten ärztlichen Standesvertretern Österreichs.

Die Tagung der Gesundheitslandesräte findet heuer von 28. bis 29. Mai 2020 in Traunkirchen statt. „Wir wollen die Zeit des Vorsitzes gut nutzen und mit allen wesentlichen Partnern im Gesundheitswesen Gespräche führen“, kündigte kürzlich Gesundheitslandesrätin LH-Stv. Mag. Christine Haberlander (Bildmitte) in einer Aussendung an. Einer der ersten Gesprächspartner waren der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Dr. Thomas Szekeres (re. im Bild), und ÖÄK-Kammeramtsdirektor Dr. Johannes Zahrl (li. im Bild).

Der „oberösterreichische Weg“ der Gemeinsamkeit aller Systempartner im Gesundheitswesen habe sich sehr gut bewährt, das könne ein Vorbild auch für die Bundesebene sein, ist Haberlander überzeugt: „Präsident Szekeres hat mir bestätigt, dass das gute Miteinander in Oberösterreich auch in Wien bekannt ist.“ Und man sei sich einig, dass die aktuellen Herausforderungen nur gemeinsam zu bewältigen seien.

Anreize für Hausärzte, Prävention & Digitalisierung

Zu diesen zähle die Demografie, die einen Fokus auf die Entwicklung von Fachkräften im Gesundheitswesen erfordere: „Wir brauchen noch mehr Anreize, um junge Medizinerinnen und Mediziner für Hausarztpraxen in den ländlichen Regionen zu gewinnen“, nennt Haberlander Beispiele, „auch für Mangelfächer wie die Kinder- und Jugendpsychiatrie gilt es beim medizinischen Nachwuchs Begeisterung zu wecken.“

Ein Schwerpunkt der Tagung Ende Mai werde auch die Prävention sein, der man neben der Gesundheitsförderung „noch mehr Gewicht“ geben müsse. Das gemeinsame Ziel sei, die gesunden Lebensjahre der Menschen zu erhöhen, „da brauchen wir auch eine Bewusstseinsänderung und Stärkung der Eigenverantwortung“, betont die oberösterreichische Gesundheitsreferentin.

Ein weiterer Schwerpunkt ihres Vorsitzes sei die Digitalisierung, deren Fortschritte auch im Gesundheitsbereich „klug“ genutzt werden sollten. Das reiche von einem „vereinfachten und verbesserten Zugang zu medizinischen Leistungen bis zu konkreten telemedizinischen Anwendungen“, die für Patienten Vorteile brächten, und „natürlich auch Unterstützung und Entlastung“ für die Mitarbeiter.

Dank an Szekeres, Lob für Regierungsprogramm

„Ich bedanke mich bei Präsident Szekeres für das konstruktive Gespräch und bei der Ärztekammer für das gute Miteinander“, führt Haberlander weiter aus, „wir werden gemeinsam in den kommenden Monaten auch bei Bundesminister Rudolf Anschober eine Reihe von Themen ansprechen.“ Denn im Regierungsprogramm seien „viele gute Punkte“ enthalten, die nun miteinander rasch näher definiert und umgesetzt werden sollen. Insgesamt habe man sich für das Vorsitzhalbjahr ein „umfangreiches Arbeitsprogramm“ vorgenommen. Haberlander zeigt sich aber „zuversichtlich, dass einiges gelingen wird“.

Szekeres-Blog: „Telemedizin schafft kaum Abhilfe“

Die Vorstellungen der Gesundheitslandesräte und der Standesvertretung dürften jedoch noch weit auseinanderliegen. In seinem Blogeintrag am 6. Februar 2020, einen Tag vor der Aussendung Haberlanders, titelt Szekeres sogar mit „Ende für Allgemeinmediziner und Kinderfachärzte?“. Denn bereits 95 Kassenstellen für Hausärzte seien unbesetzt, „bald wird die Hunderter-Grenze“ erreicht sein, 26 bei Kinderärzten und 16 bei Frauenärzten. Gründe seien der ökonomisch immer schwierigere Erhalt einer Arztpraxis (vor allem ohne Hausapotheke), zu wenig Zeit für die Patienten, immer mehr Administration. Und viele gingen auch deshalb nicht aufs Land, weil die Infrastruktur „ausgedünnt“ sei.

„Telemedizin schafft kaum Abhilfe“, schreibt Szekeres, „die Patienten wollen den Arzt sprechen und persönlich betreut werden.“ Für viele ältere Menschen sei der Arztbesuch zudem der wesentliche soziale Kontakt. Wenn nichts geschähe, werde sich der Trend zu unbesetzten Kassenstellen verschärfen. Seine Vorschläge: deutliche Anhebung der Honorarsätze, adäquate Bezahlung für Beratungsgespräche. „Von den lächerlich geringen Entgelten für Hausbesuche will ich gar nicht reden“, meint der oberste Standesvertreter.

Auch die mehr als 70 angekündigten Primärversorgungseinrichtungen würden da kaum Abhilfe schaffen. Vor allem aber seien sie kein Ersatz für den Hausarzt und könnten auch die wohnortnahe Versorgung nicht garantieren. Derzeit schaue alles danach aus, als ob das Prinzip wohnortnaher Hausarzt „langsam aber sicher erodieren“ würde. „Das dürfen wir nicht zulassen. Weder die Gesundheitspolitik noch die Lokalpolitik, sprich die Bürgermeister und Gemeinderäte“, appelliert Szekeres, seines Zeichens auch Präsident der Ärztekammer für Wien.

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